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Mit freude anpacken heißt die Devise im Johannis-Café für (v l.) Veronika Empl, Simone Empl, Christine Empl, Andi Empl und dem Vorstandsvorsitzenden der Genossenschaft, Seppo Schmid. 

„Kerndl-Café“ ist jetzt eine Genossenschaft

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Für die einen ist es das „Kerndl-Café“, für die anderen das „Kurven-Café“. Jüngere Gäste sagen einfach „Jo“. Das Johanniscafé in Dorfen ist unter vielen Namen bekannt. 30 Jahre wird die alternative Kneipe im kommenden Jahr alt. Seit kurzem wird der Betrieb von einer Genossenschaft geführt.

Dorfen – Das Johannis-Café ist die wohl erste genossenschaftlich geführte Kneipe in Oberbayern. Ein vergleichbares Projekt in Bayeren gibt es nur in Regensburg mit der Musik-Kneipe „Klappe“. Die war für Seppo Schmid auch irgendwie Vorbild für die Johannis-Café-Genossenschaft. Denn mit dem Entschluss von Wirt Peter Willim, aus Altergründen den in Dorfen vor allem bei linksalternativ orientierten Gästen beliebten Treffpunkt aufzugeben, stand plötzlich das Thema Schließung auf der Agenda. Denn niemand wollte das Café alleine weiterführen. Für Schmid und einige weitere Mitarbeiter Willims war klar: Ohne Johanniscafé, das geht’s gar nicht. Und so wurde schnell die Idee eines Genossenchafts-Cafés geboren, in der Menschen zusammenkommen können, um zu ratschen, zu lesen oder einfach nur zu schauen.

Vorstandsvorsitzender ist Schmid, weitere Vorstände Christine und Veronika Empl. Schmid, der auch eingefleischter SPD-Anhänger ist, mag den Genossenschaftsgedanken überhaupt sehr. Er ist auch der Initiator der Dorfener Wohnungsbaugenossenschaft in Gründung.

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24 Genossen sind es bislang, darunter sind alle derzeitigen 13 Mitarbeiter, der Rest sind ehemalige Mitarbeiter. Auch der frühere Wirt Willim ist dabei. Der Pflichtanteil für ein Genossenschaftsanteil liegt bei 250 Euro, es gibt aber auch Genossen, die wesentlich mehr als nur einen Anteil gezeichnet haben. Die Mitarbeiter der Genossenschaft sind auf geringfügiger Beschäftigung angestellt. „Für viele von uns, darunter auch zahlreiche Studenten, ist das ein Zubrot“, erläutert Schmid. Was mit dem erwirtschafteten Jahresgewinn gemacht wird, ob eine Dividende ausgeschüttet wird, das entscheidet die jährliche Generalversammlung. Die Johannis-Café eG ist Mitglied im Genossenschaftsverband und wird von diesem auch regelmäßig geprüft.

Die Marschrichtung für die Kneipe ist klar: „Für uns ist wichtig, im Sinne vom Peter weiterzumachen“, sagt dazu Vorstandsmitglied Veronika Empl. Schon unter Willim sei nämlich der Teamgedanke gelebt worden. Auch von der Ausrichtung her soll sich nichts ändern. Man steht zur alternativen Kneipe, aber schon immer kommen auch andere Gäste – und die sind ebenso willkommen. Wie überhaupt das „Jo“ immer generationsübergreifende Gäste hatte. Hier trinken Jugendlichen ihren ersten Spezi, aber auch Senioren ihren gemütlichen Nachmittagskaffee. Das Café ist bei Besuchern beliebt, wie Bewertungen im Internet zeigen. „Gemütliche und weltoffene Atmosphäre mit sehr netten Leuten“, heißt es da, oder „Gemütlich, weil so was findet man kaum mehr“ und „Chillige Kneipe mit guter Atmosphäre. Das Lokal hat mittlerweile einen Kultstatus in Dorfen. Das Ambiente sucht seines Gleichen in der Gegend.“

Ob einmal auch Gäste Genossen werden können, das steht noch in den Sternen. Fest steht: Genossen sein sollen nur solche Leute, die zum Johannis-Café auch eine emotionale Bindung haben, vor allem also solche, die dort mitarbeiten und die die Ausrichtung der Kneipe für gut finden. Und die heißt Mitbestimmung, Mitverantwortung, Gleichberechtigung und Teamgeist. Und das alles in einer nichthierarchischen Struktur.

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Die Einrichtung und das Ambiente bleibt so liebenswert und herzlich, wie sie sind: gemütliche Sofas mit großem Wohlfühlfaktor, 50er-Jahre-Kinobestuhlung im Nebenzimmer, und im Außenbereich ein Platz mit „Panoramablick“ auf die berüchtigte Kurve am Johannisplatz. Angeboten werden im Johannis-Café weiterhin vorwiegend Speisen, die aus Lebensmitteln von Produzenten aus der Umgebung und möglichst aus biologischen Anbau stammen. „’s Kerndl-Café bleibt ’s Kerndl-Café“, sagt dazu Veronika Empl lachend. Die Biere stammen von lokalen Brauereien. Wie bisher wird auch regelmäßig ein Mal im Monat ein Sonntagsbrunch angeboten. Ausgebaut werden soll das Angebot an Kleinkunstveranstaltungen, etwa Konzerte. An diesem Samstag wird zur Umwandlung des Cafés in eine Genossenschaft ein Fest gefeiert. „Café reloaded“ heißt es ab 17 Uhr. Livemusik gibt es von „Drunken Dentists“ und „Lu“, zu späterer Stunde legt DJ Kone auf. Und für die Gäste wird auch Freibier ausgeschenkt.

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