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Das Dorfener Krankenhaus ist heute eine moderne Klinik für Innere Medizin.

90 Jahre Krankenhaus

Ihre Klinik ist den Dorfenern heilig

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Für alteingesessene Dorfener ist das Haus mehr als nur eine Klinik: Das Dorfener Krankenhaus ist ihr Lichtblick, weil sie darin das Licht der Welt erblickt haben. In diesen Tagen feiert die Fachklinik für Innere Medizin ihr 90-jähriges Bestehen. Viele „Operationen“ waren notwendig, um die Klinik am Leben zu erhalten.

Dorfen – Dorfen und sein Krankenhaus, das war und ist eine ganz besondere Beziehung. Die heutige Zweigstelle des Klinikums Erding ist nur aus Sicht der ErdiDas Dorfener Krankenhaus (oben) ist heute eine moderne Klinik für Innere Medizinnik, für die schon mehrmals die Totenglocke geläutet hat, haben die Dorfener immer gekämpft. Dieser Kampf war stets auch ein politischer: Kein Politiker hat sich in all den Jahren wirklich getraut, den Daumen über dem Dorfener Haus zu senken.

Ganz im Gegenteil: Landrat Martin Bayerstorfer setzt sich seit Beginn seiner Amtszeit für den Erhalt der Dorfener Klinik ein. Er hält das Krankenhaus für den östlichen Landkreis und darüber hinaus „für sehr wichtig. Der Standort ist unverzichtbar.“ Unter der Trägerschaft des Landkreises ist die Klinik stetig modernisiert und erweitert worden. Dabei war die Übergang der Klinik auf den Landkreis heftig umstritten.

Ein Schwerpunkt der Leistungen liegt im Bereich Gastroenterologie, wo etwa Magen- und Darmspiegelungen vorgenommen werden.

Bis Mitte 1969 war das Krankenhaus im Eigentum der Stadt. 100 Betten hatte das Haus damals, und alles, was eine Klinik auszeichnet: einen Operationssaal, eine Entbindungsabteilung mit Kreißsaal, Wöchnerinnenstation und Säuglingszimmer. Bürgermeister Franz Wolf war es, der nicht zuletzt aufgrund der klammen Finanzlage Dorfens erkannte, das für die Stadt die anstehende Sanierung und der weitere Betrieb der Klinik nicht mehr finanziell zu stemmen sind. Er nahm Verhandlungen mit dem Landkreis wegen einer Übernahme des Hauses auf. Doch Wolfs Alleingang gelangte schell an die Öffentlichkeit. Die Folge war ein Aufstand der Bürger – auch, weil die Stadt die Ärzte vor die Tür setzte. Von allen Seiten hagelte es Kritik für den Bürgermeister – er wurde sogar zum Rücktritt aufgefordert. Doch es gelang Wolf, die Proteste, die Wut der Bürger, die sich auch auf einer Podiumsdiskussion entlud, zu entkräften. Zum 1. Juli 1969 wurde das Haus an den Landkreis übergeben.

Chefarzt Dr. Ludwig Rudolf ( Bild l.) sieht für das Haus eine gute Zukunft.

Doch wer glaubte, jetzt sei alles gut, irrte. Die Schließung der Klinik schwebte weiter wie ein Damoklesschwert über dem Dorfener Krankenhaus. Denn da der Kreistag gerade erst beschlossen hatte, ein Kreiskrankenhaus zu bauen, um das städtische Krankenhaus Erding zu ersetzen, war die Schließung des Dorfener Hauses plötzlich wieder Thema. Erneut brandete der Kampfeswille der Dorfener auf. Der wurde nicht zuletzt auch vom damaligen Dorfener Chefarzt Dr. Ernst Hass befeuert, der mit vollem Einsatz für das Dorfener Haus kämpfte. Der Förderkreis startete schließlich Anfang 1973 eine Unterschriftenaktion zum Erhalt der Klinik. Mehr als 20 000 Bürger aus Dorfen und Umgebung unterschrieben die Petition.

Das zeigte Wirkung: Der Krankenhausausschuss des Erdinger Kreistages beschloss im März zunächst, die Klinik Dorfen zu erhalten und sie um eine Urologieabteilung zu erweitern. Zusätzlich sollte Dorfen einen Chefarzt und mehrere hauptberufliche Ärzte erhalten. Doch schon im Juli wurde der Beschluss revidiert. Das Dorfener Haus sollte nach dem neuen Beschluss nur behelfsmäßig von Erdinger Internisten mitversorgt werden. Dorfen gab nicht auf. Der Stadtrat und allen voran Dr. Hass, der mittlerweile in das Gremium gewählt worden war, forderten zwei Fachinternisten als ständige Belegärzte einzusetzen. Heraus kam ein Kompromiss. Der Kreistag beschloss, die chirurgische Abteilung in Dorfen zu schließen und sie in eine urologische Abteilung mit zwei Fachärzten umzuwandeln. Für die Innere Medizin wurde festgelegt, dass anstelle von zwei Belegärzten die Patienten in Erding operiert werden und zur Nachbehandlung dann nach Dorfen kommen. Anstatt der Chirurgie wurde der Betrieb einer chirurgischen Notfallambulanz zur Versorgung kleinerer Verletzungen beschlossen.

Schließungsgerüchte keimten allerdings in den Folgejahren immer wieder auf. Doch der damalige Landtagsabgeordnete und spätere Landrat sowie Kultusminister Hans Zehetmair setzte sich für die Klinik ein und erreichte, dass das Sozialministerium die Forderung aufgab, das Krankenhaus Dorfen dürfe nur solange bestehen bleiben, bis Erding den Standort Dorfen ersetzen könne.

Und noch eines erreichte Zehetmair: Er überzeugte Ministerpräsident Franz Josef Strauß, Fördergelder des Freistaates für die Generalsanierung zu gewähren. Von 1985 an wurde die Sanierung über vier Jahre hinweg durchgezogen. Auch ein größerer Anbau wurde errichtet. In den Umbau in eine moderne Klinik wurden über zehn Millionen Mark investiert. In den Jahren 2010 und 2011 wurden schließlich für 1,1 Millionen Euro der ehemalige OP-Trakt zu einem Funktionstrakt für Untersuchungen umgebaut.

Alarmstimmung kam nochmals Ende 2013 auf, als der damalige Dorfener Stadt- und Kreisrat Jürgen Patschky, der Mitglied im Krankenhausverwaltungsrat war, sich um den Bestand der Dorfener Klinik sorgte. Er berichtete von Bestrebungen von CSU-Mitgliedern im Kreistag, das Dorfener Haus zu schließen. In der Folge gab die Kreis-CSU eine Bestandsgarantie für das Krankenhaus ab.

Der endgültige Grundpfeiler zur Bestandssicherung des Dorfener Hauses war die Verknüpfung von ambulanter und stationärer Versorgung der Patienten durch den Anbau des Ärztehauses, das in privater Trägerschaft steht. Dort sind Fachärzte verschiedener Richtungen tätig und bringen ihre Kompetenz, ihr Wissen und ihr Können durch Kooperationsverträge mit dem Landkreis als Belegärzte in den stationären Bereich mit ein. So etwa auch der Chefarzt der Klinik, Dr. Ludwig Rudolf, der bereits seit 1994 als Belegarzt in der Gastroenterologische Abteilung tätig ist.

Zahlreiche solcher Kooperationen machen das medizinische Spektrum, das die Klinik Dorfen anbietet, sehr groß. So findet sich in der Klinik auch die Abteilung für Hämatologie und Onkologie unter der Leitung von Prof. Dr. Folke Schriever und Dr. Cathrine Haller. Im Herbst 2016 wurde der stationäre Bereich der Interdisziplinären Schmerztherapie unter der Leitung von Prof. Dr. Magdolna Hornyak gegründet. Die jüngste Erweiterung ist die Abteilung für Schlafmedizin, ebenfalls unter der Leitung von Prof. Dr. Hornyak. Darüber hinaus gibt es bereits seit Jahren die Belegabteilung für Kardiologie mit den den Belegärzten Dr. Walter Ruckdeschel und Dr. Carsten Husemann. Mit der Klinik kooperieren auch noch andere Konsiliarärzte-Praxen, etwa die des Radiologen Dr. Jakob Sinzinger, des Chirurgen Wolfgang Kerschl, des Diabethologen Uwe Bärbock, der Urologin Dr. Gabriela Burghart und einer Gynäkologin, die alle in dem Gebäudetrakt untergebracht sind.

Synergieeffektegemeinsam nutzen

All diese Abteilungen arbeiten eng mit der Klinik zusammen, in der zwei Oberärzte, sieben Assistenzärzte sowie zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angestellt sind. Durch die gegenseitige Nutzung der medizinischen Geräte und des Personals werden Synergieeffekte geschaffen, die auch von der Kostenseite her sowohl der Klinik als auch den Belegärzten zugute kommen. Chefarzt Rudolf sieht die Zukunft der Dorfener Klinik positiv – auch, weil das Haus bei Patienten einen ausgezeichneten Ruf genieße. Solange der Landkreis am Haus festhalte, werde die Dorfener Klinik auch bestehen, ist sich Rudolf sicher.

Seit 2006 gibt es übrigens an der Klinik auch einen Notarztstandort. Er wurde auf Betreiben von Landrat Bayerstorfer eingerichtet. Damit wurde auch die Notfallversorgung im östlichen Landkreis enorm verbessert.

Tag der offenen Tür

Am morgigen Samstag findet zum Jubiläum von 10 bis 16 Uhr ein Tag der offenen Tür statt. Die Abteilungen des Hauses stellen sich vor, und für die Besucher ist jede Menge geboten.

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