Haben das Projekt gegen den Corona-Blues ins Leben gerufen (v. l.): Schulpsychologin Beate Karbaumer, Jana Schüler, Schulsozialarbeiterin Alexandra Vogler, Schulleiter Markus Höß, die beiden Schülersprecher Hannah Linsmayer und Hannes Reitinger, Veronika Schatz, Tobias Meindl, Julia Karbaumer, Elias Büchler, Amelie Berg, Michael Lechner, Simon Drechsler und Schülersprecherin Sophie Kern. In der vorderen Reihe werden die Collagen mit den Fotos von den Challenges in der ersten Woche gezeigt.
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Haben das Projekt gegen den Corona-Blues ins Leben gerufen (v. l.): Schulpsychologin Beate Karbaumer, Jana Schüler, Schulsozialarbeiterin Alexandra Vogler, Schulleiter Markus Höß, die beiden Schülersprecher Hannah Linsmayer und Hannes Reitinger, Veronika Schatz, Tobias Meindl, Julia Karbaumer, Elias Büchler, Amelie Berg, Michael Lechner, Simon Drechsler und Schülersprecherin Sophie Kern. In der vorderen Reihe werden die Collagen mit den Fotos von den Challenges in der ersten Woche gezeigt.

Aktion

Kochen gegen den Corona-Blues

  • vonAlexandra Anderka
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Dorfen – „Gehe spazieren und höre dabei eine neue Playlist“ oder „Schreibe einen Brief an einen Verwandten“ – das sind nur zwei der vielfältigen Aufgaben, die sich 16 Schülerinnen und Schüler – die meisten aus der Q11 – die vergangenen Tage überlegt haben, um ihre Mitschüler etwas aus der Reserve zu locken, zu fordern und auf andere Gedanken zu bringen.

Anlass für die Aktion gegen den Corona-Blues, die die Schulpsychologin Beate Karbaumer zusammen mit der Schulsozialarbeiterin Alexandra Vogler leitet, war eine Befragung unter Schülern und Eltern. „Im Dezember war noch alles in Ordnung, aber die Rückmeldungen bei der Umfrage im Februar haben gezeigt, dass offenbar viele Schülerinnen und Schüler zunehmend unter dem Lockdown leiden, insbesondere unter den Einschränkungen der Sozialkontakte“, sagt Karbaumer. Mittlerweile fänden viele das wochenlange Home-schooling am Bildschirm eintönig. „Sie müssen da was machen“, habe Wolfgang Lanzinger aus der Schulleitung zu ihr gesagt. Karbaumer habe dann die SMV zusammengetrommelt und nach einem Brainstorming und mehreren Videokonferenzen das Projekt entwickelt.

Ziel sei, Ablenkung und Abwechslung zu schaffen, der Frustration entgegenzuwirken und die Schulgemeinschaft zu stärken. Zuerst seien „Tipps für den Tag“ im Raum gestanden, aus denen dann schnell „Challenges für den Tag“ wurden – untergliedert in drei Zielgruppen: Fünfte und sechste Klassen, siebte und achte sowie neunte bis elfte. Über einen Code, den die Klassleiter verteilen, haben die Teilnehmer Zugriff auf die Aufgabenstellungen.

Besonders freut sich die Schulpsychologin über die rege Beteiligung etlicher Schülerinnen und Schüler aus der Q11. Doch für die war das keine große Überwindung: „Wir sind auch froh über die Abwechslung und aus dem Trott rauszukommen, wieder Kontakt mit Mitschülern zu haben und den Kleinen zuzusehen, welche Freude sie an den Aufgaben haben“, sagt Tobias Meindl. Er kreierte im Team Herausforderungen für die fünften und sechsten Klassen. Die Motivation sei in der Unterstufe mit 60 Teilnehmern „richtig hoch“.

Im besten Falle lassen sich die Schülerinnen und Schüler bei ihren Challenges fotografieren und schicken das Bild an die Betreuer. Diese basteln daraus eine Collage, auf die über MS Teams alle berechtigten Teilnehmer Zugriff haben. So sehen sie, was ihren Mitschülern zu dem Thema eingefallen ist, bekommen Inspirationen oder im Falle einer Challenge Bücher-Tipps. Den da sollten die Fünft- und Sechstklässler in ihrem Lieblingsbuch lesen und ein Foto schicken. Die Collage zeigt, dass noch immer Harry Potter hoch im Kurs steht.

„Frau Karbaumer, haben Sie mich auf der Bücher-Collage gesehen?“, habe eine Schülerin der sechsten Klasse freudig gefragt. Die Schulpsychologin, die auch als Mathelehrerin und Unterstufenbetreuerin fungiert, legt Wert auf das Miteinander: „Die Schüler sollen wieder etwas voneinander erfahren, voneinander lesen und etwas gemeinsam machen.“ „Die Collage ist sozusagen die Versinnbildlichung des Geimeinsamen“, ergänzt Vogler.

Die Teilnehmer erfahren aber auch etwas von den Ideengebern. So erzählen diese jeden Tag etwas von sich, wie sie auf die Aufgaben gekommen sind und geben auch Anregungen.

Nicht alle Herausforderungen waren ein Erfolg. So sollten die Siebt- und Achtklässler am Dienstag rausgehen und Blumen pflücken. „Da ist zur Zeit leider noch nicht viel geboten“, gesteht Julia Karbaumer, „da waren wir ein bisschen zu optimistisch.“

Gut angenommen wurde dafür der Auftrag, ein altes Sportgerät zu suchen und es wieder einzusetzen, auch Kuchenbacken kam gut an. Insgesamt ist die Beteiligung bei den Siebt- und Achtklässlern am geringsten. Was aber laut Vogler zu erwarten war: „Diese Jahrgänge sind am schwersten zu motivieren.“

Die Älteren hingegen seien wieder gerne dabei und hätten schon „fünf Sachen ausgemistet“, ihr „Lieblingsgericht gekocht“ oder die „Handy-Galerie entstaubt“ – so lauteten da die Aufträge.

Schuleiter Markus Höß lobt die Initiative der Schüler und das „tolle Projekt“: „Das ist erneut ein Ausdruck unseres guten Miteinanders. Es gibt zumindest atmosphärisch das Gefühl, dass wir aus diesem Loch wieder gut rauskommen.“ Ab kommender Woche wird mehr Leben in der Schule sein, dennoch ist Höß in seinen Prognosen verhalten: „Es ist ja alles noch unsicher, wie es weitergeht.“ Da komme solch ein Projekt genau zur richtigen Zeit.

Vogler und Karbaumer haben mit den verantwortlichen Schülern vereinbart, die Aktion zwei Wochen laufen zu lassen. „Dann werden wir entscheiden, ob wir verlängern“, so die Schulpsychologin.

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