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Das Dorfener HAWE-Werk: Bis spätestens März 2017 wird es geschlossen.

130 Mitarbeiter betroffen

HAWE schließt Werk in Dorfen

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Dorfen - Hiobsbotschaft für die Mitarbeiter des Dorfener HAWE-Werkes: Das Münchner Maschinenbauunternehmen schließt den Standort. 130 Mitarbeiter verlieren in Dorfen ihren Job.

Gerüchte über finanzielle Engpässe bei der HAWE Hydraulik SE und dadurch bedingt ein mögliches Aus für das Dorfener Werk gibt es seit längerem. Gestern wurden diese nun traurige Gewissheit. Karl Haeusgen, Sprecher des Vorstandes (CEO), kam am Nachmittag nach Dorfen und informierte die Mitarbeiter über die Entscheidung, das Werk bis spätestens März 2017 zu schließen. Die Beschäftigten sind fassungslos, die Stimmung im Werk wird als „katastrophal“ beschrieben. 

HAWE wird keinem der Dorfener Mitarbeiter eine betriebsbedingte Kündigung aussprechen. Dies beteuerte Unternehmenssprecherin Astrid Vosberg gegenüber unserer Zeitung. Jedem Mitarbeiter werde angeboten, in anderen Werken weiterarbeiten zu können. HAWE unterhält weitere Standorte in München (Stammsitz), Freising, Kaufbeuren, Sachsenkam bei Bad Tölz und Salem (Bodensee). Man werde Mitarbeitern „attraktive Pakete anbieten, etwa eine Hilfe beim Umzug“, so Vosberg. 

Wie aus der gestrigen Betriebsversammlung verlautete, werden Dorfener Mitarbeiter aber vor allem Arbeitsplätze in Kaufbeuren angeboten. In Freising werden demnach nur sehr wenige Dorfener Beschäftigte unterkommen können. Mitarbeitern, die das Wechselangebot nicht annehmen, werden Abfindungen bezahlt.

Die Werksschließung in Dorfen begründet Vosberg mit „Umstrukturierungen“ im Unternehmen. Es würden Fertigungsabläufe über alle Standorte hinweg optimiert. Ziel sei eine bessere Nutzung von Synergien innerhalb der Fertigungsabläufe und das Zusammenführen von ähnlichen Produkten an einem Standort. Vosberg räumt aber auch ein: „Wir müssen schauen, dass wir die Kosten in den Griff bekommen.“ Darauf drängen offenbar auch Banken, die HAWE Kredite gewährt haben. Eine Folge davon: Unternehmensweit werden freiwerdende Stelle nicht nachbesetzt. Erst im Januar hat HAWE das Firmengelände in München verkauft. Dort ist man jetzt zur Miete. 

HAWE Hydraulik entwickelt und produziert Hydraulik-Komponenten und -Systeme für den Maschinen- und Anlagenbau. Viele der Komponenten kommen vor allem in Baumaschinen für den chinesischen Markt zum Einsatz. Doch der chinesische Drache lässt seit längerem die Flügel hängen. Wenn in China sprichwörtlich ein Sack Reis umfällt, kann das für die weltweite Konjunktur weitreichende Folgend haben. Im Fall HAWE ist das so. In den vergangenen Jahren verzeichnete das Unternehmen in der Volksrepublik einen Umsatzrückgang von nahezu 50 Prozent. Das Unternehmen lebt aber überwiegend vom Export. Insgesamt beschäftigt die HAWE-Gruppe knapp 2200 Mitarbeiter. 

Erst im September 2014 hatte das Unternehmen in Kaufbeuren ein neues Werk eröffnet – die Planungen dafür erfolgten zu einer Zeit, als China noch als Eldorado für Maschinenbaufirmen galt. 100 Millionen Euro wurden in das Werk investiert. Doch es kam anders, als geplant: Wegen der Turbulenzen auf dem chinesischen Markt und dem damit verbundenen Umsatzrückgang musste HAWE in den vergangenen Jahren immer wieder in Werken Kurzarbeit einführen. 

Die Schließung des Dorfener HAWE-Werkes ist innerhalb von wenigen Wochen der zweite, tiefgreifende Schock für den Arbeitsmarkt in Dorfen. Erst Ende November kündigte die Creaton AG die Schließung des Dorfener Ziegelwerkes Meindl an. 90 Mitarbeiter verlieren vermutlich ab Mai ihren Arbeitsplatz. Mit der HAWE-Schließung verlieren damit innerhalb weniger Monate 220 Mitarbeiter, die vorwiegend aus Dorfen und Umgebung kommen, ihre Arbeitsplätze.

Lesen Sie auch: HAWE-Standort in Freising ist offenbar gesichert.

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