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Kongeniales Duo: Kabarettist Stephan Zinner (l.) mit Peter Pichler im Jakobmayer.  

Kabarett mit Stephan Zinner im Jakobmayer 

Verhinderter Rockstar brät Leberkäs

„Ungefähr so lange wie ein Pokalspiel mit Verlängerung ohne Elfmeterschießen dauert das heute hier“, kündigte der Kabarettist Stephan Zinner zu Beginn des Abends an.

Dorfen–  Damit ärgerte er gleich mal all die Männer, die die Karte für die Vorstellung im Jakobmayer am Mittwoch irgendwann einmal geschenkt bekommen haben und nun lieber zuhause das Bayernspiel gesehen hätten. Vielleicht war’s nicht so spannend wie beim Fußball, aber unterhaltsam war die Vorstellung von Zinners fünftem und neuem Programm „Raritäten“ allemal.

Es gehe hier aber nicht um altes Zeug – wie der Titel vielleicht vermuten lasse. Nein, eher um die besonderen Dinge des Lebens, um die „Nicen“ – wie die Jugend sagen würde. Aber wo sind sie denn? Der Musikkabarettist aus Trostberg machte sich auf die Suche danach. Mit dabei hatte er den Musiker Peter Pichler, der seine Wartezeiten auf seine durchaus musikalischen, aber auch skurrilen Einsätze mit Tuba, Akkordeon, Keyboard und Plattenspieler mit gespieltem Desinteresse überbrückte. Er versteckte sich dabei mit einem Buch vor der Nase hinter seinem mit Plüschfiguren dekorierten Multiinstrumentenpult. Sobald er allerdings eine Regung von sich gab, kreischten die Damen im Publikum, was auch Zinner etwas irritierte: „Ich reiß’ mir hier den Arsch auf, und er muss nur die Hand heben.“

Zinner gab wirklich alles. Gut gelaunt, mit Schalk im Nacken und vollem Körpereinsatz, erzählte er Schwänke aus seiner Jugend und gab Träume preis: „Ich wollte immer Rockstar werden.“ Dafür habe er die Gitarrenzertrümmerung von Pete Townshend von der Rockband The Who im Altarraum der Neuöttinger Kirche imitiert – was ihm allerdings nicht unbedingt zu Ruhm verholfen habe.

Es gibt so einiges, was der Wahlmünchner in seiner Heimatstadt vermisst: gute Taxifahrer, frische Luft, normale Namen für Kinder. „Jetzt heißen sie wieder alle Ludwig, Maximilian und Leopold. Da meinst du, im Hort hat sich die Königsfamilie versammelt.“ Er sehnt sich nach Spieleabenden in der Familie mit Schafkopfen oder Watt’n. Im Biosupermarkt in der Maxvorstadt gebe es Bierflaschen nur einzeln, von einem „anständigen Rüscherl“ mal ganz abgesehen.

Statt mit der sprachgesteuerten Alexa rede Zinner lieber mit seiner Frau, was er in dem Lied „I red net mit a bledn Dosn“ verpackte.

Ganz schwierig sei heutzutage ein „ganz normaler Kaffee“ zu bekommen. Barristas hingegen gebe es in München zuhauf. Dafür hatte Zinner nur Kopfschütteln übrig: „Wenn du in so einen Kurs gehst, kannst du keine Hobbys und Freunde haben.“ Der 44-Jährige lästerte über die dekadenten Großstädter, die sich in hippen Burger-Restaurants tummeln, wo „400 Jahre alte Rinderhälften“ von der Decke taumeln. „Ich will was Frisches!, rief Zinner.

Den Kochshows hatte der Musikkabarettist auch etwas entgegen zu setzen: Er brutzelte einfach einen Leberkäs auf der Bühne, verfeinerte ihn mit einem selbst kreierten Gewürz, „da ist alles drin außer Ingwer“, und verkostete diesen im Publikum als „Livercheese Saigon“.

Als er am Ende mit seiner Söder-Perücke vom Nockherberg auf dem Kopf und Heavy-Metal-Sound an der Gitarre die Umweltpolitik der CSU kritisierte, war er wieder da, sein Jugendtraum vom Rockstar. Zinner ist es geblieben, das Kind im Manne. Aber gerade das ist es, was ihn so sympathisch macht.

ALEXANDRA ANDERKA

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