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Beleuchteten das Thema Inklusion aus ihren jeweiligen Blickwinkeln (v. l.): Rudolf Siegmund (Bereichsleiter Wohnangebote bei den Barmherzigen Brüdern), Ruth Preuße (Senioren und Behindertenbeauftragte des Landkreises), Johanna Wettengel (Fachreferentin des Caritasverbands), Franz Hofstetter (Taufkirchens Bürgermeister und Bezirksrat), Heinz Grundner (Dorfens Bürgermeister), Jakob Schwimmer (stellvertretender Landrat), Prior Frater Bernhard Binder (Barmherzige Brüder) mit Moderator Erich Höcherl.

Podiumsdiskussion im Jakobmayer

„Inklusion hat keinen Anfang und kein Ende“

Wer entscheidet, ob ein Behinderter wählen darf und auf welcher Grundlage? Diese Frage stellte eine Behindertenpflegerin unter den Zuschauern einer Podiumsdiskussion zur Inklusion. Es war nur eins von vielen Themen.

Dorfen Im Rahmen der Feierlichkeiten des 50. Jubiläums der Barmherzigen Brüder Algasing tauschten sich Vertreter der Einrichtung, des Landkreises, der Caritas und der Politik zum Thema Inklusion im Jakobmayer-Saal in Dorfen aus. Die Praxis zur Wahlberechtigung eines Menschen mit Behinderung erläuterte Johanna Wettengel, Fachreferentin der Caritas kurz: Auf der Grundlage eines ärztlichen Gutachtens verfügt ein gerichtlicher Beschluss über den Status der Betreuung. Das kann den Entzug der Wahlberechtigung bedeuten. Die ethische Frage bleibt bestehen.

Die Pflegerin berichtete von Berechtigten mit zweifelhafter Mündigkeit und Nichtberechtigten, denen sie die nötige Entscheidungsfähigkeit zusprechen würde. Ein Beispiel für die vielen Schwierigkeiten, die der Inklusion genannte Prozess einer tief greifenden gesellschaftlichen Veränderung mit sich bringt.

Inklusion dürfe nicht mit Integration gleichgesetzt werden, wurde am Podium klargestellt. Integration meine die Wiedereingliederung ausgegrenzter Personen, Inklusion setze schon davor an und meint die volle gesellschaftliche Teilhabe aller, ungeachtet der Herkunft, der Religion oder eines Handicaps.

Bezirksrat und Taufkirchens Bürgermeister Franz Hofstetter brachte es gleich zu Beginn auf den Punkt: „Das Wichtigste ist, dass diese Idee in den Köpfen verankert ist. Inklusion hat keinen Anfang und kein Ende, sondern ist ein Prozess.“

Ein wichtiger Schritt seitens der Barmherzigen Brüder Algasing war die Einrichtung einer Wohngruppe in Dorfen. Eine Bewohnerin gab ein anschauliches Beispiel für konkrete Inklusion. Trotz Handicap gestalte sie ihre Freizeit selbst, gehe einkaufen oder ins Fitnessstudio, bewege sich selbstverständlich als Dorfenerin unter Dorfenern. Einig waren sich die Redner, dass zur Entscheidungsfreiheit auch die Möglichkeit einer betreuten Lebensweise wie in Algasing gehört.

Stellvertretender Landrat Jakob Schwimmer nahm Stellung zur Finanzierung von beispielsweise Barrierefreiheit seitens des Landkreises. Eine wichtige Aufgabe sei auch die Beratung von Menschen mit Handicap sowie deren Angehörigen. Er verwies dabei auf die anwesende Senioren- und Behindertenbeauftragte des Landkreises, Ruth Preuße, der er „viel Fingerspitzengefühl“ attestierte.

Wesentliche Probleme bei der Umsetzung von Inklusion benannte Johanna Wettengel von der Caritas. Vor allem das fehlende Angebot an bezahlbaren sowie barrierefreien Wohnungen sei ein Missstand. Aber auch die Bereitschaft der Betriebe, Behinderte einzustellen müsse wachsen. Dorfens Bürgermeister Heinz Grundner, Schirmherr des Jubiläums der Barmherzigen Brüder, sah ein wesentliches Hindernis in den bestehenden Berührungsängsten und betrachtet es als Aufgabe der Politik, diese zu nehmen.

Fabian Holzner

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