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„Den letzten Gruß missgönnt“: Petra Moorloher am Grab ihrer Mutter. Unbekannte Diebe haben eine schwere Blumenschale gestohlen. Foto: Renner

Tatort Friedhof

Blumen vom Grab ihrer Mutter gestohlen - Tochter ist fassungslos

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„Wie fühlt man sich, wenn man einem Verstorbenen den letzten Gruß missgönnt?“ Diese Frage würde Petra Moorloher gerne der „erbärmlichen Person“ stellen, die vom frischen Grab ihrer Mutter eine Blumenschale gestohlen hat. Moorloher ist fassungslos, traurig – und wütend.

Dorfen – „Immer guad drauf sein und du derfst hoid ned eher sterbn.“ Das war das Rezept zum Erreichen eines hohen Alters der immer lebensfrohen Katharina Nester, der Mutter von Petra Moorloher. 105 Jahre wurde „Urli“, wie sie auch genannt wurde alt – und war damit die älteste Frau im Landkreis. Am 24. März ist die Ur-Ur-Oma überraschend verstorben, am 29. März wurde sie auf dem Dorfener Friedhof zur letzten Ruhe gebettet. Tochter Petra, die Enkel, Urenkel und Ururenkel haben der Verstorbenen viele Blumen mit auf ihrem letzten Weg gegeben. Darunter war auch eine große, schwere Blumenschale. „Sie war so schwer, dass man sie nicht alleine tragen konnte“, erinnert sich Moorloher. Und gerade diese Schale ist jetzt gestohlen worden – samt Trauerschleife.

Die Tochter der Verstorbenen ist „entsetzt. Wer macht so etwas?“, frägt sie sich. Und: „Wie weit entfernt von Anstand und Moral sind manche Personen inzwischen?“ Moorloher würde interessieren, wie sie ein Dieb fühlt, der von einem frischen Grab eine bepflanzte Schale entwendet, der damit dem Verstorbenen „den letzten Gruß missgönnt“. Wer selbst Tote bestehle, sei eine „erbärmliche Person“, urteilt Moorloher, die auch Vorsitzende der Dorfener Liedertafel ist. Und sie würde dem Dieb auch gerne die Frage stellen, wie man sich fühlt, „wenn man im Diesseits einen Diebstahl begeht, wofür man im Jenseits noch eine größere Strafe zu erwarten hat?“

Der Diebstahl von Blumen und Schmuck von Gräbern ist keine Seltenheit mehr. Das hat Moorloher mittlerweile in vielen Gesprächen auf dem Friedhof erfahren. Geklaut wird alles, was beweglich ist. Und das nicht nur in Dorfen. Auch in anderen Friedhöfen, etwa in Isen und Taufkirchen gibt es keine Hemmungen, Gräber regelrecht abzuräumen. Moorloher appelliert jetzt an alle Friedhofsbesucher, „aufmerksamer zu sein“. „Der/die ,Gratis-Einkäufer‘ sollen sich ruhig unwohl in der Haut fühlen, ob sie nicht doch beobachtet werden oder worden sind.“ Und sie stellt auch in den Raum, ob man die Friedhöfe abends nicht absperren sollte.

Zahlen speziell über Grabschmuck-Diebstahl gibt es nicht – die Polizeiliche Kriminalstatistik führt dieses Delikt nicht gesondert auf. Fest steht aber, früher wurden meist Lampen und Blumenschalen entwendet, inzwischen werden landesweit immer mehr Skulpturen aus Bronze oder Kupfer gestohlen. Das Diebesgut wird weiterverkauft oder von unseriösen Schrotthändlern zum Altmetallpreis erworben und danach eingeschmolzen. Die Häufigkeit solcher Diebstähle „steht in Abhängigkeit dazu, wie hoch der zu erzielende Preis von Metallen ist“, sagt der Dorfener Polizeichef Harald Kratzel. Doch die allermeisten der Diebstähle werden gar nicht erst bei der Polizei angezeigt. Dabei hält Kratzel das für verkehrt: „Grundsätzlich sollte der Polizei ein Diebstahl zur Kenntnis gegeben werden. Nur dann gibt es auch die Möglichkeit zu ermitteln – unabhängig davon, was dabei herauskommt.“

Doch der Sachschaden steht bei den Angehörigen nicht im Vordergrund. Nicht wenige Nahe Hinterbliebene leiden durch den Diebstahl seelisch. Eine solche Tat sei vergleichbar mit einem Einbruch, sagen Psychologen. Dieser Eingriff in den „ganz persönlichen Bereich“ könne eine psychische Belastung bei den Angehörigen auslösen.

Doch es geht auch noch krasser, als nur Blumen vom Grab zu stehlen. Im Kreis Augsburg hat ein Dieb den Blumenschmuck, der vor der Leichenhalle aufgebaut war und später das Urnengrab zieren sollte, mitgenommen. Die Familie des Verstorbenen war zu diesem Zeitpunkt gerade im Trauergottesdienst.

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