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Grüntegernbach soll ans Nahwärmenetz. Das Blockheizkraftwerk dazu am südlich Ortsrand beim TSV Gelände (l.) entstehen. 

Privater Betreiber

Grüntegernbach soll ans Nahwärmenetz

Die Biogas Greimel GmbH &Co. KG aus Nicklhub bei Wasentegernbach plant ihr privates Nahwärmenetz zu erweitern. Versorgt werden soll auch Grüntegernbach. Im Bauausschuss des Stadtrates wurde das Vorhaben wegen des kurzfristig gestellten Antrags kritisiert.

Von Hermann Weingartner

Dorfen – Um das Nahwärme-Projekt zu verwirklichen, will Biogas-Anlagenbetreiber Johann Greimel am südlichen Ortsrand von Grüntegernbach ein Blockheizkraftwerk (BHKW) errichten und betreiben. Der entsprechende Antrag sei „sehr kurzfristig“ bei der Stadt Dorfen eingegangen, sagte Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) im Bauausschuss des Stadtrats. Wie Uli Frank-Mayer (GAL) kritisierten auch andere Bauausschussmitglieder „die plötzliche Eile“. Für den „sehr, sehr umfangreichen Antrag“ hätten man mehr Zeit gebraucht, um sich vorzubereiten. Doris Minet (ÜWG) fühlte sich gar „unter Druck gesetzt“, Michael Oberhofer (CSU) ging das „zu schnell“.

Beraten wurde trotzdem, um das Vorhaben nicht zu behindern. Der Antragsteller müsse für sein Kraftwerk eine genehmigte Planung bis zu einer Ausschreibungsfrist an der Strombörse bis 1. September wahren, sonst verschiebe sich das Projekt um ein ganzes Jahr, erklärte Grundner. Er erinnerte auch daran, dass im Stadtrat und seinen Ausschüssen der Einsatz umweltfreundlicher Energie allgemein sehr begrüßt werde.

Im Dorfener Baugebiet „An der Mühlleite“ wurde daher sogar ein Anschlusszwang an das städtische Nahwärmenetz beschlossen. Weniger Unterstützung im Stadtrat hatte vor einigen Jahren ein geplanter privater Solarpark. Die Erzeugung von Sonnenstrom direkt an der A 94 bei Lindum wurde abgelehnt.

Bauamtsleiter Franz Wandinger sagte, bei dem Greimel-Bauantrag gehe es um die Verstromung von Biogas aus seiner Biogasanlage in Nicklhub. Dazu wolle der Antragsteller neben der ED 25 am Rand des südlichen Sportplatzes des TSV Grüntegernbach ein BHKW errichten. Die Abwärme der Anlage soll in ein geplantes Nahwärmenetz gespeist und zur Versorgung von Grüntegernbach genutzt werden. Der Bauherr habe dafür bereits mehrere Bewerber in Grüntegernbach und auch für das neue Wohnbaugebiet Grüntegernbach Ost sei das Vorhaben sicher interessant.

Laut Antrag soll das Kraftwerk mit zwei Gasmotoren in einem Container-Modul installiert werden und zwei, je elf Meter hohe Kamine haben. Das BHKW soll über eine noch zu verlegende Leitung mit Biogas aus Nicklhub versorgt werden. Die Anlage befindet sich im Außenbereich an der Ortseinfahrt. Es ist daher auch die Fernwirkung auf die Ortsansicht zu berücksichtigen.

Schnell einig war man sich im Ausschuss, dass eine Eingrünung der Anlage zwingend nötig sei. Zudem solle das Kraftwerk nur einen Kamin haben. Grundner forderte überdies eine Einhausung des Container-Kraftwerks. Günther Drobilitsch (GEM), selbst Biogas-Landwirt, sagte dazu, Stromerzeugung aus Biogas und Nutzung der Abwärme sei „eine sinnvolle Sache“. Die Container-Bauweise sei aber nicht schön. Aber Ein Container koste rund 50 000 Euro, ein Gebäude sei deutlich teurer. Als „ästhetisch daneben“ sah Oberhofer den Container und „nicht verträglich mit dem Ortsbild“.

Einstimmig beschlossen wurde, unter Auflagen dem Projekt das gemeindliche Einvernehmen zu erteilen. Das BHKW darf nur einen Kamin haben und muss in ein Gebäude oder Stadl eingehaust werden.

Auf Nachfrage der Heimatzeitung sagte Bauherr Greimel gestern, er wolle in dem geplanten Satelliten-BHKW mit 530 Kilowatt elektrischer Leistung sein Biogas nicht nur verstromen, um mehr Vergütung zu erhalten, sondern auch die Abwärme nutzen. Die werde in ein Nahwärmenetz zur Versorgung Grüntegernbachs gespeist, das er ebenfalls errichten und betreiben wolle. Wichtig sei die Genehmigung auch wegen dem neuen Baugebiet Grüntegernbach Ost (rund 32 Parzellen). Dort sei im Herbst der Beginn der Erschließung zu erwarten. Da müsse für die Verlegung von Leitungen klar sein, ob dort eine Nahwärmeversorgung gewünscht ist. Wirtschaftlich tragbar werde das Vorhaben erst mit 35 bis 40 Anschließern. Die Verstromung werde im BHKW nur im Zusammenhang mit einem sinnvollen Wärmenutzungskonzept genehmigt, betonte Greimel. Zur Versorgungssicherheit werde er eine eigene Wärmeleitung von Nicklhub zum Kraftwerk legen. Dort wolle er zur Versorgungssicherheit ein Hackschnitzelwerk errichten, wenn es im Winter besonders kalt sei oder das Biogas mal ausfallen sollte.

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