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Ein Freund klarer Worte: Kreishandwerksmeister Rudolf Waxenberger (r.) sind die nach unten geschraubten Einstiegshürden für weiterführende Schulen ein Dorn im Auge. Auch sie würden zum Fachkräftemangel beitragen.

Kreishandwerkerschaft 

Kreishandwerksmeister Waxenberger kritisiert Akademisierungswahn

Eine verbale Watschn erteilte Kreishandwerksmeister Rudolf Waxenberger dem Schul- und Hochschulsystem – vor allem der steten Niveaukorrektur nach unten. Auch in seiner Kritik: der Akademisierungswahn.

LandersdorfZur Jahreshauptversammlung der Kreishandwerkerschaft Erding trafen sich Ehrenobermeister, Obermeister und Vertreter der Gewerke Friseur, Bäcker, Metzger, Zimmerer und Schreiner im Gasthaus Huber in Landersdorf. Dort fand Kreishandkwerksmeister Rudolf Waxenberger deutliche Worte. Er sagte, die immer weiter nach unten geschraubten Einstiegshürden vor allem für das Gymnasium und die Fach- sowie Berufsoberschulen, aber auch für Hochschulen seien auch ein Grund für den Fachkräftemangel.

Mit der Bezeichnung „Akademisierungswahn“ zitierte er den Philosophieprofessor und ehemaligen Kulturstaatsminister Nida-Rümelin. Auch dieser habe erkannt, dass die Forcierung akademischer Ausbildungen Gesellschaft und Handwerk schade. Während dieser aber das Problem als abflauend einschätzt, sieht Waxenberger angesichts noch immer überbordender Schüler- und Studentenzahlen eine gleich bleibende Aktualität der Verhältnisse.

Als Beispiel nannte er die neu geschaffene Einstiegsklasse an der Fachoberschule. Dort können sich Schüler, die den erforderlichen Notendurchschnitt von 3,3 nicht geschafft haben, dennoch für die FOS qualifizieren. „Dabei kann es nicht darum gehen, dass man jungen Leuten eine Chance gibt, denn dies wäre eine vernünftige Ausbildung“, kritisierte Waxenberger diese Neuerung. „Wer sich schon bei der Zulassung quälen muss, wird es auch die folgenden zwei Jahre nicht einfach haben.“ „Ich habe es tagtäglich mit Akademikern, also Architekten und Ingenieuren, zu tun und den Eindruck, als nehme auch hier die Qualität stetig ab“, berichtete Maurermeister Waxenberger.

„Wenn alle studieren und am Ende keiner mehr mit den Händen arbeiten möchte, wird es bald problematisch“, sagte Thomas Schreder. Er ist CSU-Kreistagskollege von Waxenberger und Listenkandidat für die Landtagswahl. „Wir müssen durch Politik ein Anreizsystem schaffen“, meinte Schreder, der auch Vorsitzender des Kreisjagdverbands ist. Dazu sagte er: „Die Jagd ist ein uraltes Handwerk und ein anerkannter Ausbildungsberuf, in dem es einen Meisterbrief gibt.“

Zur Entwicklung des Handwerks im Landkreis berichtete Waxenberger, dass zwar die Anzahl der angemeldeten Gewerbe stetig steige, dies aber keine Erhöhung der Zahl der Beschäftigten mit sich bringe, sondern sogar eine Verringerung. Das Wachstum finde auch nicht in den Betrieben mit Meisterpflicht statt, sondern „zulassungsfreie“ und „handwerksähnliche“ Betriebe würden gehäuft eingetragen.

Im Moment gibt es über 2500 Betriebe im Landkreis. Um um dringend benötigte Lehrlinge zu werben, hat sich der Ausbildungstag an der Berufsschule Erding bewährt. Immer ein Jahr nach dieser alle zwei Jahre stattfindenden Informationsveranstaltung steige die Zahl der neuen Azubis relevant, erklärte Waxenberger, nehme danach aber wieder ab. Am 19. Oktober können sich heuer wieder Schüler und Schulabgänger über die Handwerksberufe informieren.

Fabian Holzner

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