Aus für ein Lagerhaus mitten in der Stadt: Die Brandruine (vorne, M.) darf nicht mehr aufgebaut werden. Das Areal ist jetzt ein allgemeines Wohngebiet. Foto: designloge.de

Hohes Sicherheitsrisiko

Wohngebiet statt Lagerhaus

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Mit der Aufstellung eines Bebauungsplans will die Stadt Dorfen einen Wiederaufbau des abgebrannten Lagerhauses Wastl inmitten des Zentrums verhindern. Das Areal der Brandruine ist jetzt als allgemeines Wohngebiet klassifiziert.

Dorfen – Anfang Dezember 2013 ist das landwirtschaftliche Lagerhaus Wastl abgebrannt – zum zweiten Mal innerhalb von zehn Jahren. Für die Stadt war klar: Ein Wiederaufbau muss verhindert werden. Denn in dem Haus lagerten auch gefährliche Stoffe, die Stadt ist wohl nur um Haaresbreite einer Katastrophe entgangen. Der Stadtrat belegte das gesamte Areal und einige angrenzende Grundstücke mit einer Veränderungssperre. Parallel wurde ein Bebauungsplan ausgearbeitet, der jetzt vom Bauausschuss des Stadtrats einstimmig beschlossen wurde. Damit wird das gesamte Areal als allgemeines Wohngebiet klassifiziert, eine gewerbliche Nutzung ist nicht mehr möglich.

Auch wenn der Bebauungsplan laut Bauverwaltungsleiter Franz Wandinger „mit einer möglichst hohen rechtssicheren Position“ ausgestaltet wurde, gibt es dennoch Probleme. So hat das Landratsamt darauf hingewiesen, dass durch ein allgemeines Wohngebiet möglicherweise die benachbarte Metzgerei Widl im Bestand gefährdet werden könne. Laut Wandinger könnten künftige Bewohner wegen Lärmbelästigung klagen, da schon früh am Morgen an der Metzgerei Lieferverkehr und Wurstproduktion stattfinde. Die Stadt kommt hier dem Vorschlag des Landratsamts nach, durch ein schalltechnisches Gutachten nachzuweisen, dass durch den benachbarten Betrieb keine schädlichen Umweltauswirkungen auf das Plangebiet zu befürchten sind.

SPD-Stadtrat Heiner Müller-Ermann kritisierte, dass es „grotesk“ sei, dass Lärmschutzbestimmungen einen alteingesessenen Betrieb gefährden könnten. „Auf der einen Seite werden Programme zur Innenstadtbelebung aufgelegt, auf der anderen Seite müssen dann aber Betriebe in der Innenstadt um ihren Bestand fürchten.“

Doch die Lärmsituation ist nicht das einzige Problem, das mit dem Bebauungsplan auftaucht. „Der Plan hat ein hohes Klagerisiko“, umschrieb es Bauamtsleiter Wandinger. Im Klartext: Lagerhaus-Eigentümer Erich Wastl wird gegen den Beschluss wohl Klage einreichen. In seiner Einwendung gegen den Bebauungsplan hat Wastl argumentiert, dass es sein Lagerhaus bereits 80 Jahre gebe. Außerdem betreibe er seit 60 Jahren einen landwirtschaftlichen Betrieb mit 80 Tagwerk Grund. Er benötige das Lagerhaus daher auch als Abstellmöglichkeit für landwirtschaftliche Maschinen sowie zum Lagern von Heu, Düngemitteln, Getreide und Brennholz.

Für die Stadt ist diese Argumentation aber nicht stichhaltig. „Die Tatsache, dass der Betrieb eines Lagerhauses vor langer Zeit gegründet wurde, bedeutet nicht, dass die Stadt Dorfen aktuelle Entwicklungen und Bedarfe (in diesem Fall die Schaffung von Wohnraum) vernachlässigen kann. Für den Betrieb landwirtschaftlicher Betriebe sind andere Möglichkeiten gegeben. Die Stadt ist im Rahmen der vorangegangenen Planungen auf den Eigentümer zugegangen, um andere Flächen zur Lagerung anzubieten. Diese Möglichkeiten wurden jedoch abgelehnt“, heißt es dazu in der Abwägung des Einspruchs von Wastl. Im gesamten Plangebiet befänden sich überwiegend Gebäude mit Wohnnutzung. Die Nutzung des Grundstücks durch ein landwirtschaftliches Lagerhaus füge sich nicht in die nähere Umgebung ein. Zudem hätten die beiden Großbrandereignisse 2003 und 2013 gezeigt, dass ein Lagerhaus in der Stadtmitte „ein hohes Sicherheitsrisiko“ darstelle.

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