Großalarm in Hamburg nach Explosion an S-Bahnhof

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Keine leichte Aufgabe: Oliver Lauw (l.) stand den teils erbosten Schwindkirchenern Rede und Antwort.

Bürgerversammlung Schwindkirchen

Hochwasser: Die Volksseele kocht

Anwohner im Schwindkirchener Ortsteil Höhenberger Straße warten dringend auf Hochwasserschutz, der sie gegen Fluten aus den Bereichen der nahen A 94-Baustelle schützt. In der Bürgerversammlung gab es heftige Klagen darüber, dass viel geredet wurde, aber von Seiten der Autobahnbauer nichts passiert sei.

Schwindkirchen – Nach der Horror-Sturzbachflut im Juli 2016 im Zuge eines Starkregens waren zehn Anwesen an der Höhenberger Straße in Schwindkirchen in minutenschnelle überflutet worden, mit Schäden in deutlich sechsstelliger Höhe (wir berichteten). Jetzt machten Anwohner in der Bürgerversammlung Druck auf die Autobahnbauer, dass endlich die versprochenen Schutzmaßnahmen schnell umgesetzt werden.

Adressaten waren Geschäftsführer Oliver Lauw und der Technische Projektleiter Nikolaus Arndt von der Isentalautobahn GmbH & Co. KG. Sie hatten zunächst den aktuellen Stand des Autobahnausbaus erklärt. „Das interessiert hier niemanden“, kam es schroff aus der Versammlung. „Wir brauchen die A 94 nicht, wir müssen damit leben“, betonte Mirsad Dinalic, dessen Haus nach der Sturzflut im vergangenen Jahr unbewohnbar war. Die Bürger wollten Konkretes zum Thema Hochwasserschutzmaßnahme bei Höhenberg wissen. Die Emotionen schlugen dabei teilweise hoch, und Arndt drohte sogar damit, die Versammlung zu verlassen.

Dorfens Bürgermeister Heinz Grundner gelang es schließlich, die Gemüter zu beruhigen und die Wortwechsel zu versachlichen. Der Vorwurf an die Autobahnbauer (ARGE A 94 Isentalautobahn) war, sie hätten den Bau von Hochwasserschutzmaßen bei Höhenberg vernachlässigt und betrieben vorrangig nur den Bau der A 94-Trasse, um den Eröffnungstermin Oktober 2019 einzuhalten. So kritisierte Dinalic, die ARGE habe „nicht ausreichend Rückhaltebecken“ vor dem Trassenbau errichtet. Weil die A 94 bei Höhenberg entlang eines Hügelgeländes verlaufe, müsse bei Starkregen mit enormen Wassermengen gerechnet werden. Das sei den Autobahnbauern bekannt gewesen, die als Bauausführende ohnehin verpflichtet seien, dass von ihrer Baustelle keine Gefahr für Anwohner ausgehen dürfe. Der Bau von Hochwasserschutz werde nicht priorisiert, denn der koste Zeit und die sei knapp bei den Autobahnbauern, vermutete Dinalic.

„Letztes Jahr sind wir hier voll abgesoffen“, schimpfte eine weitere Betroffene. Seitdem seien Termine mit der ARGE immer wieder verschoben worden: „Wir wollen endlich, dass Rückhaltbecken gebaut werden und der Hochwasserabfluss zur Goldach errichtet wird.“ Ab dem Frühjahr könne es wieder zu Starkregen kommen. Inzwischen hätten einige in Eigenregie mit Betonwänden ihre Anwesen geschützt, sagte Dinalic. Insgesamt rund 80 000 Euro hätten die Bürger privat dafür investiert.

Lauw verteidigte sich, es gebe einen Planfeststellungsbeschluss. Nach diesem werde die A 94 gebaut. Von Vorgaben oder Zusagen der Autobahndirektion Südbayern, wonach als Erstes der Hochwasserschutz bei Höhenberg zu errichten sei, wisse man bei der ARGE nichts. Lauw versprach, dass „noch heuer mit dem Bau der Hochwasserrückhaltebecken“ auf der Nordseite der Trasse begonnen werde. Und auch die Wasserableitung (50 Zentimeter Rohr) durch die Höhenberger Straße bis zur Einleitung östlich der Goldach-Brücke werde zeitnah erfolgen. Zunächst müsse man sich aber mit der Stadt Dorfen abstimmen, die auf der Südseite der Trasse ein Becken errichtet.

Grundner sagte, von der Autobahndirektion sei zugesagt worden, dass vor dem Trassenbau die Hochwasserschutzmaßnahmen gebaut würden. Die Stadt habe inzwischen 6600 Quadratmeter Fläche an der A 94 bei Höhenberg erworben und baue ein eigenes, zusätzliches Rückhaltebecken an der A 94. Die Kosten belaufen sich ohne Zuschüsse auf 540 000 Euro. Funktionell soll der Bau mit dem nördlichen Becken der ARGE abgestimmt werden. Einen hundertprozentigen Schutz bei Naturkatastrophen gebe es dennoch nicht.

Demnächst treffen sich alle Betroffenen im A 94-Informationszentrum, wo Lauw und Arndt detaillierte Auskünfte gegeben und alle Fragen zu Terminen und Bauabläufen beantwortet wollen.

Hermann Weingartner

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