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Garantiert alles handgemacht: Wolfgang Tremmel daheim in seiner Werkstatt.

Wolfgang Tremmel aus Unterhausmehring

Kripperlbauer mit Leib und Seele

Weihnachtskrippen faszinieren seit Jahrhunderten die Menschen. Heute werden sie fast nur noch als Massenware maschinell produziert. Wolfgang Tremmel (68) aus Dorfen aber ist ein Kripperlbauer aus Leidenschaft. Jedes seiner Werke ist ein Unikat, alles ist handgemacht.

Dorfen – Wolfgang Tremmel steht daheim in seiner Werkstatt, in der Hand ein Stück Holz. „Das Kripperlbauen stirbt aus“, sagt der Unterhausmehringer nachdenklich. Die meisten würden heute nur auf den Profit schauen. Und handgemachte Krippen wären auch zu teuer. „Für mich ist und bleibt das Kripperlbauen ein reines Hobby“. Keine seiner über 60 Krippen, die er bisher gebaut hat, ist wie die andere. Und alles ist geleimt. Kein Nagel und keine Schraube hält die Teile zusammen.

Bis zur Rente war Tremmel Gasmeister bei ESB-Südbayern. Er sei schon immer Hobby-Heimwerker gewesen, erzählt er in seiner Werkstatt, während er nebenbei gemütlich am Dach einer Krippe schnitzt. „Das hat mir schon immer gefallen.“ Bis zum Alter von etwa 40 Jahren habe der 68-Jährige alles aus Eisen gemacht, etwa Grills gebaut. Weil er aber im Keller seines Hauses werkelte, war Schweißen oder Flexen dort nicht ideal. „Da hob i mit Holz ogfangt.“ Der feine Staub im Haus begeisterte seine Frau nicht gerade, und so ist er mit seinen Werkzeugen vor zehn Jahren in die Garage gezogen, die jetzt als Holzwerkstatt dient. Dort entstehen die Kripperl, aber auch prächtige Voglhäusl.

Begonnen hatte alles vor 22 Jahren, erinnert sich der Hobby-Bastler. „I wollt unbedingt a bairischs Bauernkripperl, weil i hob nur a Holzkistl g’habt.“ Er habe sich umgeschaut im Fachhandel und sei sogar ins Grödnertal gefahren. Damals habe es schon noch handgeschnitzte Kripperl gegeben, aber die kosteten stolze 900 Mark. „Dann hab ich’s selber probiert.“

Mit der Zeit habe überall die professionelle Krippenproduktion immer mehr Fuß gefasst. Heute würden die Teile mit Digitalfräsen gefertigt. Als er vergangenes Jahr wieder ins Kripperl-Mekka Grödnertal gefahren war, habe er feststellen müssen: Handgeschnitzt waren die Figuren auch dort nicht mehr. „Das könnte sich kein Mensch mehr leisten heute“, sei ihm gesagt worden. Und die Krippen-Ställe waren dort „in meinen Augen auch greislich, fürchterlich“. Da werde an den Produkten „eine Stunde hingekratzt“, so dass es nach Tiroler Schnitzerei aussehe. Sonst könnte man die Teile ja nicht für 300 Euro verkaufen. Auf Tremmel war auch schon ein Vertreter eines großen Krippen- und Weihnachtsschmuck-Geschäfts aufmerksam geworden, als er vom Hobby des Dorfeners erfahren hatte. Der Mann habe ihn besucht und gefragt, ob er nicht für ihn Kripperl bauen könnte. Tremmels Antwort: „I bin koa Fabrik.“

Jedes Jahr im Herbst packt Tremmel die Lust aufs Neue. In Ruhe und Gemütlichkeit werden dann Holz und alle Zutaten für die Krippe vorbereitet. Aus neuen Brettern was Altes machen ist das Ziel. Kein Brettl hat eine Kante und wird mit Beize bearbeitet oder geflammt. Und auch jede der rund 180 Holzschindeln fürs Dach wird handgeschnitzt: „Des gfoid ma, des taugt ma.“

Neue Inspirationen holt er sich beim alljährlichen Südtirol-Ausflug. „Do steig i dann nauf, bis koan Strom mehr gibt und schau de Bauernhäuser o.“ Ein bisschen Fantasie, und fertig sind im Kopf neue Vorlagen. Für jedes seiner Kunstwerke brauche er bestimmt 20 Stunden. Am Ende verlangt Tremmel rund 120 Euro für ein Kripperl, der Wert der Arbeit ist damit natürlich nicht annähernd bezahlt. „Es is ja mei Hobby.“

An seinem Verkaufsstand beim Heuschneider hat Tremmel beobachtet, dass sich die jungen Leute für Kripperl überhaupt nicht interessieren. „Die brauchen Handys.“ Seine Kundschaft sei im Alter von 40 Jahren aufwärts, die etwa eine Krippe für die Oma brauchen. Einmal habe er für einem Bekannten ein Kripperl gebaut – und am 1. Weihnachtstag wieder zurückbekommen: „Die Jungen wollten’s nicht.“ Tremmel ist das „wurscht, denn mir macht’s immer wieder Spaß“. Mehrere Kripperl fertigt er in reiner Handarbeit pro Jahr. Und wenn eins mal übrig bleibt, ist das auch nicht schlimm: „Dann kimmt’s hoid in Kripperl-Stall im Keller.“

Krippen im Internet:

Mit nur einem Mausklick können sich Interessierte einen Überblick über Weihnachtskrippen in der gesamten Erzdiözese München und Freising verschaffen. Auf der Internetseite www.erzbistum-muenchen.de/krippen bietet die Erzdiözese eine Online-Landkarte mit den Standorten der Kripperl, Fotos und Öffnungszeiten an. Es sind viele schöne, prächtige und wertvolle Weihnachtskrippen aufgelistet. Zahlreiche Bilder und Informationstexte werden zu mehr als 180 Krippen hinterlegt, darunter aus Erding, Dorfen, Isen und Wartenberg. Zu den schönsten und ältesten Krippendarstellungen gehört die Barockkrippe in der Pfarrkirche Maria Dorfen.

Hermann Weingartner

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