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Seine Pointen sitzen: Alfred Mittermeier feierte mit seinem neuen Programm „Paradies“ zuhause im Jakobmayer-Saal in Dorfen einen Riesenerfolg.

Stehende Ovationen

Im Paradies der Hemadlenzn: Alfred Mittermeier präsentiert neues Programm im Jakobmayer

Die Dorfener feierten ihren Alfred Mittermeier, als er sein neues Programm „Paradies“ zum ersten Mal zuhause vorstellte.

Dorfen – So gehört es sich: Die Dorfener feierten ihren Alfred Mittermeier, als er sein neues Programm „Paradies“ zum ersten Mal zuhause vorstellte. Der Jakobmayer-Saal war am Freitagabend restlos ausverkauft, so mancher nahm einen Stehplatz in Kauf.

Nachdem der Watzlinger im vergangenen Programm so richtig ausgemistet hat, möchte er nun ins Paradies. Aber das stellt sich nicht so einfach dar. Schon als Bub wurde er ermahnt: „Nur wenn du brav bist, kommst du in den Himmel.“ So wird das ganze Leben zu einer einzigen Aufnahmeprüfung, am Ende mit der Eintrittskarte zum Paradies. Und die bedeutet den Tod. Der wiederum ist – politisch gesehen – ein Kommunist: „Ein Gleichmacher, aber nicht gerecht. Bei den einen kommt er zu früh, bei den anderen zu spät.“ Ganz so ernst war Mittermeiers Programm aber nicht.

„Was ist das Paradies eigentlich?“

„Was ist das Paradies eigentlich?“, fragt sich der 56-Jährige. In einem Punkt seien sich alle Religionen einig: „Jede arbeitet mit der Unsterblichkeit.“ Doch in puncto Glauben bröckle es in der Gesellschaft. Während die Bibel noch immer in ihrer 2000 Jahre alten Vergangenheit schwelge, wurden Pippi Langstrumpf und der Struwwelpeter aufgrund ihrer rassistischen („Negerkönig“) und autoritären Sanktionen längst neu aufgelegt. Eine Gemüselasagne als Opfergabe würde sich für Abraham in Zeiten des Klimawandels auch besser schicken als ein Schaf, empfahl der Kabarettist.

Doch da seien sich Religionen und Parteien sehr ähnlich: Beide blickten auf längst vergangene Zeiten zurück, nichts passiere in der Gegenwart, und für die Zukunft versprächen sie Utopisches. „Ein Wunder muss her“, fordert daher Mittermeier. „Ein gewaltiges.“ Und da war er wieder: Der wortgewandte Künstler, der es so gekonnt versteht, sein Publikum mitzunehmen auf seine absurden, aberwitzigen Reisen. Dieses Mal ließ er den Messias erscheinen, in Gestalt von Grünen-Fraktionschef Hofreiter, denn der habe so einen „Erlöserlook“. Immer wieder zieht der Kabarettist Vergleiche zwischen Religion und Politik und entlarvt dabei deren Unglaubwürdigkeit. Doch in einer Demokratie habe man ja eine Wahl. Man könne die Religion, die Partei, den Partner und sogar das Geschlecht wechseln. Einzig den Fußballverein nicht – zumindest nicht als Fan.

Kranklachen: die gesündesten Augenblicke im Leben

Der Watzlinger ist bekannt für sein Spiel mit der Sprache, und das kommt auch im sechsten Soloprogramm nicht zu kurz. So werden aus rücksichtslosen Gaffern in der Rettungsgasse „Gassenhauer“ oder aus Shopping-Queens „Frauen mit einer Stoffwechselkrankheit“. Immer wieder kommen wie aus dem Nichts seine berühmten Lyrik-Einlagen, auf die die Fans schon warten und die Lacherfolge garantieren. Selbst aus einem Hänger – „das Peinlichste, was einem Mann passieren kann“ – macht er einen spontanen Witz.

Bestand sein voriges Programm in erster Linie daraus, die Politlandschaft mit messerscharfen Analysen auseinander zu nehmen, hatte es Mittermeier dieses Mal mehr auf die Religionen abgesehen. Er ist in seinem aktuellen Programm weniger zynisch, mehr lustig. Vielleicht begründet aus der Erkenntnis, dass „Kranklachen die gesündesten Augenblicke im Leben sind“.

Die Fahrt zur Hölle

Nach seinem Streifzug durch die Unbillen des Lebens mit Nahtoderfahrungen grippegeplagter Männer, hysterischen Eltern und Gendering („Bürgerinnenmeisterinnen“), plant er seine eigene Trauerfeier mit seinen persönlichen Highlights. Doch da steht plötzlich Hofreiter in seinem SUV vor ihm, um ihn abzuholen. Als Mittermeier einsteigt, sitzt Alice Schwarzer neben ihm, im Bordcomputer läuft ein 1860er-Spiel und aus dem Lautsprecher klingt Musik von Xavier Naidoo. Als ihn Hofreiter zu allem Überfluss im sächsischem Dialekt anspricht, weiß Mittermeier: „Das ist die Fahrt zur Hölle.“

Nach stehenden Ovationen und Bravorufen gibt es in der Zugabe schließlich doch noch eine überraschende Wendung: Am Himmelstor angekommen, begrüßt ihn Petrus im Hemadlenzn-Gewand – und da ist klar: Der Dorfener ist in seinem ganz persönlichen Paradies angekommen: In der Stadt der Hemadlenzn, in der Humor und Gaudi glänzen. Das galt auch für diesen Abend.

Weiterer Termin

Wer Alfred Mittermeier erleben möchte, hat am Samstag, 18. Juli, beim Jakobmayerbrettl in Dorfen Gelegenheit. Karten gibt es bei Ticket Treff Dorfen, unter Tel. (08081) 1393.

Alexandra Anderka

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