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Konzert im Jakobmayer

Ein musikalisches Weihnachtswunder

Rudi Zapf und Freunde zelebrierten ein Weihnachtskonzert der außergewöhnlichen Art im Jakobmayer. Wer an heimelige Adventsmusik dachte, erlebte ein musikalisches Weihnachtswunder.

Von Fabian Holzner

Dorfen – Rudi Zapf spielt nicht einfach nur Musik, er lebt sie. Auf drei Instrumenten und mit Verstärkung von drei Freunden gab er am Wochenende im Jakobmayersaal ein Konzert, bei dem es die zahlreichen Zuhörer kaum auf den Stühlen hielt.

Mit musikalischen Anleihen, die er sich quer über den Globus holt, aber stets mit der gleichen Hingabe und Intensität raste er mit zehn Anschlägen in der Sekunde über sein Pedalhackbrett mit Dämpfmechanismus. Er beherrschte in gleicher Virtuosität sein Knopfakkordeon und das Vibrandoneon, eine Kreuzung aus Tasten- und Blasinstrument. Dennoch ohne jeden Dünkel moderierte er die Stücke in fast kabarettistischer Manier an und sorgte auch spontan für Lacher, als er einen störenden Handyklingelton auf dem Vibrandoneon nachspielte. Den Anfang, witzig und raffiniert, nämlich dreimal hintereinander, machte er mit einem Menuett von Johann Krieger. Zunächst brach er in mehrere irische Tänze aus, dann fügte er diesen eine buddhistische Meditation an, die auf dem alpenländischen Stubeninstrument erstaunlich authentisch wirkte. Ingrid Westermeier, die Zapf seit 35 Jahren auf der Gitarre begleitet, unterstützte ihn dabei mit meditativen Akkordzerlegungen.

Auch mit den folgenden Stücken boten die vier Profimusiker alles andere als ein beschauliches Weihnachtskonzert. Im Sieben-achtel- Takt ging es nach Serbien, wobei der Balkan-Sound vor allem den ungewohnten Tonleitern, die Sunny Howard auf der Violine spielte, entsprang. Danach blieben Zapf und Freunde im Osten, eine jiddische Klezmer-Polka folgte, die immer mehr an Fahrt aufnahm.

Dazwischen gab Zapf eine kurze Lerneinheit zur besonderen Stimmung seines Hackbretts. Auf der Knopfharmonika folgte der „Russische Jahrmarkt“, ein Stück, das er von einem russischen Kollegen, der „Wodka aus Weißbiergläsern trinkt“, gelernt hat. Fast experimentell war dann eine kasachische „Stubnmusi“, die konsequenterweise „Jurte-Musi“ genannt werden müsste. Zapf dehnte die Hackbrettsaiten um Halbtöne, Bassist Ludwig Klöckner spielte unterhalb des Stegs seines Instruments. Doch auch klassische, mitteleuropäische Musik gaben Zapf und Freunde zum Besten. Unverzichtbar war Ludwig Klöckner, als er bei einem Auszug aus Vivaldis Oper „Il Giustino“ das Cello ersetzte. Nach einem Flamenco-Stück, bei dem Zapf die Kastagnetten durch Schläge auf den Stegen und dem Korpus imitierte, ging es als Zugabe in die westliche Hemisphäre. Mit dem brasilianischen Lied „Os Pintinhos no terreiro“ („Die Küken sind nicht im Hof“) fand das mitreißende Konzert sein Ende, von dem vielen das Bild eines wie besessen auf sein Instrument einschlagenden Rudi Zapf noch langen im Gedächtnis bleiben wird.

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