„I mecht einfach ostecka mit meiner Freude“: Helga Brenninger präsentiert ihr neues Album „Heazbrenna“ im Jakobmayer-Saal. Foto: kwerbild
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„I mecht einfach ostecka mit meiner Freude“: Helga Brenninger präsentiert ihr neues Album „Heazbrenna“ im Jakobmayer-Saal.

Neues Album

Herzenssache

  • vonTimo Aichele
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Die Liedermacherin Helga Brenninger aus Schwindkirchen will inspirieren und Mut machen. „Heazbrenna“ heißt ihr neues Album, das sie am 25. Oktober im Jakobmayer in Dorfen vorstellt.

Dorfen – Helga Brenninger ist auf einer Reise. Start und Ziel ist immer ihr eigenes „boarisches Lebensgfui“. Das besingt und erkundet sie, und auf dem Weg will sie möglichst viele Menschen mitnehmen. „I mecht einfach ostecka mit meiner Freude“, sagt die Liedermacherin aus Schwindkirchen. Tausendfach ist ihr das schon gelungen, viele haben ihr bei Konzerten zugejubelt, das Video zu ihrem Lied „Oids Haus“ wurde auf Facebook fast 18 000 Mal aufgerufen. Der Song ist Teil ihres neuen Albums „Heazbrenna“, das die 47-Jährige und ihre Band am Sonntag, 25. Oktober, mit einem Konzert im Jakobmayer in Dorfen präsentieren.

Brenningers Reise begann 2013, als sie ihr erstes Lied schrieb: „Boid bist wieda do“. Ihr Mann war im Krankenhaus, ihr Vater schwer erkrankt, und auch sie selbst nicht gesund: Borreliose. „Ich hab’ mich viel mehr mit mir befassen müssen“, erzählt die verheirate Mutter einer 16-Jährigen im Gespräch mit unserer Zeitung.

Damals habe sie mehr auf sich hören und überlegen müssen, was ihr gut tue und was nicht. Ihr Schluss: „Da gibt’s doch noch mehr, als nur so dahinleben.“ Also raus aus dem Hamsterrad und rein ins Abenteuer Musik. Ihren Job als Bürokauffrau hatte sie nach einer Umstrukturierung in der Firma bereits gekündigt und begonnen, Gitarrenunterricht zu geben.

Ihre Gefühle und Lebensstationen spiegeln sich schon in den Albentiteln wider. Auf das 2015 erschienene „Mitten im Lebn“ folgte zwei Jahre später „Frei“. Es sei eine Beschäftigung mit belastenden Dingen gewesen, erzählt die Texterin und Komponistin – dabei bietet sie in ihren Liedern aber immer einen positiven Ausweg. „Ich weiß, dass man nicht alles nichtig machen kann. Aber man könnte draufschauen und sagen: Hey, ich bin jetzt im Frieden mit dem Ganzen. Dann bin ich frei für das, was kommt.“

Es folgten Auftritte in Bayern und darüber hinaus sowie im Bayerischen Fernsehen. Und nun kommt, als logische Fortentwicklung, das Album „Heazbrenna“. Brenninger sagt: „Ich brenne für Sachen, die mich bewegen und berühren.“ Das will sie weitergeben und ihre Zuhörer auffordern: „Macht mehr, was euch am Herzen liegt.“ Strahlend erzählt die Schwindkirchenerin: „Nach einem Konzert hat mal eine zu mir gesagt: Du hast mich so inspiriert, dass ich das Buch, dass ich so lang schreiben will, jetz endlich anfange.“ Das gebe ihr viel.

Für ihre Musik gibt die 47-Jährige alles. Sie übernimmt die ganzen geschäftlichen und organisatorischen Aufgaben – schon vor Corona ein Vollzeitjob. Und auch als erfahrene Entertainerin nimmt sie noch Gesangsstunden und ließ sich von einer anderen Lehrerin für die CD-Aufnahmen coachen. „I mog das Gefühl haben, mi weiterzuentwickeln.“ Das beziehe sich nicht nur auf die Musik, sondern auf vieles im Leben. „Das sind viele kleine Sachen. Heuer habe ich zum ersten Mal wieder einen Salat gepflanzt. Da hab’ ich mich total freuen können.“

Am Ende gehe es um ein Bewusstsein fürs Leben: „Ich mag das Gefühl, bei mir zu sein und geerdet zu sein.“ Gerade, als das Album fertig war, und sie das letzte Lied eingesungen habe, kam schon die Frage auf: „Wie geht’s jetzt weiter?“

Ist die Musik also ein neues Hamsterrad? „Jaaaa, darüber hab’ ich schon nachgedacht“, sagt die 47-Jährige. Jetzt brenne sie aber erst einmal dafür, die aktuellen Lieder auf die Bühne zu bringen. Unbedingt mit ihrer Band und am nächsten Sonntag auch mit tollen Gastmusikern, aber sonst auch mal in kleineren Besetzungen oder sogar solo. „Es ist wichtig für mich, dass ich da nicht so eingefahren bin.“

Mit ihrem neuem Album ist Brenninger schon auf dem besten Weg. „Heazbrenna“ bietet boarische Mutmachtexte und abwechslungsreiche Musik. Überwiegend ist es träumerischer Singer-Songwriter-Pop rund um Brenningers Stimme und akustische Gitarre. Das Lied „Woiknbruch“ erzählt von einer alten Frau, die mit müden Füßen über eine Wiese geht – und mitten in einem Regenguss zu tanzen anfängt.

Die Band begleitet souverän und lässt an vielen Stellen ihre Klasse aufblitzen. Das melancholische „Dreibholz“ treibt Pianist und Mitkomponist Bertram Liebmann in quirlige Salsa-Gefilde. Das fetzige Rockbrett von „Hea aufs Heaz“ unterlegt Bassist Marcel Diehl mit einem funky Slap-Riff, und Drummer Bernd Mayer bietet stets die richtige Klangfarbe und wie beim afrikanisch groovenden „Lachfoitn“ pure rhythmische Lebensfreude.

Und wohin geht die Reise? Bei so einer Frage lächelt die 47-Jährige versonnen. In der Corona-Zeit wurden viele Konzerte gestrichen, und auch in den nächsten Monaten sind die Live-Termine rar gesät. Dafür hat Brenninger heuer ein Waldkonzert gegeben, nur sie und ihre akustische Gitarre. „Sowas würde mich total reizen. Kleine Konzerte, bei denen man Menschen an die Natur heranführen kann. Wo man auch die Stille aushalten muss in so einem Wald.“ Das sei „ein ganz anderes Gefühl, wie Musik dargeboten werden kann“.

Eine Ahnung davon könnten die Besucher des Konzerts im Jakobmayer bekommen. Einen Akustik-Teil bestreitet die Liedermacherin teils allein und teils mit Saskia Götz an der Geige. Über ihr Konzert sagt Brenninger selbstbewusst: „Wenn ma wui, konn ma vui Denkanstöße kriang und in Momenten vielleicht auch a Gänsehaut. Und mit am positiven Gefühl rausgehen.“ Wenn das die Zuhörer dann auf ihrer Lebensreise weiterbringt, ist die Liedermacherin glücklich.

Ein paar Restkarten

für das Konzert am Sonntag, 25. Oktober, 18 Uhr, im Jakobmayer gibt es beim Ticket Treff oder per E-Mail musik@h-brenninger.de.

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