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Glücklich und stolz: die 105 Abiturienten des Dorfener Gymnasiums. Es gratulierten (2. Reihe v. l.) Oberstudienkoordinator Gerd Flören, Direktorin Andrea Hafner, Dr. Silke Kröger (Klassleitung) sowie (2. Reihe v. r.) Christian Hoene, Christina Christiano und Wolfgang Lanzinger (Schulleitung).

Abiturfeier am Dorfener Gymnasium

Reif für das Leben

Dorfen - 105 Abiturienten wurden am Gymnasium Dorfen feierlich entlassen. Der beste Jahrgang, der in der Isenstadt jemals das Abitur gemacht hat, lobte Schulleiterin Andrea Hafner. 

„Cineasten erinnern sich noch an den Film ,Reifeprüfung’ mit Dustin Hoffmann.“ So eröffnete Schulleiterin Andrea Hafner die Entlassfeier der Abiturienten am Freitagabend in der Aula des Dorfener Gymnasiums. „In dem Streifen geht es um die schwierige Zeit des Erwachsenwerdens, um die Front zwischen den Werten Erwachsener und der Jugend.“ Und naturgemäß, das sei schließlich schon immer so gewesen, verhielten sich junge Menschen oft nicht so, wie es den Älteren passe. „Doch das Leben ist ein Reifeprozess. Mit dem Abitur bekommen die Abiturienten das Recht, die Uni zu besuchen“, sagte die Schulleiterin. Doch damit nicht genug: „Es geht beim Reifezeugnis nicht primär um erlangte Kenntnisse, sondern um Moral und Verantwortung.“

Keine Frage: Alle – das Lehrerkollegium, die Eltern und schließlich auch die Abiturienten selbst – könnten sehr stolz auf ihre Leistungen sein. „Ihr seid der beste Jahrgang, der jemals am Dorfener Gymnasium Abitur gemacht hat.“ Gleich 17 der 105 Schüler legten ein Einser-Abi ab. Zusammen erreichten sie einen Durchschnitt von 2,19.

Hafner lobte das soziale Engagement, die Theaterauftritte und musikalischen Darbietungen während der Schulzeit: „Jetzt beginnt für die Abiturienten ein neuer Lebensabschnitt mit großen Entscheidungen und vielen unbekannten Wegen. Ich wünsche euch ganz viel Zutrauen und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.“

Hafner erinnerte aber auch an den einen oder anderen Fauxpas. Es sei nach bestandenem Abitur üblich, ein T-Shirt mit einem Motto bedrucken zu lassen, in dem sich das Wort Abi befände. „Cannabis“ wählten die Schüler zunächst, was freilich von der Schule nicht geduldet werden konnte: „Eine unüberlegte und absolut uncoole Parole – schließlich handelt es sich um ein illegales Suchtmittel“, sagte Hafner. Und: „Ein K.o.-Kriterium für alle Personalchefs, wären diese Shirts im Netz gepostet worden.“ Auch den Internet-Hype wegen der zu schweren schriftlichen Abi-Prüfungen in Mathe sprach sie an: „80 000 Menschen haben bestätigt, dass das Mathe-Abi zu schwer war, dabei gab es nur 30 000 Abiturienten in Bayern. Es macht mir Angst, wie schnell unüberlegt Stimmen abgegeben werden.“

Auch Vize-Landrat Jakob Schwimmer gratulierte „der Elite“ zu den bestandenen Abiturprüfungen. Er selbst habe vor 50 Jahren die Hochschulreife erlangt, erzählte er – damals habe es längst nicht so viele Einser-Kandidaten gegeben. „Ob die Dorfener Abiturienten die besten im Landkreis sind, wird derzeit noch sondiert“, sagte er. Ein Abi-Schnitt von 2,19 spreche indes eine eigene Sprache. Schwimmer hob nochmals die Leistung von Andrea Raithel und Sebastian Vogt hervor, die beide mit einer glatten Eins abgeschnitten hatten. „Lasst es heute krachen“, riet er den Abiturienten.

Schwimmer schlug aber auch politische Töne an: „Es ist, als würde uns derzeit eine Tsunami-Welle überrollen – erstmals sitzt im Bundestag eine offensichtlich fremdenfeindlich Partei. Populisten regieren in Ungarn. Und ein Präsident verbreitet Fake News via Twitter.“ Außerdem sei es unsicher, ob unser Wohlstand erhalten bleiben könne und keiner wisse, ob das geeinte, friedliche Europa bestehen bliebe. „Diese Zeit bietet aber auch Chancen, Dinge anders zu denken und neue Wege auszuprobieren – und es ist eure Aufgabe, die Dinge kritisch zu hinterfragen. Schaut nicht weg.“

Und was sagten die Abiturienten selbst? „Wir hatten viel Leistungsdruck, immer das Abi vor Augen. Doch die Zeit verging rasend schnell, plötzlich haben wir das Abi in der Tasche“, meinten Sophia Wehner, Rosa Tempel und Lilly Binder stellvertretend für alle Abiturienten. Und doch sei es nun wie der Wurf ins kalte Wasser – egal, ob Studium oder Ausbildung. Viele praktische Fragen blieben offen: „Wie mache ich das mit dem Kindergeld, der Steuererklärung oder anderen bürokratischen Dingen? Das haben wir in der Schule nämlich alles nicht gelernt.“ Jetzt heiße es, dem Leben die Stirn zu bieten – und zunächst einmal kräftig zu feiern. Das tat die Festgesellschaft denn auch.

Die Abiturienten: Eva Albersdörfer, Julia Anfang, Anna-Marie Bauer, Luis Bauer, Elena Bernstetter, Johanna Bertold, Lillian Binder, Paula Bode, Lukas Braun, Barbara Brielmaier, Melike Calhan, Laura Conrad, Milane Danske, Franziska Dax, Anna Degener, Pia Dexheimer, Selina Dillmann, Jakob Dötsch, Franz Edmeier, Leonie Eisenbarth, Elisabeth Emehrer, Laetitia Englbrechtsmüller, Yaren Findik, Lukas Fischer, Jan-Frédéric Flören, Josef Folger, Andrea Föstl, Viviane Gasch, Tim Gössl, Felix Gött, Martin Gschlößl, Julian Guttenberger, Antonia Härmstädt, Sophia Heinen, Anna-Lena Heinisch, Ferdinand Heiß, Tara Henning, Katrin Hibler, Tobias Holzinger, Elias Hopf, Elena Huber, Lina Jung, Fiona Kasper, Anna Kellner, Verena Kiefinger, Thomas Kirz, Tobias Knitter, Giulia König, Natalia Kos, Maria-Teresa Kratzer, Jan Krings, Richard Kurz, Daniela Lachnit, Annika Leipfinger, Theresa Lentner, Karin Lobenwein, Paul Löffler, Lisa-Maria Maier, Manuel Mattera, Julian Medina Vázquez, Benedikt Mika, Fabian Morawietz, Daniel Müller, Nathanael Müller, Sarah Novak, Peter Nußreiner, Andreas Obermaier, Jakob Ochsenkühn, Johanna Oefele, Alicia Oster, Johann Pamin, Anna Patermann, Leon Pfister, Andrea Raithel, Laura-Sophie Reitberger, Veronika Riedl, Sem Scheeren, Carina Schneider, Damian Schneider, Larissa Schneider, Maura Schneider, Alexandra Scholz, Débora Schumacher, Benjamin Schuster, Florian Seilersdorfer, Lena Silbernagl, Stefanie Simmert, Laura Stein, Daniela Suske, Rosa Tempel, Nicolas Treffler, Kathrin Unterreitmeier, Nadine Verkühlen, Sebastian Vogt, Andreas Wagner, Sophie Wehner, Eva Westenthanner, Markus Wolf, Leonhard Zips und Natalija Zivkovic. (Michaele Heske)

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