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Blühende Gärten ansta tt steriler Pflasterflächen will Umweltreferent Gerald Forstmaier den Bürgern schmackhaft machen.

APPELL VON UMWELTREFERENT FORstmaier

Keine Gärten nach Baumarkt-Schema

Die ersten Frühlingsblumen blühen, vereinzelt schwirren schon Bienen. Doch die Idylle trügt. „Es ist ein dramatisches Artensterben im Gange“, warnt der Dorfener Umweltreferent Gerald Forstmaier. Doch jeder Gartenbesitzer und Landwirt könne mithelfen und gegensteuern.

Von Hermann Weingartner

Dorfen – Die Pflanzsaison beginnt und „es rührt sich wieder was draußen“, schilderte Umweltreferent Gerald Forstmaier (Grüne) zu Beginn seines Vortrages im Jakobmayer-Saal. Doch die Biodiversität (Vielfalt des Lebens) von Fauna und Flora in Gärten und Fluren sieht er massiv gefährdet. Der Landschaftsökologe, Garten- und Landschaftsbauer hat für den Dorfener Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen vor rund 140 Zuhörern zum Thema „Natur-Oase Garten – Strategien für den Artenschutz“ mehr als eine Stunde referiert.

Weltweit sei ein „dramatisches Artensterben“ im Gange, konstatierte der Umweltreferent. „Global sterben täglich drei bis 130 Arten aus“ und so verschwänden bis zu 50 000 Arten pro Jahr für immer. Die Aussterberate liege „um den Faktor 100 bis 1000 über dem natürlichen Wert“. Diese „verheerende, hausgemachte Situation nimmt weiter zu“. Forstmaier zeigte drastisch, was auf der Welt passiert. Er spannte auf der Bühne ein fiktives „Netz der biologischen Vielfalt über die Weltkugel“. Angedeutet mit einer kleinen Papierschere, zeigte er frühere, noch kleine Schnitte durch die Arten verschwanden. Dann verschwindet er kurz von der Bühne und kommt mit einer überdimensionalen, ein Meter langen Schere zurück und „schneidet“ riesige Löcher ins „Netz der biologischen Vielfalt“, sinnbildlich für das Ausmaß der gewaltigen Artenzerstörung heute.

Das wird folgen haben. Alleine bis zu 70 000 Pflanzen werden etwa für medizinische Zwecke benötigt und jedes Jahr neue dafür entdeckt. Pflanzen produzierten unseren überlebenswichtigen Sauerstoff. Die bedrohten Bienen etwa hätten eine zentrale Funktion bei der Bestäubung von rund 30 Prozent unserer Kulturpflanzen. Das ergebe einen Wert bis zu 60 Milliarden Euro. In Deutschland gelten nur rund 51 Prozent der Arten als ungefährdet.

„Die Natur zurückholen“ und damit die „Löcher im Netz der biologischen Vielfalt“ kleiner zu machen sei möglich, ist Forstmaier überzeugt. Alle, ob Gartenbesitzer, Landwirte oder Kommunen, könnte in ihrem Umfeld dazu mit geeigneten kleinen oder größeren Maßnahmen beitragen. Unsere Gärten nach Baumarkt-Schema seien heute oft steril und zugepflastert. Ein „naturfeindlicher Lebensraum der keine Nahrung für Insekten, Vögel und Kleingetier bietet“, stelle Forstmaier fest. Er ermutigte daher „die Natur wieder in die Gärten zu holen“ mit mehr oder weniger naturnahen Elementen, wie Rückzugsräumen, Trockensteinmauern, heimischer Blumenrasen und Sträuchern.

Bauern sollen nicht jeden Meter beackern

Auf den extrem überdüngten, intensiv genützten landwirtschaftlichen Flächen hätten Wildblumen heutzutage keine Chance mehr. Hier ist für Forstmaier vor allem die Politik gefragt, etwa Förderungen in die „richtige Richtung“ zu lenken. Landwirte müssten aber auch nicht jeden Meter umackern, könnten größere Randstreifen am Feld lassen, Hecken anlegen oder für blühende Wiesenteile mit speziellem Saatgut sorgen. Und auch die Kommunen sei gefordert, mehr zu tun. Würden etwa „tote Flächen“ an Straßen entsprechend bepflanzt, führe das zu extensiverer Pflege, spare sogar Steuergeld. Auch Naturerlebnisräume sollten geschaffen werden, damit sich Natur entfalten könne und Kinder sie in echt statt in neuartigen Virtual-Reality-Brillen erleben könnten. Forstmaier appellierte zum Schluss seines Vortrages an Jedermann, etwas gegen das Artensterben zu unternehmen. „Wir müssen aufpassen, dass die Menschen nicht selbst zur bedrohten Art werden“.

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