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Diskutierten: (v. l.): Michael Utschneider und Ulrich Sengle (Sparkasse), Dirk Urland (Gewerbeverein Erding), Hermann Billmayer (Fremdenverkehrs- und Gewerbeverein Wartenberg), Joachim Sommer (Sparkasse), Stefan Tremmel (Förderkreis Dorfen), Heiko Schmidt (Werbegemeinschaft Hallbergmoos) Wolfgang Kraus (Ardeo), Georg Strohmaier (Gewerbeverein Holzland), Christa Scholz (Gewerbeverein Taufkirchen), Landrat Martin Bayerstorfer, Margit Aschenbrenner (Tourismusregion Erding), Getrud Eichinger (Selbständige Finsing), Alexandra Schuhbauer (Sparkasse) und Heinz Grundner.

Herausforderungen des digitalen Zeitalters

Gewerbedialog in Dorfen: Internethandel ist eine Chance

Handel im Wandel – das digitale Zeitalter ist für Geschäfte eine Herausforderung. Das ist bekannt. Schließlich hat fast jeder schon bei Amazon & Co. bestellt. Für die Unternehmer im Landkreis steht ein Paradigmenwechsel an.

DorfenDer kann freilich nur gelingen, wenn die örtlichen Gewerbetreibenden gemeinsam agieren. 

Deshalb hatte die Sparkasse Erding-Dorfen die Gewerbevereine in den Jakobmayer nach Dorfen eingeladen. Der Gewerbedialog stand unter dem Motto „Zusammen sind wir nicht allein“. Schließlich ist der Wandel im Handel nicht nur Herausforderung, sondern eine Chance mit rentablen Perspektiven.

Tremmel: Dorfen ist weit entfernt von reiner Schlafstadt

„Durch Qualität und Service punkten Handel und Gewerbe in den Innenstädten und grenzen sich vom reinen Internethandel ab“, sagte Dorfens Bürgermeister und Gastgeber Heinz Grundner. Man müsse mit der Zeit gehen und neue Wege einschlagen, um den Verkauf zu steigern – allein, damit die Innenstädte nicht zu Schlafstädten mutieren.

Von einer reinen Schlafstadt sei Dorfen weit entfernt, so Stefan Tremmel, Vorstand des Förderkreises Dorfen: „Die Innenstadtbelebung verdanken wir allerdings einem gezielten Stadtmarketing.“ Wichtig dabei seien Veranstaltungen, wie etwa der Stadtlauf, der auch potenzielle Käufer in die Innenstadt lockt.

Trotzdem ärgerte sich Tremmel über das Ungleichgewicht zwischen Einzel- und Onlinehandel: „Wir zahlen Mieten und stellen gute Mitarbeiter.“ Ein Kostenfaktor, den die Kunden nicht immer honorierten.

Kraus: „Die Filialisten eröffnen ein Geschäft, kümmern sich aber ansonsten um nichts“

Doch nicht nur das Internet macht dem Einzelhandel zu schaffen, sondern auch der Fachkräftemangel: „Wir müssen junge Leute wieder für Berufe in Handel und Handwerk begeistern“, sagte Dirk Urland, Vorsitzender des Gewerbevereins Erding. Die Hälfte der Realschüler etwa gehe nach dem Abschluss auf die Fachoberschule, statt eine Ausbildung zu machen.

Wolfgang Kraus vom Erdinger Ardeo Netzwerk monierte: „Die Filialisten eröffnen ein Geschäft, kümmern sich aber ansonsten um nichts.“

Schleef: „Der Druck auf die Einzelhändler ist noch nicht so stark“

Für Margit Aschenbrenner von der Tourismus Region Erding ist vor allem der Ausbau der Verkehrs- und digitalen Infrastruktur wichtig: „Die Gäste kommen ins Hotel und fragen noch vor dem Einchecken nach Wlan.“ Dies sei „fast schon ein Muss“, meinte auch Philipp Schleef, Projektmanager der Wirtschafts- und Servicegesellschaft Pfaffenhofen. „Eine Zukunft ohne Online wird schwerlich stattfinden.“ Bei einem Modellprojekt in Pfaffenhofen wurden die innerstädtischen Betriebe auf das digitale Zeitalter eingestellt.

Schleef: „Amazon ist ein großes Warenlager mit sehr guter Internetseite.“ Das gelte es zu toppen: „Der Handel erlebt derzeit eine gute Phase, der Druck auf die Einzelhändler ist noch nicht so stark.“ Dennoch sollten die Geschäfte schon jetzt umdenken und auf Social Media und Online-Verkauf setzen. „Die Menschen wollen in lokalen Geschäften einkaufen, sich aber vorab über die Angebote im Netz informieren.“ Kundennähe und Beratung – das böten die Geschäfte, die gleichzeitig auch die Identität der Innenstädte spiegelten. „Kombiniert man diesen Service mit E-Commerce, sollte der Zukunft des Handels nichts im Wege stehen.“

Zum Abschluss wurde diskutiert. Grundner kann sich Dorfen durchaus als digitalen Marktplatz mit innerstädtischem Ambiente vorstellen. Für Tremmel sind Facebook, Instagram und Online-Handel „super Ideen“ zur Selbstvermarktung. „Aber wie bringt man Social Media jenen Inhabern bei, in deren Geschäften noch nicht mal mit EC-Karte bezahlt werden kann?“

Gemeinsame Schau am Flughafen?

Moderator Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger, regte als Zeichen der Vernetzung eine regionenübergreifende Gewerbeschau an – etwa am Flughafen. Das will dessen Regionalbeauftragter Jochen Flinner prüfen. Die Debatte ergab aber auch: In wirtschaftlich guten Zeiten ist das Interesse der Handwerksbetriebe gering sich bei Gewerbeschauen zu präsentieren – Beispiel Erding. Die Prosperität belegte Landrat Martin Bayerstorfer mit stark gestiegenen Steuereinnahmen. Verständnis hatte er für die Kritik, dass die Regelung mit verkaufsoffenen Sonntagen oft sehr strikt gehandhabt werde.

Von Michaele Heske

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