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Ein Mann der ruhigen Hand: Dorfens  Bürgermeister Heinz Grundner feiert runden Geburtstag.

Dorfens Bürgermeister wird 50

Heinz Grundner: mal Aussitzer, mal Durchgreifer

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Das erste halbe Jahrhundert hat er jetzt voll: Dorfens Bürgermeister Heinz Grundner feiert an Allerheiligen seinen 50. Geburtstag. Dass er die Sektkorken ordentlich knallen lässt, ist eher unwahrscheinlich.

Dorfen – Allerheiligen ist ein hohes christliches Fest, ein sogenannter stiller Feiertag. Da Grundner ein sehr bodenständiger, religiöser Mensch ist, hat er an diesem Tag sicher anderes im Sinn, als zu feiern. Zum anderen ist der Dorfener Stadtchef ohnehin nicht gerade als „Feierbiest“ bekannt. Vermutlich wird er den Tag mit Lebensgefährtin Johanna Streibl und Sohn Leonhard Franz Werner verbringen, vielleicht mit ein paar Freunden auf sein Jubiläum anstoßen.

Grundner ist seit 2008 Dorfens Bürgermeister. Während sein Vorgänger Sepp Sterr stets versuchte, nirgends anzuecken und integrativ zu wirken, geht Grundner konsequent einen anderen Weg. Der gelernte Bankfachmann ist eigenes Handeln gewohnt, er sieht sich in der Rolle des Machers – doch im Stadtrat hat er es da schwer. So ist es fast unausweichlich, dass Grundner immer wieder polarisierend wirkt. Vor allem, weil ihm Grüne und SPD das politische Leben schwer machen. Aber auch ÜWG und Teile der Landlisten sind dem Stadtchef nicht besonders gut gewogen. Grundner hat für diesen Umstand sogar eine eigene Bewertung kreiert: Dorfens Bürgermeister zu sein, sei schön, „aber nicht vergnügungssteuerpflichtig“.

Der Hauptvorwurf, der Grundner immer immer wieder gemacht wird: Seine Informationspolitik sei mangelhaft, zu oft würden dem Stadtrat wichtige Informationen vorenthalten. Immer wieder kommt es deshalb im Plenum zu heftigen Auseinandersetzungen. Nicht nur einmal bekam Grundner zu hören, er agiere nach „Gutsherrenart“. Beim Thema Bahnhof wurde ihm gar vorgeworfen, ein Lügner zu sein. Grundner hatte den Stadtrat nicht informiert und zunächst auch bestritten, gewusst zu haben, dass zwei Erdinger Investoren den Dorfener Bahnhof kaufen wollten. Das Gegenteil wurde ihm nachgewiesen. Grundner sah schließlich keinen anderen Ausweg mehr, als einen persönlichen Entschuldigungsbrief an alle Stadträte zu schreiben.

Höhepunkt der Auseinandersetzungen war zweifellos das politische Ränkespiel um die Dorfener Stadtwerke. Grundner wurde in einem bayernweit einmaligen Vorgang mit den Stimmen von Grünen, SPD, ÜWG und Landlisten durch eine Satzungsänderung vom Stadtrat als Vorsitzender des Aufsichtsrats abgewählt. Andernfalls hätte der damalige Stadtwerke-Geschäftsführer Karl-Heinz Figl das Unternehmen verlassen, wie SPD-Stadtrat Heiner Müller-Ermann zuvor gewarnt hatte. Grundner wurde vorgeworfen, sich viel zu stark in die Geschäftsführung der Stadtwerke einzumischen.

Doch auch diese öffentliche „Vorführung“ konnte Grundner nicht aus dem Konzept bringen. Denn er beherrscht in Sachen Stadtrat etwas, das ansonsten wohl nur Kanzlerin Merkel in Perfektion kann: das Aussitzen. Jetzt, eineinhalb Jahre später, sitzt Grundner fester denn je im Sattel. Die Stadtwerke haben einen neuen Geschäftsführer, Grundner ist wieder Aufsichtsratsvorsitzender.

Rathaus intern ist das anders. Da sitzt Grundner nichts aus, greift durch. So hat er 2014 mit einer weitreichenden und bislang im Dorfener Rathaus beispiellosen Entscheidung die Reißleine gezogen und den geschäftsleitenden Beamten entmachtet. Der Stadtchef wollte damit das schlechte Betriebsklima im Rathaus grundlegend verbessern. Die Mitarbeiterführung durch den Verwaltungsleiter war höchst umstritten. Dem geschäftsleitenden Beamten wurden andere Aufgaben zugeteilt. Er ist seither im Krankenstand.

Seit seinem Amtsantritt versucht der Stadtchef mit wachsendem Erfolg, die Stadt wirtschaftlich voranzubringen. Denn mit was sich Grundner gar nicht anfreunden kann, ist das Image Dorfens als „geliebtes Nest“. Sein Credo: „Schritt für Schritt Wachstum und Entwicklung für Dorfen.“ Stillstand bedeutet für ihn Rückschritt. Unter Grundners Führung hat die Stadt nach langen Diskussionen und Debatten im Stadtrat in größerem Umfang nicht nur neue Gewerbeflächen, sondern auch Wohnbauland ausgewiesen. Wohnraum knapp zu halten, Menschen auszugrenzen und kein weiteres Gewerbe ansiedeln zu wollen, hält Grundner für „unsozial“. Würde es nach dem Stadtchef gehen, wäre Dorfen wohl auch schon lange in der Planungsphase für eine B 15-Ortsumgehung.

Dass die ursprüngliche Ost-Trasse der B 15 neu zeitnah realisiert wird, ist unrealistisch. Die Sympathisanten der Bürgerinitiative mit dem roten Stopp-Schild, die weder Neu- noch Ausbau der B 15 wollen, sind für ihn daher „Zukunftsverweigerer, die die Realität ausblenden“.

Grundner ist eben ein Politiker mit Ecken und Kanten. Er will gar nicht erst versuchen, es jedem Recht zu machen. Aber diese manchmal auch in wenig Kompromissbereitschaft mündende Haltung macht den Bürgermeister immer wieder angreifbar und zur Zielscheibe politischer Attacken. Aber das ist ihm offenbar lieber, als wenn er als Vertreter einer Schaukelstuhlpolitik eingereiht würde. Und mit 50 ist er ja im besten Alter.

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