Nicht cool genug für seine Tochter: Lilly lache nicht mehr über seine Witze, verriet Michael Mittermeier. Das Dorfener Publikum hingegen war begeistert.
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Nicht cool genug für seine Tochter: Lilly lache nicht mehr über seine Witze, verriet Michael Mittermeier. Das Dorfener Publikum hingegen war begeistert.

Corona, Panikmütter und Deppen-App: Bei seinem Heimspiel im Dorfener Jakobmayer-Saal begeisterte Comedy-Star Michael Mittermeier sein Publikum.

Michael Mittermeier im Wort-Tsunami

  • vonAlexandra Anderka
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Dorfen – Ein „Programm, das es nicht gibt“, spielte Comedy-Star Michael Mittermeier gestern und am Dienstag vor jeweils 130 Gästen im Jakobmayer -Saal in seiner Heimatstadt Dorfen. Besonders freute den 54-Jährigen, dass seine Eltern, die „definitiv zur Corona-Risikogruppe gehören“, gekommen waren.

Gut gelaunt rauschte er, begleitet von Lichteffekten und Musikeinspielung, auf die Bühne. Eine Auszeit von drei Monaten und vier Tagen habe er während der Pandemie gehabt und in dieser Zeit einiges erlebt, wie das Publikum erfuhr.

Von skurrilen Situationen beim Großeinkauf, Verwirrung beim Homeschooling bis hin zu seiner Sicht über Verschwörungstheorien reichte die Palette. „Ich dachte mir, schreibst einfach mal alles so auf, was dir in den letzten Monaten passiert ist“, erklärte Mittermeier, der immer wieder auf seine Notizen spickte, um beispielsweise den genauen Wort- bzw. Emoji-Wortlaut einer Eltern-WhatsApp-Gruppe zu zitieren, die während des Homeschoolings seiner Tochter überhand genommen hätten.

„Es beginnt immer mit der Frage einer Panikmutter, dann folgt der Wort-Tsunami“, sagte der Vater der zwölfjährigen Lilly und erntete Gelächter. Eine Frage sei gewesen: „Stecken sich Hochbegabte leichter an Corona an?“ Er habe nicht umhin gekonnt, das mit „Ja, wenn sie nicht gegen ADHS geimpft sind“, zu beantworten.

Sich den Humor zu bewahren, sei eh das Wichtigste in diesen schwierigen Zeiten. Er halte es da mit dem verstorbenen Komiker Werner Fink: „Humor ist die Lust zu lachen, wenn einem zum Heulen ist.“ Denn wie könne man anders als mit Humor auf die Tatsache reagieren, dass die Bordelle vor den Theatern öffnen durften. „Mit Abstand und Maske natürlich.“ Lediglich Long Dong Silver und Pinocchio hätten da eine Chance, machte sich Mittermeier lustig. Da sei ihm nichts anderes übrig geblieben, als sich als „Autokino-Hure“ zu verdingen und dort sein Programm aufzuführen.

Ein bisschen nachlässig sei man bei der Einschätzung der Corona-Krise schon gewesen, stellte er rückblickend fest. „Schon am 1. März hätten wir es wissen müssen: Da hat James Bond die Premiere des neuen Films abgesagt. ,Keine Zeit zum Sterben‘ lautet der Titel“, erinnerte Mittermeier. 24 Mal habe Bond die Welt gerettet, dann aber den Schwanz eingezogen.

Überhaupt habe er viele Filme geschaut während des Lockdowns – und „viel gesoffen“. „Ich trinke tagsüber nie, aber da hatte ich ja nichts vor, das Wetter war schön, also war um 12.40 Uhr Feierabend, und da ging es los mit Weißwein“, entschuldigte er sich. Aber nicht nur deshalb wäre die Zeit, wenn sie länger gedauert hätte, gefährlich für ihn geworden. Denn seine Frau meinte eines Tages zu ihm: „Michel, noch ein Witz, und ich bringe dich um.“

Seine Tochter könne eh schon längst nicht mehr über seine Witze lachen, wenn man als „fast 60-Jähriger voll krass cool sein will und Jugendsprache einsetzt“. Oida, das gehe gar nicht. Doch das nimmt der Komiker locker. Trotz vorpubertärer Anwandlungen ist der Münchner mächtig stolz auf seine Lilly, das trug er an diesem Abend unverhohlen zur Schau.

Amüsieren kann sich Mittermeier über die „Corona-Rebellen“, die ähnlich wie Nacht-Rebellen agierten: „Ich demonstriere, weil es Nacht wird und ich nichts mehr sehe.“ Doch er dankte allen Verschwörungstheoretikern. Für Komiker seien sie ein gefundenes Fressen.

Mit Nanotechnologie werde das Ego über die Corona-App in eine Cloud hochgeladen, behaupten sie. „Da kenn ich schon ein paar, die da mit ihrem Ego Speicherprobleme bekämen“, meinte er. Mittermeier würde statt der Corona-App sowieso eine Deppen-App bevorzugen. „Nicht auszudenken, wenn man sich bei denen geistig infizieren würde.“

Das Homeschooling mit seinen „babylonischen Verwirrungen“ habe ihn beinahe an seine Grenzen gebracht. „Differenzialgleichung – was ist das?“ Und er stellte zuhause gleich klar: „Ich bin nicht der Unterricht, ich bin die Pause.“

Gegen Ende des amüsanten zweistündigen Programms fragte sich Mittermeier, der bekennender Star-Wars-Verehrer ist: „Wo sind eigentlich die Superhelden?“ Mit einem gelungen Battle-Rap zwischen Dr. Drosten und Prof. Kékule gab er selbst die Antwort: Der Virologe ist der neue Frauen-Schwarm in den Bars, prophezeite er. „Willst du mich impfen?“, würden künftig die Models in deren Ohren flöten.

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