1 von 3
Alfred Mittermeier witzelte über die Spezies Übereltern.
Nessi Tausendschön brachte das Publikum als Sabine Töpperwien zum Lachen
2 von 3
Nessi Tausendschön brachte das Publikum als Sabine Töpperwien zum Lachen
Christof Spörk aus dem Burgenland im Jakobmayer
3 von 3
Christof Spörk aus dem Burgenland begeisterte im Jakobmayer mit seinem Corona-Lied.

Kabarett

Jakobmayer-Brettl 3.0 in Dorfen: Die pure Lust am Spielen

Endlich wieder auf der Bühne: Kabarettist Alfred Mittermeier aus Dorfen und seine Gäste Nessi Tausendschön und Christof Spörk begeisterten ihr Publikum im Jakobmayer nach der langen Corona-Pause.

Dorfen– Allen Dreien merkte man sie an: die pure Lust am Spielen, auf der Bühne zu stehen und ihr Publikum zu unterhalten. Kein Wunder, schließlich handelt es sich ja bei Alfred Mittermeier, Nessi Tausendschön und Christof Spörk um selbst ernannte Rampensäue. Der Vierte im Bunde, Martin Herrmann, war krankheitsbedingt ausgefallen.

Und Gastgeber Mittermeier hatte schon befürchtet, er könne es nicht mehr – nach viermonatiger Bühnen-Abstinenz. „So eine lange Pause hatte ich noch nie“, sagte er und meinte: „Ich bin gespannt, wie’s wird.“ Und es wurde richtig großartig, das Jakobmayer-Brettl in seiner dritten Auflage, organisiert von Kabarettist Mittermeier und Jakobmayer-Chefin Birgitt Binder, der Mittermeier großes Lob zollte: „Ein Drittel der Zuschauer und ein 20-Faches an Aufwand.“

200 Gäste durften am Samstagabend nach den aktuellen Corona-Auflagen in den Jakobmayer-Saal. Er war ausverkauft, was die Künstler riesig freute. Alle drei ermutigten das Publikum, kulturelle Veranstaltungen zu besuchen. „Traut euch“, ermunterte Mittermeier, „sonst kann diese Szene nicht überleben“. „Geht ins Theater, ins Kino, egal wohin, aber vor allem ins Kabarett“, witzelte Tausendschön, die auch gleich den Unterschied zur Comedy klarstellte: „Ein Comedian macht’s wegen dem Geld, ein Kabarettist wegen des Geldes.“

Als „Ikone der Kabarettszene, Variationsgenie und Grande Dame des Kabaretts“ stellte Mittermeier seine Kollegin vor, die mit Musiker William Mackenzie aus Kanada ein wahres Pointen-Feuerwerk hinlegte. Sie selbst bezeichnet sich als „Lustigkeitshure, Witze-Prostituierte oder Joke-Account-Facility-Managerin“, denn eigentlich habe sie nie vor anderen Leuten lustig sein wollen. Ihre Eltern hätten sie gezwungen. Sie wollte immer Ärztin werden, hätte mit 16 schon am offenen Herzen operieren können, habe sie doch bei den Pickeln ihrer Freundinnen geübt. Ein Seitenhieb auf unentspannte Übereltern, die laut Mittermeier – auch er machte sie zum Thema – zu Bettnässern und Stotterern würden, weil das Abitur des Kindes in Gefahr sei.

Überhaupt stellte sich Mittermeier die Frage: Was soll aus der Jugend werden, die jetzt monatelang keine Schule von innen gesehen habe? Den Rabeneltern sei der Lockdown „wurscht“gewesen. Die Welt der Übereltern hingegen sei aus den Fugen geraten, hätten sie doch vor der Geburt des Kindes schon ein Leben als Superstar geplant. Übereltern seien mehr „wartende Fans“ von „putzigen, viersprachigen, geigenden Golfern“ als Eltern. Aber die Pandemie habe nicht nur die Eltern aus dem Konzept gebracht. Auch er habe mit Stadt und Birgitt Binder einen 800-seitigen Hygiene-Plan aufgestellt, „damit aus dem Jakobmayer nicht ein zweites Ischgl wird“. Nur gegen Hubert Aiwanger als Aufsicht habe er sich gewehrt: „Der ist wirklich mehr Comedy als Kabarett.“ Mittermeier-Fans hatten an diesem Abend ihr Freude, denn er hatte die lange Pause genutzt, um Neues zu präsentieren, sein aktuelles Programm „Paradies“, das er in Dorfen bereits gezeigt hatte, streifte er nur kurz.

Mit 17 Preisen, darunter der Salzburger Stier, ist der Kabarettist und Multiinstrumentalist Christof Spörk dekoriert. Er kam aus dem Burgenland angereist und brachte mit seinem Lied „Hätt i, dad i, war i“ zu Volksmusik am Akkordeon sofort Stimmung in den Saal. Er plauderte aus seinem Familienleben mit einer kubanischen Frau. Seine vier Kinder würden von den grün-links-liberalen Lehrern oft als Flüchtlinge betrachtet und hätten es somit schwer, überhaupt mal eine schlechte Note nach Hause zu bringen.

In der Corona-Zeit schrieb er ein ironisches Lied – „aus Selbstschutz“ –, das er zum Besten gab: „Mir fehlt eigentlich nichts, außer a bissl a Geld.“ Spörks Art des Kabaretts ist ebenso verrückt wie die seiner Kollegin Tausendschön: Sie machen sich auf der Bühne zum Clown, doch auf hohem Niveau aufgrund ihrer Selbstironie, Cleverness und sympathischen Art.

Den Saal zum Brodeln brachte Tausendschön, als sie Sportmoderatorin Sabine Töpperwien beim Kommentieren der Sportarten „Kunstvögeln“ und „Beachpoppen“ parodierte. Da hängte sie die Latte bei ihren männlichen Kollegen wahrlich hoch. (Alexandra Anderka)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgesehene Fotostrecken

Erding
Filmpremiere in Erding: Ausgrissn – und die Liebe zur Heimat entdeckt
Großer Bahnhof bei der „Ausgrissn“-Filmpremiere am Samstagabend im Erding Cineplex-Kino: die Wittmann-Brüder Julian und Thomas fuhren mit ihren Mopeds vor.
Filmpremiere in Erding: Ausgrissn – und die Liebe zur Heimat entdeckt
Lengdorf
Bücherei Lengdorf: Sturm auf die Ferien-Lektüre
Lendorfs Bücherei ist beliebt: Rund 120 Bücher und Zeitschriften haben die Lengdorfer beim Tag der offenen Tür nach Hause getragen.
Bücherei Lengdorf: Sturm auf die Ferien-Lektüre
Helma Wenzl geht in Pension: „Anordnen funktioniert nicht“
Nach zwölf Jahren als Direktorin am Anne-Frank-Gymnasium in Erding verabschiedet sich Helma Wenzl in den Ruhestand.
Helma Wenzl geht in Pension: „Anordnen funktioniert nicht“
„Seid’s stolz auf euren Abschluss“
„Seid’s stolz auf euren Abschluss“, lobte Bürgermeister Stefan Haberl die besten Absolventen der Mittelschule Taufkirchen und ehrte sie.
„Seid’s stolz auf euren Abschluss“