Miteinander lernen dürfen inzwischen die Freundinnen Emily Schaller (oben, r.) und Johanna Schaa wieder. „Wir freuen uns auf die Schule“, sagen die beiden Mädchen aus Dorfen.
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Miteinander lernen dürfen inzwischen die Freundinnen Emily Schaller (oben, r.) und Johanna Schaa wieder. „Wir freuen uns auf die Schule“, sagen die beiden Mädchen aus Dorfen.

Grundschule Dorfen-Nord

Freude und Sorgen vor dem Schulstart

Die ersten Grundschüler sind wieder im Unterricht. Wir haben die Grundschule  Dorfen-Nord besucht.

Dorfen– Die Erst- und Viertklässler dürfen wieder in die Schule. Viele Kinder freuen sich über den Unterricht, andere sind verunsichert. Die Lehrer haben sich während des Lockdowns sehr bemüht, schwächere Schüler nicht abzuhängen – doch nicht alle Mädchen und Buben konnten mitgenommen werden.

Frontal-Unterricht schafft die geforderte Distanz

Kein Lachen, kein Toben in den Klassenzimmern oder auf dem Schulhof. Mit Abstand und Maske sitzen die Kleinen an den Tischen – der Frontal-Unterricht schafft die geforderte Distanz. Fast schon gespenstisch sei es, den Nachwuchs morgens an der Grundschule Nord abzugeben, sagt eine Mutter. Und eine andere Frau hat Angst vor einer Infektion ihres Kindes mit Covid-19, stellt die Lockerungen in Frage.

„Es ist wichtig, dass die Kinder wieder eine Struktur bekommen“, meint indes Gerhard Maintok, Rektor der Grundschule Dorfen-Nord. Außerdem würden die Grundschüler deutlich mehr pädagogische Zuwendung brauchen als ältere Kinder, die auch mit Arbeitsblättern zurechtkämen. „Beim Lesen lernen etwa braucht es persönliche Ansprache. Zudem ist für die Schüler der sozialen Kontakte innerhalb des Klassenverbands extrem wichtig.“

Sorge: Manche Kinder wurden abgehängt

Per Telefon, Videokonferenzen oder Lernvideos blieben die Lehrer in Kontakt mit den Kindern. Schwierig sei die schulische Begleitung vor allem dann, wenn beide Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten oder nur wenig Bezug zu digitalen Medien haben.

Kinder mit Migrationshintergrund, deren Mütter und Väter die deutsche Sprache nur wenig beherrschen, wurden während des Lockdowns wahrscheinlich abgehängt, so die Sorge von Inge Schmederer, Abteilungsleiterin Schulförderung im Dorfener Zentrum für Integration und Flüchtlinge (DZIF). Vor Corona wurde im DZIF Kindern mit Lernschwierigkeiten geholfen. Doch Hausaufgabenbetreuung ist derzeit nicht möglich. „Ich fürchte, dass der digitale Unterricht Kinder, die ohnehin schon schulische Defizite haben sind, überfordert.“

„Die Kinder sollen nicht auf der Strecke bleiben“ 

Auch hier habe die Grundschule Dorfen-Nord versucht, gegenzusteuern. Eine Lehrerin sei sogar in die Flüchtlingsunterkunft Lindum geradelt, habe dort Materialien für die Schüler abgegeben, erzählt Rektor Maintok. „Die Kinder sollen nicht auf der Strecke bleiben“, meint er. Weil es in Lindum keine Internetverbindung gibt, können die Flüchtlingskinder auch nicht am Homeschooling teilnehmen.

Auf ein baldiges Ende der Corona-Pandemie hofft Gerhard Maintok, Rektor der Grundschule Dorfen-Nord (l.): „Die Schüler sind so staad“, sagt er.

Wo ihre Schüler stehen, wissen die Pädagogen derzeit nicht: „Wir bekommen erst einen Überblick, wenn die Kinder wieder im Unterricht sitzen“, so der Schulleiter. „Den Leistungs- und Wissensstand müssen wir nach so vielen Wochen Pause erst neu ermitteln.“

Nach Pfingsten geht der Schulbetrieb wieder los

Nach den Pfingstferien fängt der Schulbetrieb auch für die Kinder der zweiten und dritten Klasse wieder an – in 14-tägigem Wechsel, denn die Einrichtungen dürfen nur zur Hälfte beschult werden. So sehen es die Lockerungen vor.

Emily Schaller geht in die 2. Klasse der Grundschule am Mühlanger. Die Achtjährige freut sich sehr auf ihre Lehrerin und die Klassenkameraden. „Ich bin in Mathe sogar besser geworden“, erzählt das Mädchen aus Dorfen stolz. Ihr Vater habe jeden Tag mit ihr gelernt, lobt sie: „Der kann das voll gut.“

Seit dem Aufheben der Kontaktsperre darf sie regelmäßig mit ihrer Freundin Johanna Schaa lernen. Mutter Silke Schaller meint allerdings: „Emily ist eine gute Schülerin – dennoch hätte ich mir manchmal mehr Support seitens der Schule gewünscht.“

Michaele Heske

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