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Die Hausärzte im Isental (vorne, v.l.): Bertram Arendt (Dorfen), Udo Hahn (St. Wolfgang) und Dr. Florian Bräuer (Isen). Bei der Vorstellung des Projekts dabei waren (hinten, v. l.) Dr. Yury Ernst (Assistenzarzt Praxis Hahn), Bürgermeister Heinz Grundner (Dorfen), Dr. Stefan Kaufmann (Isen) und Bürgermeister Siegfried Fischer (Isen). 

Hausärzte im Isental

Neue Kooperation von drei Hausarztpraxen in Dorfen, Isen und St. Wolfgang

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Nachfolger für Hausarztpraxen zu finden ist heutzutage schwierig. Aus diesem Grund schließen sich jetzt drei Praxen aus Dorfen, Isen und St. Wolfgang zu einer Kooperation „Hausärzte im Isental“ zusammen.

Dorfen/Isen/St. Wolfgang Auf dem Land ist es ein gewohntes Bild: Die Generation der Hausärzte ist überaltert. Praxisnachfolger zu finden, ist schwierig. Junge Mediziner stufen eine Tätigkeit als Hausarzt meist als unattraktiv ein. Die Folge: Der gute alte Hausarzt, der seine Patienten oft von der Geburt bis zum Tod begleitet, stirbt aus. In Dorfen, St. Wolfgang und Isen erlebt der Hausarztberuf jetzt eine Renaissance. Drei Praxen in Dorfen, St. Wolfgang und Isen gehen neue Wege. Die Ärzte Bertram Arendt, Udo Hahn und Florian Bräuer von der Gemeinschaftspraxis Isen kooperieren künftig als „Hausärzte im Isental“. Damit wird die Versorgung von über 4000 Patienten nicht nur sichergestellt, sondern auch deutlich verbessert.

Standorte in Dorfen und Isen erhalten

Mit den „Hausärzten im Isental“ werden zwei Praxen in Dorfen (Dr. Erich Ertl) und Isen (Dr. Stefan Kaufmann/Egon Wenning) erhalten, bei denen die Praxisinhaber in Pension gehen. Dabei ist von wirtschaftlicher Bedeutung, dass die Mediziner, die die Praxen weiterführen, „normale Hausarztmedizin weitermachen, und das im Rahmen einer freiberuflichen Tätigkeit“, wie der St. Wolfganger Arzt Hahn betont.

Damit wird auch ein Gegenpol zu den immer häufiger zu findenden Medizinischen Versorgungszentren gebildet, in denen meist nur angestellte Ärzte tätig sind. Die Patienten der „Hausärzte im Isental“ behalten trotz der Zusammenarbeit den Hausarzt ihres Vertrauens. Die drei Praxen arbeiten aber eng zusammen und vernetzen sich so, dass alle beteiligten Ärzte bei Bedarf Zugriff auf alle Patientendaten haben.

So kann etwa ein Patient aus Dorfen, der wegen Urlaub seines Hausarztes zu dessen Kollegen nach St. Wolfgang oder Isen geht, sicher sein, dass der dortige Mediziner sofort einen Überblick über die bisherigen Behandlungen hat und gezielt helfen kann. Das Angebot für Patienten wird ausgebaut. Unter der Woche soll mindestens immer eine der drei Praxen auch nachmittags geöffnet haben. Zusätzlich sollen auch samstags Sprechstunden angeboten werden, wie Arendt betont.

Attraktiv für junge Mediziner

Damit ließen sich stundenlange Wartezeiten beim ärztlichen Bereitschaftsdienst in dafür speziell ausgewählten Kliniken wie etwa in Erding vermeiden, die den Wochenenddienst der Hausärzte abdecken. Für Hausarzt Hahn, der seit 2007 in St. Wolfgang niedergelassen ist, bietet die Kooperation der drei Praxen auch Chancen für junge Mediziner, die in den Folgejahren einsteigen könnten.

Die „Hausärzte im Isental“ werden im Laufe des Jahres mit insgesamt sechs Hausärzten „zu einem der größten allgemeinmedizinischen Versorger im Isental“, sagt Hahn. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) hat die Idee einer überregionalen Berufsausübungsgemeinschaft, wie die Kooperation offiziell betitelt wird, von Anfang an unterstützt. Nach viel Verwaltungsarbeit steht jetzt fest, das die Kooperation zugelassen wird.

Es fehlt nur noch die Zustimmung des Zulassungsausschusses Oberbayern. Die ist jedoch nur noch ein formeller Akt, der bei der Sitzung des Ausschusses Mitte März vollzogen werden soll.

Unverständnis bei der Unbeliebtheit

Dorfens Bürgermeister Heinz Grundner und sein Isener Kollege Siegfried Fischer waren bei der Vorstellung der neuen Praxis-Kooperation dabei und zeigten sich sehr froh über die Initiative. „Damit bleibt der klassische Landarztjob erhalten“, freut sich Grundner. „Das ist für die allgemeinmedizinisches Versorgung eine wichtige Entscheidung.“

Dass der Landarztberuf als nicht mehr attraktiv gilt, ist für die Hausärzte im Isental nicht so recht nachvollziehbar. So sei es mitnichten mehr so, „dass man nachts dauernd raus muss, und ständig Leute vor der Haustür stehen“, so Hahn. „Wir haben schon eigentlich vernünftige Arbeitszeiten. Wir müssen unsere Leistung bringen, aber das ist auch gut mit der Familie zu koordinieren“.

Das Schöne am Landarztberuf sei, die direkte Nähe der Patienten zu spüren. Da komme es schon mal vor, dass man ein selbst gebackenes Brot oder Eier als Dank bekomme. „Das ist schon ein besonderes Verhältnis“, sagt Hahn. Da könne man leicht verkraften, „dass manche Vorteile einer Großstadt nicht vorhanden sind“.

Neubau in Isen heute Thema im Marktgemeinderat 

Isen soll ein eigenes Ärztehaus bekommen. Ein entsprechender Antrag auf den Bau eines solchen Hauses an der Steinlandlandstraße ist in der heutigen Sitzung des Marktgemeinderats Thema (19 Uhr, Sitzungssaal im Rathaus).

Der vage geplante Neubau soll im Parterre eine Apotheke beherbergen und im ersten Stock mehrere Arztpraxen. Im zweiten Stockwerk sollen Gewerbeeinheiten oder Wohnungen unterkommen. Das dritte Stockwerk ist als Penthouse geplant.

Eine der Arztpraxen, die im Ärztehaus einziehen will, ist die bisherige Gemeinschaftspraxis der Drs. Kaufmann, Wenning, Dodt und Bräuer, die Teil der Hausärzte-Kooperation „Hausärzte im Isental“ ist. 

Anton Renner 

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