1. Startseite
  2. Lokales
  3. Erding
  4. Dorfen

„Rollt Austrittswelle auf uns zu“: Große Sorge in katholischer Kirche - Klare Botschaft an Gläubige

Erstellt:

Kommentare

Verfechter der Glaubensgemeinschaft: Wolfgang Lanzinger (r.) und Thorsten Berner. mhe
Verfechter der Glaubensgemeinschaft: Wolfgang Lanzinger (r.) und Thorsten Berner. © Michaele Heske

Die Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Wolfgang Lanzinger und Thorsten Berner blicken mit Sorge auf die Missbrauchsstudie, die das Erzbistum München und Freising veröffentlichen wird.

Dorfen – Am Donnerstag wird ein Gutachten zum sexuellen Missbrauch im Erzbistum München und Freising veröffentlicht. „Da rollt eine Austrittswelle auf uns zu“, befürchten Wolfgang Lanzinger, Pfarrgemeinderatsvorsitzender der katholischen Pfarrgemeinde Maria Dorfen, und sein Oberdorfener Kollege von St. Georg, Thorsten Berner. Trotz Skandalen plädieren die beiden Katholiken dafür, auch weiterhin dem Glauben, der Kirche und der Gemeinde treu zu bleiben.

Nach Gutachten zu sexuellem Missbrauch: Viele Kirchenaustritte in Bayern?

Wieder wird das Thema Missbrauch in der katholischen Kirche aufgegriffen. Und dieses Mal geht es um die Rolle des Münchner Kardinals Reinhard Marx, seines Vorgängers Friedrich Kardinal Wetter und dessen Vorgängers Joseph Ratzinger. Der Papst emeritus war von 1977 bis 1982 Erzbischof von München und Freising.

Es soll geklärt werden, ob die Erzbischöfe sowie ihre Mitarbeiter zwischen 1945 und 2019 sexualisierte Gewalt vertuscht haben und die Täter laufen ließen. Dieses Gutachten werde Auswirkungen haben, da ist sich Wolfgang Lanzinger sicher. Der Pfarrgemeinderatsvorsitzende verweist auf Kardinal Rainer Maria Woelki und die Zahl der Kirchenaustritte in Köln, die in den vergangenen Monaten ein historisches Hoch erreicht hätten. „Die Austrittsplattform ist zusammengebrochen“, erzählt Berner. Auch im Hinblick auf weitere Konflikte, sagt Lanzinger: „Wir brauchen da gar nichts zu beschönigen, die Kirche ist in der Krise, und mich wundert es eigentlich immer, dass nicht noch mehr Katholiken austreten.“

Historisches Hoch bei Kirchenaustritten: „Kirche ist in der Krise“

Lanzinger erzählt vom Missbrauchsskandal, der 1995 die Christen in Dorfen erschüttert hatte. Im Januar kam auf, was Gerüchte schon länger besagten: Der damalige evangelische Pfarrer hatte mehrere Konfirmanden sexuell missbraucht. Es war niederschmetternd für die Gemeinde, denn niemand wollte glauben, dass ein moderner Pfarrer, ein verheirateter, engagierter Seelsorger, sich an Kindern vergreifen würde. Und doch war es so.

Lanzinger wirbt dennoch dafür, der Kirche – egal ob katholisch oder protestantisch – nicht den Rücken zu kehren. In den vergangenen zehn Jahren sei schon Einiges aufgearbeitet worden, meint der stellvertretende Schulleiter des Gymnasiums Dorfen.

Kirchenaustritte: „Müssen uns vor Ort einbringen, hier können wir was bewegen“

Oft werde Berner, der seit zwölf Jahren Pfarrgemeinderatsvorsitzender von St. Georg in Oberdorfen ist, vorgehalten: „In welchem Verein engagierst du dich da eigentlich? Da werden Kinder missbraucht, das Geld rausgehauen, und Frauen haben nichts zu sagen“, erzählt er. Klar seien viele Dinge nicht mehr zeitgemäß: „Doch wir beschäftigen uns nicht tagtäglich mit dem Zölibat.“ Es gehe vor allem um die Communio, die Gemeinschaft.

Auch für Lanzinger ist die Glaubensgemeinschaft der zentrale Punkt des Christentums. Hier würden Menschen agieren: „Und Menschen machen Fehler.“ Er verweist auf die Säulen der Kirche: die Verkündigung des Wort Gottes, die Gemeinschaft der Gläubigen und die Diakonie, die Fürsorge für schwächere Gemeindemitglieder. „Wir müssen uns vor Ort einbringen, denn genau hier können wir auch was bewegen – das ist mein Antrieb.“ MICHAELE HESKE

Noch mehr Nachrichten aus der Region Erding lesen Sie hier. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s auch in unserem regelmäßigen Erding-Newsletter.

Auch interessant

Kommentare