Stimmung wie bei der Oscar-Verleihung: Das fühlte Bürgermeister Heinz Grundner (r.) bei Siegerehrung. Organisatoren des Filmfestivals waren Barbara Bernauer (3. v. l.) und Adalbert Becker (6. v. l.). Foto: Hermann Weingartner

Kurzfilmfestival in Dorfen

Ein Hauch von Hollywood im Jakobmayer

„Klein-Hollywood“ in Dorfen: Beim dritten Kurzfilmfestival (BFF) des Bundesverbands Deutscher Film-Autoren (BDFA) im Dorfener Jakobmayer-Kulturzentrum zeigten 58 Amateurfilmer aus ganz Deutschland spannende und vielfältigen Facetten zum Thema „Lokales“ und heuer neu „Familie“.

Dorfen – Bei der Siegerehrung sprach Bürgermeister Heinz Grundner von „einer Stimmung nahe der Oscar-Verleihung“. Mit dem BFF „rundum zufrieden“ waren die beiden Organisatoren und Amateurfilmer aus Isen, Barbara Bernauer und Adalbert Becker. Zum Erfolg eines gelungenen Filmfestivals kam auch noch ein persönlicher Erfolg der BDFA-Funktionäre dazu. Der Film von Bernauer, „Der neue Maibaum“, war der einzige Vertreter aus der Region. Die Autorin durfte sich über eine BDFA Bronzemedaille freuen.

Nicht alle konnten von der kompetenten Jury unter der Leitung von Lutz Schultze mit einer Medaille ausgezeichnet werden. Aber alleine das Erreichen eines Bundesfinales sei schon ein „Erfolg“. Gold, Silber und Bronze seien denn auch mehr eine Wertung der Qualität der filmischen Arbeit.

Aus Kirchheim unter Teck kam das Autorenpaar Barbara und Hartmut Ibsch. Sie stellten sich mit ihrem Zwölf-Minuten-Film „… zulassen“. Der schildert die Aufarbeitung einer schwierigen Sohn-Vater-Beziehung. Der Vater war in der Eliteausbildung der Hilter-Diktatur beschäftigt. Für den bewegenden Beitrag gab es die Goldmedaille. Ihre Eindrücke zum Filmfestival schilderten die Ibschs im Gespräch mit der Heimatzeitung. Die Sparte „Lokales/Familie“ habe „eine große, starke Bandbreite gezeigt“. Die Vielfalt der filmerisch aufgegriffenen Themen „macht die Sache so spannend für Zuschauer und Autoren“. Ein „ganz toller“ Beitrag sei etwa „Ein Dorf wird braun“ gewesen. Den habe Frank Lauter als „making of“ bei den Dreharbeiten zum Kinofilm „Elser“ über das missglückte Hitler-Attentat gedreht. Dafür gab es Gold und die Weitermeldung zu den Deutschen Filmfestspielen (DFF).

Mit „Blaulicht?“ habe Egid Spieß eine ganz liebe Geschichte erzählt, sagt Hartmut Ibsch. Eine verrückte Story, wo Kinder Reporter und Mitwirkende spielen. Auf eine Umfrage „welche Farbe hat das Blaulicht eines Feuerwehrautos“ gibt es ganz witzige Antworten. Der Film hat klar den Publikumspreis bekommen.

Das Thema „Familie“ zeigte eine „bunte Mischung“, schilderte Hartmut Ibsch. Ein sehr „berührender“ Film sei „Kunst mit dem Mund“ gewesen. David Gräber beschreibt gefühlvoll die Geschichte eines Mannes, der nach einem Motorradunfall querschnittsgelähmt ist und mit dem Mundmalen zeigt, dass es dennoch weit geht. „Amateurfilmer können mehr als man Ihnen zutraut“, betonte Hartmut Ibsch. Der Produktionsaufwand sei fast der selbe wie bei den Profis. Werde ein Film aber kommerziell genützt, „ist es auch mit der Unschuld vorbei“. Insgesamt habe er in Dorfen „eine kontinuierliche Festigung der Amateurqualität und eine Weiterentwicklung festgestellt. Wir müsse ja auch alle durch die Wettbewerbshölle.“ Die Produktion der Filme kosten in der Regel die Autoren sehr viel Mühe und Kraft, „aber es macht viel Freunde“, fasst der Autor zusammen.

Die Beträge durften maximal 20 Minuten haben, was nur zwei der 58 Filme voll ausschöpften. Die meisten dauerten um die zehn Minuten. Die Ibschs waren zum dritten Mal in Dorfen und haben jedes Mal eine „grandiose Stimmung“ erlebt. Ein Verdienst der Organisation von Bernauer und Becker, deren „Offenheit und Herzlichkeit nicht zu toppen ist“.

Nach der Siegerehrung nach drei spannenden Tagen waren Becker und Bernauer glücklich und entspannt, weil alles „wunderbar“ funktioniert habe. Es sei ein „rundherum gelungenes Filmfest“ gewesen, sagt Becker. „Wir hatten 58 Filme, super Filme, qualitativ hochwertig, keine Technikprobleme, gute Zuschauer und die Jury und Autoren haben sich wohlgefühlt“. Der Jakobmayer sei drei Tage „gut gefüllt“ gewesen und es seien „viele Dorfener da gewesen“. Nächstes Jahr erwarte man noch mehr Publikum, weil dann auch andere Metiers wie Dokumentationen, Reportagen und Reisefilme dazu bekommen.

Von der Stadt und Dorfens Bürgermeister Heinz Grundner sei man „gut unterstützt“ worden, bedankten sich Becker und Bernauer. Dennoch habe man finanzielle Probleme, da kein Eintritt verlangt werde und die Veranstaltung rein aus Spenden finanziert werde. „Wir wollten schon aufgeben, da wir das finanziell nicht mehr stemmen können“, sagt Becker. Die beiden Organisatoren hoffen nun für 2016 auf etwas mehr finanzielle Unterstützung von Stadt und Landkreis, denn das Filmfestival sei einer der Standorte im neuen Format mit überregionalen Themen. Und man betreibe „Wirtschaftshilfe“ in Dorfen, denn Hotels und Gastronomie seien mit den BFF gut gefüllt worden.

Hermann Weingartner

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