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Im Bann der Kunstfalle: Dorfener Ensemble spielt „Der Vater“

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Von: Michaele Heske

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Spannend ist die Dreiecksgeschichte zwischen Oliver Wittenburg als „Der Vater“ seiner Frau (Helga Rebetge) und ihrer Tochter (Laetitia Wegmann).
Spannend ist die Dreiecksgeschichte zwischen Oliver Wittenburg als „Der Vater“ seiner Frau (Helga Rebetge) und ihrer Tochter (Laetitia Wegmann). © Kunstfalle

Die Theatertruppe der Kunstfalle Dorfen bringt die Familienhölle von Strindbergs „Der Vater“ auf die Jakobmayer-Bühne.

Dorfen – Kampf der Geschlechter: Die Mutter gegen den Vater, das Kind als Spielball. Was sich wie ein moderner Scheidungskampf anhört, ist ein Bühnenstück von 1887, das die Kunstfalle im November im Jakobmayer-Saal geben wird. Der Unterlegene ist „Der Vater“, so auch der Titel des Dramas von August Strindberg. Ganz großes Theater – so lautet auch seit zehn Jahren die Intention des Ensembles. „Wir bringen kein flaches Schauspiel auf die Bühne, sondern Stücke mit Anspruch“, sagt Markus Hübner, der gemeinsam mit Gerhard Adams für die Inszenierung verantwortlich ist.

„Kunstfalle“, das Wort sei bei ihm hängen geblieben, erzählt Adams, früher selbst Schauspieler, heute Regisseur der Gruppe. „Die Zuschauer sitzen sozusagen in der Falle, sie sind angetan von der Aufführung und kommen da nicht mehr raus. Nicht nur während des Stückes, sondern auch noch in den Tagen danach.“ Der Begriff stammt aus „Der Theatermacher“ von Thomas Bernhard, mit dem die Kunstfalle 2012 Premiere feierte. Daraufhin folgten jährliche Inszenierungen.

Zu Jahresbeginn werden die Stücke ausgewählt, dann beginnt das Ensemble mit Akteuren aus Dorfen und Umgebung mit den Proben. „Das Potenzial des Stückes muss zu unserer Gruppe passen“, sagt Hübner, der auch als Schauspieler in einer Nebenrolle zu sehen sein wird. Die Mitwirkenden erarbeiten sich ihre Rollen selbstständig, der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt.

Die Theatertruppe der Kunstfalle Dorfen bringt die Familienhölle von Strindbergs „Der Vater“  auf die Jakobmayer-Bühne.
Regisseur Gerhard Adams © Michaele Heske

„Der Vater“ wird gespielt von Oliver Wittenburg. Der Kavallerieoffizier und Naturforscher findet in der Ehe seine Meisterin: in seiner Frau Laura (Helga Rebetge), mit der er die Tochter Bertha (Laetitia Wegmann) hat. Um Berthas Zukunft entbrennt ein erbitterter Streit: Der Rittmeister sieht Bertha als Lehrerin in einer anderen Stadt, während Laura sie im Elternhaus halten will, unter dem Einfluss von Großmutter, Mutter und Amme.

Als er auf sein Recht als Vater pocht, pariert Gattin Laura: „Und wenn die Frau untreu gewesen ist?“ Diese Frage, spielerisch hingeworfen, frisst sich wie lähmendes Gift in des Mannes Seele.

Bei den Inszenierungen wird mit minimalen Bühnenmitteln und Lichteffekten gearbeitet, auf der Bühne stehen keine Kulissen. Der Betrachter ist auf die Schauspieler fokussiert, auf die spannende Handlung, die unerbittlich ihrem Höhepunkt zustrebt. Ein Erlebnis, das man am besten in der Gruppe genießt, wirbt Adams. „Dann kann man nach der Vorstellung auch noch miteinander diskutieren.“ Ein Vorteil, den Fernsehprogramm und Streaming-Dienste nicht bieten: „Es geht beim Theater ja auch um die Kommunikation.“

Schauspieler Markus Hübner
Schauspieler Markus Hübner © Michaele Heske

Alle Mitwirkenden seien stolz, so Adams, dass sie sogar während der Pandemie via Zoom-Meetings geprobt hatten und 2021 „Unsere kleine Stadt“ in den Jakobmayer gebracht hatten, als alle anderen Veranstaltungen im Landkreis abgesagt wurden. „Gerade während der Pandemie lieferte die Kunst Abwechslung zur einsamen Selbstisolation“, so Hübner.

Der Auftritt war ein Defizitgeschäft, wegen der geltenden Beschränkungen durften ja nur wenige Zuschauer in den Saal. Für den kleinen Verein sind die Inszenierungen ein finanzieller Kraftakt: „Wir stemmen die Kosten ausschließlich über Eintrittsgelder“, erklärt Adams.

Die „Kunstfalle“ hofft auf ein volles Haus, nicht einfach in Zeiten, in denen der Kulturbetrieb, salopp gesagt, an Long Covid leidet. Nach wie vor haben es Theater und Kabarett schwer, Vorstellungen werden längst nicht so gut besucht. „Die Kultur leidet immer noch, man spürt nach wie vor die Auswirkungen des Lockdown“, sagt Hübner. „Genau deshalb wollen wir der Kultur auch wieder Raum geben. Wir wollen die Angst nehmen, indem wir zeigen, dass wir da sind und in dunklen Zeiten mit gutem Theater das Publikum unterhalten.“

Die Aufführungen:

Die Kunstfalle spielte „Der Vater“ von August Strindberg. Termine sind am Freitag/Samstag, 4./5. November, um 20 Uhr, Einlass um 19 Uhr, sowie am Sonntag, 13. November, um 19 Uhr, Einlass 18 um Uhr. Karten inklusive Platzreservierung gibt es auf www. kunstfalle-ev.de oder www.jakobmayer.de sowie beim Ticket-Treff Dorfen, Tel. (0 80 81) 13 93, zu 17 Euro plus Gebühren.kasse

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