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SOB-Chef Christoph Kraller wird derzeit wegen vieler Pannen heftig kritisiert

Verspätungen, Zugausfälle

Hohn und Spott weichen der Wut

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Es sind Briefe der Verzweiflung und der Wut, die Bahnpendler derzeit an die Südostbayernbahn (SOB) schicken. Teils massive Verspätungen und Zugausfälle gehören zum Alltag. Die Pendler fühlen sich von der Regionalbahn aufs Abstellgleis geschoben.

Dorfen – „Was zur Zeit auf der Strecke Mühldorf-München abgeht, entspricht in keinster Weise dem, was ein Kunde erwarten kann“, schreibt Heribert Wolf an die Geschäftsleitung der SOB in Mühldorf. „Beinahe täglich, im Schnitt aber sicher zweimal pro Woche kommt es zu großen Störungen im Betriebsablauf zwischen München-Ost und Feldkirchen. Stellwerksstörung am Ostbahnhof oder Riem und Signalstörung wechseln sich in schöner Regelmäßigkeit ab“, zählt der Pendler auf.

Und er rechnet den SOB-Managern vor: „Diese Woche Montag hatte ich morgens 35 Minuten Verspätung, abends 17 Minuten. Heute war die Strecke wieder komplett gesperrt. Dieser Zustand zieht sich jetzt schon das ganze Jahr 2018 hin. In meinem Mail-Eingang dominieren eindeutig die Störungsmeldungen der Bahn.“ Wolf ist zwar stark verärgert, schreibt aber noch freundlich.

Pannen-Tweets eines Tages der SOB auf Twitter.

Anders reagieren andere Pendler wie etwa Michael Wengler, seit Jahren einer der schärfsten Kritik der SOB. Deren Verantwortliche tituliert er als „Manager der Mühldorfer Erlebnis-Bahn-Touristik“. Kaum falle eine Schneeflocke, sei das Chaos perfekt. „Aber wen wundert das in einem Land, das bald einen Ex-Bundesverkehrsminister ins Dschungelcamp sendet“, giftet Wengler und verweist auf Meldungen, wonach Ex-Minister Günther Krause einen Vorvertrag für das alljährliche Spektakel „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ unterschrieben haben soll. Wengler lässt seiner Wut gegen die SOB freien Lauf: „Das ganze Jahr über ’ne Riesenshow, wie toll doch alles wäre – aber acht Zentimeter Neuschnee im November, das ist schon eine völlig unvorhersehbare Naturkatastrophe. Bei fünf oder zehn Minuten Verspätung sagt kein Mensch was – aber 30 Minuten oder mehr – Hut ab! Haben Sie als Kind eigentlich nie ,Alle Jahre wieder‘ gesungen? Es kommt nämlich nicht nur der Weihnachtsmann samt Weihnachtsfeier, sondern vielleicht auch der erste Schnee“, schreibt Wengler an die SOB-Führung Christopf Kraller und Matthias Krause. Und er gibt den Bahnchefs noch einen Tipp: „Immer wenn die Frauen von Plätzchen zu reden beginnen – das ist auch so ein Zeichen, das Sie wirklich ernst nehmen können, dass bald der erste Schnee fallen könnte!“

Sachlicher bleibt Bahnpendler Wolf. Er zitiert aus einem Bericht von 2009: „Erlösende Nachricht für die Kunden der S-Bahn und des Regionalverkehrs auf der Trasse Ostbahnhof-Riem-Feldkirchen: Bis Ende Mai soll nach Angaben der Bahn das alte, sehr störungsanfällige Stellwerk in Riem gegen ein neues ausgetauscht worden sein. Für die Bahnkunden werden damit harte Monate ständig wiederkehrender Verspätungen und Zugausfälle ein Ende finden.“

Seine Frage: „War die angebliche Millioneninvestition umsonst? Was gedenkt die Bahn zu unternehmen, um diesen Missstand endlich zu beheben? Es ist für mich nicht nachvollziehbar, dass sich so ein Problem über Monate hinweg ziehen kann.“ Auch Wolf wird dann sarkastisch: „Ich bezahle anscheinend etwa 2500 Euro im Jahr, damit ich möglichst viel Zeit in vollen Zügen genießen kann. Anstatt besser wird es Jahr für Jahr schlechter.“

Nicht nur der Service auf der Schiene lasse zu wünschen übrig, auch der für Kundenprobleme. Vor vier Wochen habe er einen Antrag auf Erstattung einer Fahrkarte um etwa 15 Euro gestellt. „Außer einer automatisch generierten Antwort habe ich bis jetzt nichts mehr gehört. Das nenne ich Service am Kunden. Sollte wieder einmal für eine nicht durch mich zu verantwortende Umbuchung eine zweite Fahrkarte notwendig sein, werde ich großzügig auf den Erwerb verzichten und lieber auf eine Behandlung durch Bahnpersonal inklusive der damit verbundenen Störungen warten. Dann interessiert sich wenigstens jemand für mich. Danke liebe Bahn!“, schließt Wolf seinen Brief an die SOB.

Ein Bekannter Wolfs, Barney nennt er sich, ist ebenfalls Pendler und sieht die Sache ganz einfach: „Solange niemand persönlich verantwortlich gemacht werden kann, sind die Beschwerden der Kunden für die SOB- Chefs völlig uninteressant, ja akzeptabel.“ Doch dieser Pendler denkt auch über Alternativen nach: „Wenn nächstes Jahr die Autobahn fertig sein wird, kann sich das eventuell ändern. Vielleicht sollten wir prüfen lassen, wann Fahrgemeinschaften, Flixbus-Reisen, etc. wirtschaftlich wären? Möglicherweise bekommen wir das hin und setzen eine echte Alternative zur SOB in Gang.“

Von der SOB gab es gestern keine Stellungnahme zu der Pannenserie, dafür aber von der Pressestelle der Deutschen Bahn. Die Ursache liege an der starken Frequentierung des Bahnknotens München. In München habe sich alleine im S-Bahn-Bereich die Zahl der Fahrgäste seit 1972 um mehr als 330 Prozent erhöht.

„Die Infrastruktur ist mit der Nachfrage nicht mitgewachsen“, sagte ein Bahnsprecher. Das treffe auch auf Dorfen zu, das durch Zuzug zu einer „Pendlerstadt“ geworden sei. Bis zum zweigleisigen Ausbau der Strecke München-Mühldorf werde „Druck auf dem Kessel bleiben“.

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