Voller Einsatz für andere Frauen: Marianne Ehrler bei der Online-Preisverleihung vor dem DZIF. Screenshot: Heske
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Voller Einsatz für andere Frauen: Marianne Ehrler bei der Online-Preisverleihung vor dem DZIF.

Ellen-Ammann-Preis für Dorfenerin

Hohe Ehre für eine starke Frau: Preis für DZIF-Gründerin Marianne Ehrler

Marianne Ehrler hat das DZIF und den Dorfener Notgroschen gegründet. Für dieses Engagement erhielt die 78-Jährige den Ellen-Ammann-Preis.

Dorfen – Eine Erfolgsgeschichte vom Frauenfrühstück zum Dorfener Zentrum für Integration und Familie (DZIF): Marianne Ehrler, Gründerin des Vereins, hat vorgestern den Ellen-Ammann-Preis für ihre Verdienste bekommen. Die Auszeichnung wurde der 78-jährigen Marianne Ehrler von Landtagspräsidentin Ilse Aigner übergeben, die die Schirmherrschaft übernommen hatte – allerdings nur virtuell, denn die Preisübergabe fand in diesem Jahr wegen Corona online statt.

Mit dem Ellen-Ammann-Preis zeichnet der Landesverband Bayern des Katholischen Frauenbundes jedes Jahr fünf charismatische Frauen aus und würdigt deren persönliche Leistung. Frauen, die „Grenzen überschreiten, neue Wege gehen, kreative Lösungen entwickeln“. Ellen Amann war selbst eine dieser starken Frauen – eine schwedische Migrantin, sechsfache Mutter, berufstätig und politisch aktiv. Von 1919 bis zu ihrem Tod 1932 war Ammann Mitglied des bayerischen Landtags – sie war übrigens die erste Frau im Landtag. Ein ganzes Netzwerk an Organisationen geht auf ihre Initiative zurück.

In diesem Jahr gehört die Dorfenerin Marianne Ehrler zu den Trägerinnen des ehrenvollen Preises. Mit Ellen Amman zusammen genannt zu werden, das sei für Ehrler eine große Ehre, sagt sie. „Nur wer bewegt ist, kann auch bewegen“, sagte Aigner bei der Laudatio. Marianne Ehrler setze sich seit vielen Jahren für eine inklusive Gesellschaft ein, eine Gesellschaft des Miteinanders und des Respekts.

„Das Schicksal der Frauen liegt mir am Herzen – viele Frauen wurden und werden unterdrückt“, sagte Ehrler vorab im Gespräch mit unserer Zeitung. Da war es für sie damals selbstverständlich gewesen mitzumachen, als in Dorfen die Idee aufkam, ein Treffen für Frauen zu organisieren, egal welche Nationalität oder Religion diese hatten. „Viele Frauen kamen damals aus der Türkei“, erinnert sich Ehrler an die ersten Treffs im Jahr 1996.

Nach den ersten Treffs traten die Migrantinnen mit dem Wunsch an Ehrler heran, besser Deutsch zu lernen. Um Deutschkurse geben zu können, musste ein Verein gegründet werden. Das allerdings stellte sich als ungeahnte Schwierigkeit heraus: Das Finanzamt argumentierte zunächst: „Für Kaffeeklatsch, da gibt es keine Gemeinnützigkeit“ – und diese war notwendig, um einen gemeinnützigen Verein zu gründen. Doch Ehrlers Motto ist: „Geht nicht, gibt es nicht.“ Sie kämpfte weiter –erfolgreich. Sprache sei schließlich der Schlüssel zur Integration, betont die 78-Jährige.

Dabei ist Ehrler ihrer Zeit voraus gewesen. Schon viele Jahre vor der Flüchtlingswelle hat sie sich für Flüchtlinge und Asylbewerberinnen eingesetzt. Überhaupt kämpft Ehrler für soziale Gerechtigkeit. Im Jahr 2004 rief sie zudem den Verein Notgroschen ins Leben, der Menschen in finanziellen Notlagen unterstützt.

Corona habe den Verein sehr gebeutelt, sagte Ehrler während der virtuellen Veranstaltung. „Es gab weniger Kurse, wir hatten monatelange Schließzeiten und mussten in Technik investieren.“ Viele Migranten hätten allerdings keinen Internetanschluss, auch fehlten Laptops und PCs. Ehrler bedankte sich bei allen Mitarbeitenden, namentlich erwähnte sie Inge Schmierer, die für die Hausaufgabenbetreuung zuständig ist: „Das DZIF bin ja nicht ich allein, sondern wir sind ein gutes Team.“

Auch Doris Rauscher, Mitglied des Bayrischen Landtags, war bei der virtuellen Verleihung zugeschaltet. Die SPD-Betreuungsabgeordnete für den Landkreis Erding, hatte Ehrler für den Preis vorgeschlagen: „Ich bin beeindruckt von Mariannes Energie, ihrer Kreativität – sie lässt sich von Gegenwind nicht abschrecken, sie ist ein Fels in der Brandung.“ Sie lobte Ehrlers Mut und Hartnäckigkeit. Sie habe viel Gutes im Leben der Frauen mit Migrationshintergrund getan, würdigte Rauscher die Verdienste der Dorfenerin: „Eine verdiente Auszeichnung für eine starke Frau.“

MICHAELE HESKE

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