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Aktuellen Fragen zur Landwirtschaft gestellt haben sich am Montagabend der neue BBV-Kreisobmann Jakob Maier (l.) und Grünen-Kreisrat Toni Wollschläger. Moderiert wurde die Runde im Dorfener Gasthof „Am Markt“ von Anna-Maria Lanzinger, Sprecherin der Grünen Jugend und Bundestags-Kandidatin für Erding und Ebersberg. 

Landwirtschafts-Diskussion

Grüne und Bauern nähern sich an

Wenn Grünen-Kreisrat Toni Wollschläger und Bauernverbands-Obmann Jakob Maier aufeinander treffen, verspricht das eine spannende Diskussion. In manchen Punkten sind sich beide jedoch einig.

Von Henry Dinger

Dorfen – Dass sich die Grünen-Partei und die bayerischen Bauern mitunter nicht ganz grün sind, ist bekannt. Insofern wurde die Diskussionsrunde zum Thema „Landwirte zwischen Bauernregeln und Umweltauflagen“ am Montagabend in Dorfen mit Spannung erwartet. Der Kreisverband Erding von Bündnis 90/Die Grünen hatte ihren Kreisrat Toni Wollschläger und den neuen Erdinger Obmann des Bayerischen Bauernverbandes, Jakob Maier, an einen Tisch geholt. „Maier hat sofort einer Diskussion zugestimmt, als wir ihn kurz nach seiner Wahl eingeladen hatten“ freut sich Grünen-Kreischefin Helga Stieglmeier.

Zu den Themen des Abend, den Anna-Maria Lanzinger, Sprecherin der Grünen Jugend und Bundestags-Kandidatin für Erding und Ebersberg, moderierte, gehörte die Belastung des Grundwassers durch Gülle und Düngemittel. Thema war auch die neue Düngeverordnung, die im Herbst in Kraft tritt. Für den Biobauern Wollschläger ist klar: „Nitrat ist ein wichtiger Düngenährstoff und enthält Stickstoff, der wichtigste Bestandteil vom Eiweiß. Auch eine Pflanze, die auf einem Biofeld wächst, braucht Stickstoff.“ Im Unterschied zu den konventionellen Landwirten verwendeten Bio-Bauern aber viel weniger Dünger. Denn zuviel Nitrat im Grundwasser hätte verheerende Folgen für die Gesundheit des Menschen, deswegen gäbe es Grenzwerte. Der EU-Grenzwert läge bei 50 Milligramm Nitrat pro Liter Trinkwasser, der Wert der Weltgesundheitsorganisation WHO bei 20 Milligramm. „Das wichtigste Lebensmittel, das wir haben, ist in Gefahr“, sagt Wollschläger.

BBV-Mann Maier sieht das Nitratproblem „etwas entspannter“. Sorgen machen ihm vor allem kleinere Betriebe, die wegen der Düngeverordnung in die Ausbringe-Technik investieren müssten. „Da sollte es Ausnahmeregeln geben.“ Auch bei den Subventionen für die Landschaft macht sich Maier für die kleinen Höfe stark. Er spricht allerdings lieber von Ausgleichszahlungen, als von Subventionen. In Bayern sollte man die Förderung für die Familienunternehmen weiter aufstocken, auch wenn es zu Lasten der größeren Betriebe gehe. Dafür setze sich der BBV ein. „Die Großen können das besser auffangen, das ist das Solidaritätsprinzip bei uns Bauern.“

Biobauer Wollschläger sieht die Ausgleichszahlungen als „Steuerungsfunktion“. Subventionen sollten dazu verwendet werden, „eine Landwirtschaft zu schaffen, die lebensverträglicher ist“. Für ihn sei beispielsweise auch der Artenschutz wichtig. „Wenn man schon Steuergelder ausgibt, sollte man auch solche Dinge unterstützen und nicht, dass ein Großbetrieb zu 30 000 Hektar noch 10 000 Hektar dazupachtet“. Doch auch er sieht derzeit die Notwendigkeit der Zahlungen, um die kleinen Strukturen in Bayern einigermaßen zu erhalten. „Wenn man den Ausgleich plötzlich einstellen würde, müsste ein Großteil der Betriebe aufhören“. Aus seiner Sicht sollte das Geld allerdings mehr in eine ökologische, nachhaltige Richtung fließen.

Auch Verbraucher stehen in der Pflicht

Obmann Maier nimmt auch die Verbraucher in die Pflicht. Seit 40 Jahren hingen die Erzeugerpreise fest und als Bauer müsse man ständig die Produktion erhöhen und sich vergrößern, um überleben zu können. „Wir sind angewiesen auf die Ausgleichzahlungen.“ Das läge auch daran, dass die Kunden nicht bereit wären, mehr Geld für gute Lebensmittel-Qualität auszugeben.

Dass die Themen der Landwirtschaft genügend Zündstoff bieten, brachte die Frage nach der artgerechten Tierhaltung deutlich zum Vorschein. Vor allem bei der Enthornung von Kälbern gehen die Meinungen weit auseinander, das zeigte sich auch bei der Diskussion mit dem Publikum. Während Maier in den Hörnern schlicht ein Sicherheitsrisiko für den Landwirt sieht, lehnt Wollschläger die Entfernung der Hörner kategorisch ab. Wollschläger und Maier waren sich einig, derartige Treffen zu wiederholen.

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