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Letztes zentrales Gedenken: Die Gedenkfeier zum Volkstrauertag findet in dieser Form, hier 2017, nicht mehr statt.

Gedenkveranstaltungen

Kein Volk mehr beim Volkstrauertag

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Und wieder stirbt ein Stück Tradition: In Dorfen gibt es am Vorabend des Volkstrauertags keine zentrale Gedenkfeier mehr.

Dorfen/Taufkirchen – Die Soldaten-, Reservisten- und Veteranenkameradschaft (SRVK) Dorfen kann die Organisation nicht mehr stemmen. Hinzu kommt das mangelde Interesse der Bevölkerung an dem Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt.

Über Jahrzehnte hinweg wurde in Dorfen am Vorabend des Volkstrauertags mit einer würdigen und emotionalen Feier der Opfer von Krieg und Gewalt gedacht. Nach einem Gottesdienst in der Pfarrkirche zog ein Fackelzug zum Unteren Markt. Am dezent beleuchteten Friedensmahnmal an der Marktkirche nahmen Reservisten in Uniform mit Fackeln Aufstellung, um ein Zeichen zu setzen für Frieden und gegen Krieg, Gewalt und Hass. Gedacht wurde auch aller Gefallenen und Vermissten beider Weltkriege sowie der Opfer von Gewalt. Diese Feier ist so Geschichte.

Im Stadtrat teilte Bürgermeister Heinz Grundner mit, dass die SRVK Dorfen die Gedenkfeier nicht mehr organisieren könne. Anstatt der zentralen Gedenkfeier am Vorabend werde es am Volkstrauertag am kommenden Sonntag ein Gedenken nach dem Gottesdienst an der Kriegerkapelle neben der Pfarrkirche geben.

Gisbert Becker: Wir gedenken auf dem Berg, auf dem letztendlich die Gefallenen präsent sind. In der Schulterwundenkapelle sind die Namen aller Gefallenen verzeichnet.

Das ist auch eine Folge davon, dass kaum noch Bürger zu der Feier kommen. „Es ist bedenklich und traurig, dass der Bezug zum Gedenken nicht mehr da ist. Es ist nur noch ein Häuflein Verlorener, die die Tradition aufrechterhalten“, sagte der Stadtchef gestern gegenüber unserer Zeitung. Es gebe „Anlass zur Besorgnis, dass die Leute keinen Anteil mehr nehmen an dem Gedenken, nicht mal mehr die Vertreter des öffentlichen Lebens“.

Grundner hatte bereits in seiner Rede zum Gedenktag im vergangenen Jahr betont, das der Volkstrauertag den Finger in alte Wunden lege, er erinnere an Schrecken und Fehler der Vergangenheit. „Diese Erinnerungen drohen jetzt in der längsten Epoche der Geschichte, in der unser Volk in Frieden und Freiheit leben darf, immer mehr zu verblassen. Der Volkstrauertag ist aber wichtig, damit die Toten nicht schweigen, damit wir ihre Stimmen hören und ihre Mahnungen beherzigen“, hatte Grundner an die Bevölkerung appelliert.

Der Vorsitzende der SRVK Dorfen, Gisbert Becker, begründet die Änderung auch damit, das ältere Leute, „die noch Verbindung zum Volkstrauertag haben“, nicht mehr in der Nacht auf die Straße gehen müssten. Das Requiem und das anschließende Gedenken finde jetzt wieder – wie schon früher – vormittags an der Kirche statt. Dort werde auch eine Ehrenwache an der Schulterwundenkapelle stehen. Fakt sei, dass immer weniger Bürger an dem Gedenken teilnähmen, „nicht mal die Stadträte fühlen sich dazu verpflichtet“. Becker sieht in der Veranstaltung am Ruprechtsberg auch ein Symbol: „Wir gedenken der Opfer jetzt auf dem Berg, auf dem letztendlich die Gefallenen präsent sind. In der Schulterwundenkapelle sind die Namen aller Gefallenen beider Weltkriege aufgezeichnet.“

Auch die Krieger- und Soldatenkameradschaft (KSK) Taufkirchen sieht mit großer Sorge, dass immer weniger Menschen an der Gedenkfeier am Volkstrauertag teilnehmen. „Keiner fühlt sich mehr angesprochen.“ Das Gedenken sei aber keine vereinsinterne Veranstaltung, „wir sind nur die Organisatoren“, sagt KSK-Vorstandsmitglied Josef Hofstätter.

Josef Hofstätter: Jeder ist selber gefordert, ein Zeichen zu setzen. Wir können am Mahnmal ein Zeichen setzen. Die ganze Bevölkerung ist dazu eigentlich moralisch verpflichtet.

Dass der Frieden „das wichtigste Gut der Menschheit“ sei, müsse wohl nicht groß erklärt werden. „Ohne den Frieden ist alles nichts: Familien werden zerrissen, Existenzen zerstört, und Hass tritt an die Stelle von Menschlichkeit. Zwei große Weltkriege lehrten uns dies. Zahlreiche Soldaten aus dem Landkreis Erding sind gefallen, die Gräber jener liegen – für Angehörige unerreichbar – am Rande der Schlachtfelder. Aus diesem Grund, als Mahnung vor dem Krieg und als Erinnerung an die Gefallenen und Vermissten, gibt es die Kriegerdenkmäler.“

Daher werde jedes Jahr am Volkstrauertag auch am Taufkirchener Mahnmal an alle Opfer der Kriege erinnert. Hofstätter: „Alle, ja alle sind deshalb aufgefordert, etwas dagegen zu tun, damit den gewaltsamen Auseinandersetzungen die Grundlage, die Akzeptanz, die moralische Legitimität entzogen wird.“ Viele würden sich fragen, „was kann ich schon tun?“ Keiner solle sagen: „Nichts“. Hofstätter: „Jeder ist selber gefordert, ein Zeichen zu setzen. Wir können am Mahnmal ein Zeichen setzen. Die ganze Bevölkerung ist dazu eingeladen, ja eigentlich moralisch verpflichtet.“

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