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Bühne frei: Walter und Petra Hoch begannen mit einem Lied über die vergebliche Liebesmüh einer Hexe. 

Jakobmayer-Bühne

Humorvolles Oktoberbrettl

Das Oktoberbrettl hat mittlerweile einen festen Platz im Veranstaltungsprogramm des Jakobmayer-Kulturzentrums. Das Brettl setzt die Tradition der legendären offenen Bühne der früheren Soafa fort.

Dorfen – Veranstalterin Birgit Binder hat heuer sechs Bands und Künstler zu einem erfrischend abwechslungsreichen Abend geladen. Kleinkünstler, Musiker und Lyriker gestalteten das Programm, mal humorvoll, mal kritisch, mal gefühlvoll.

Den Anfang machten Petra und Walter Hoch. Mit einer Auswahl, so bunt wie Petras Fantasie-Mittelalterkleid, besang das Paar aus dem Dachauer Hinterland Liebestrank brauende Hexen und die hohe Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft. Für viel Heiterkeit sorgte Walter mit einem musikalischen Appell für das männlichkeitsbewahrende „Stehbisln“. Mit großem Talent, aber einer unsympathischen Portion Selbstbewusstsein würzte der Österreicher Franz Lichtenegger das überwiegend musikalische Oktoberbrettl mit Gedichten. In Verse gegossen gab er der Debatte um die deutsche Leitkultur eine lyrische Watschn und spottete über eine Generation, die eben noch mit Ideologien um sich werfend, mit dem Erwerb von Doktortitel und Mercedes dem Kapitalismus zu Füßen liegen.

Frech und gute Laune versprühend trug dann Christina Schmidt, auf der Gitarre von Heiko Moser begleitet, eigene Lieder über Fernweh oder das Auf und Ab in der Liebe vor. Während sie ihre Texte mit weicher Stimme sang, zeigte sie mit einem Cover des Songs „Proud Mary“, in der Version von Tina Turner, dass auch eine Rockröhre in ihr steckt.

Instrumentaler Höhepunkt des Abends waren B.Ö.F., „Bayrisch Österreichischer Feinklang“. Aus der Filmmusik von „Jenseits der Stille“ interpretierten Markus Reinhart an der Klarinette und Michaela Bauer am Akkordeon ein Stück, in dem sie mit Zurückhaltung beeindruckten. Bauer entlockte ihrem Instrument nur leise, sanfte Töne, auch die Klarinette nahm sich zu einem Säuseln zurück.

Bernhard Molocher, der dem Duett folgte, zeigte sein Können nach acht Jahren Gesangsunterricht. Die Färbung seiner Stimme erinnerte bereits beim ersten Lied an Johnny Cash, den er aber erst mit seinem letzten Vortrag, „Hurt“ coverte. Dass sich Unterschiede durchaus anziehen können, bewies das junge Paar „Anna und Flo“. Perkussiv unterstützt von ihrem Freund Alex ergänzten sich die klassische Pianistin und der Rockgitarrist in ihrem Vortrag perfekt. In seinem niederbayerischen Dialekt dankte Flo seinem Vater für die musikalische Früherziehung mit Platten von den Beatles und CCR und machte sich über „Spezialisierung bis zur Dummheit“ lustig.

Für den gemeinsamen Ausklang versammelten sich alle Künstler des Abends auf der Bühne und sangen mit dem Publikum Johnny Cashs „Ring of Fire“. Ginge es nach den Gästen, könnte sich das Oktoberbrettl auch über das Monats hinaus wiederholen.  fh

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