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Das Dorfener HAWE-Werk: Bis spätestens März 2017 wird es geschlossen.

"Herber Schlag"

HAWE-Aus: Bürgermeister spricht von katastrophalem Signal

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Dorfen - „Ein herber Schlag“, „Dramatisch, was da abgeht“ – so kommentiert Bürgermeister Heinz Grundner die Schließung des Dorfener HAWE-Werkes. Für den Stadtchef steht fest: Die Dorfener Gewerbepolitik muss sich grundlegend ändern.

Für Bürgermeister Grundner kam die Mitteilung über das Aus von HAWE Hydraulik in Dorfen „völlig überraschend“. Er wurde von der Werksschließung von Vorstandssprecher Karl Haeusgen am späten Montagnachmittag bei einem kurzfristig anberaumten Termin im Rathaus informiert. Zuvor hatte der HAWE-Chef die Belegschaft bei einer Betriebsversammlung mit der bitteren Nachricht konfrontiert.

Bürgermeister Heinz Grundner. 

In erster Linie findet Grundner die Werksschließung für die 130 Mitarbeiter „katastrophal“. Denn das Angebot von HAWE, die Mitarbeiter in anderen Werken, etwa in Kaufbeuren, weiter zu beschäftigen oder in einer Transfergesellschaft unterzubringen, sieht der Stadtchef eher als „Kosmetik“. In dem Dorfener Werk seien viele Familienväter beschäftigt, für die eine Umsiedelung „gar nicht in Frage kommt“. Diese Mitarbeiter könnten nur darauf hoffen, dass sie anderweitig einen Arbeitsplatz fänden. Der Arbeitsmarkt in der Region sei ja durchaus gut.

Mit dem Aus von HAWE und der im November verkündeten Schließung des Dorfener Ziegelwerkes Meindl verlieren innerhalb eines Vierteljahres über 220 Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze. Für die Stadt selbst wagt Grundner noch keine dezidierte Prognose, wie sich das finanziell auswirken wird. „Jedem muss aber bewusst sein, dass das Auswirkungen auf das Gesamtsystem hat. Die Stadt Dorfen steht von der Umlagekraft her ohnehin auf den hintersten Rängen im Landkreis“, so Grundner. Bei HAWE und der Ziegelei Meindl handelt es sich – nach der Stadt selbst und dem Pflegeheim der Barmherzigen Brüder in Algasing – um die größten Arbeitgeber. Der Wegfall der Gewerbesteuer und auch der wegen der Arbeitslosigkeit von Mitarbeitern zu erwartende Einbruch bei der Einkommenssteuerbeteiligung werde Auswirkungen auf die Stadt haben. „Die Situation greift in finanzielle Ausstattung der Stadt ein. Wir werden sicher einige Dinge, etwa freiwillige Leistungen der Stadt, auf den Prüfstand stellen müssen.“ Zudem seien die Schließungen von Meindl und HAWE „ein Signal nach außen hin, dass einer Katastrophe gleicht.“

Lesen Sie auchHAWE schließt Werk in Dorfen

Vom Stadtrat fordert Grundner jetzt eine grundlegende Umkehr in der Gewerbepolitik. „Die Stadt positioniert sich nicht immer als innovativste Kommune. Zaudern hilft uns nicht mehr weiter.“ Es müsse jetzt alles daran gesetzt werden, Dorfen zu einem attraktiven Gewerbestandort zu entwickeln. „Die Stadt muss sich hier als innovative Kommune positionieren.“ Dass im Stadtrat mehrheitlich nicht unbedingt eine gewerbefreundliche Politik gemacht wird, umschreibt Grundner vorsichtig: „Gewerbeenwicklung in Dorfen ist immer schon etwas schwierig gewesen.“ Für völlig verfehlt hält der Stadtchef die im Stadtrat immer wieder aufkeimende Diskussion über „gute“ und „schlechte“ Arbeitsplätze: „Welcher Arbeitsplatz ist unattraktiv? Sozial ist das, was Arbeit schafft.“ Die „Türsteher-Funktion“, die nicht wenige Stadträte an den Tag legten, „muss aus den Köpfen raus“. Denn eines sei klar: „Die Nachbar-Kommunen entlang der Entwicklungsachse A 94 schlafen nicht.“

Kritik in sozialen Netzwerken. "Dorfen bekommt eh nichts zustande..."

Vorwürfe, wonach die Stadt an der Entwicklung bei HAWE in Dorfen mit Schuld sei, da dem Unternehmen keine Grundstücke für eine Erweiterung zur Verfügung gestellt wurden, weist Grundner allerdings zurück. Die Stadt habe 2007, als die Erweiterung geplant war, alles getan, um zwischen HAWE und dem Grundstückseigentümer, dem ehemaligen Ziegelei-Fabrikanten Andreas Huber, zu vermitteln. „Am Bemühen der Stadt ist das sicher nicht gescheitert.“

HAWE-Mitarbeiter sehen dies anders. In sozialen Netzwerken wird die Stadt mit Kritik überhäuft. „Dorfen bekommt eh nichts zustande, außer dass sie vielleicht einen neuen Dönerstand bekommen . . .“, schreibt etwa ein Mitarbeiter sarkastisch. Und ein anderer meint: „Ein Dank an die Dorfener Verhinderungspolitiker.“

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