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Leidenschaftliche Pyrotechniker: das Team der Feuerwerkstatt mit (v. l.) Matthias, Christoph und Bernhard Greimel sowie den Helfern Simon Wagenstetter und Michael Herbst.

Familie Greimel und ihr Hobby

Die Kummerecker Feuerwerker

Ein ausgefallenes „Hobby“ betreiben die Greimels aus Kummereck bei Grüntegernbach. Vater Bernhard und Sohn Matthias Greimel sind geprüfte und begeisterte Großfeuerwerker. Erstmals zeigen sie ihre Pyro-Kunst, am nächtlichen Himmel bunte Choreografien zu „malen“, heute beim Taufkirchener Volksfest.

Von Hermann Weingartner

Taufkirchen/Dorfen – Die „Feuerwerkstatt“, so nennen die Greimels ihre Firma. Beim Taufkirchener Volksfest zünden sie heute Abend gegen 22.30 Uhr ein vom Sohn selbst kreiertes Exklusiv-Höhen-Feuerwerk mit Musik. Einige Wochen später zeigen die Feuerwerker aus Kummereck dann die vom Vater gestaltete Pyro-Kunst im ersten Heimspiel beim Dorfener Volksfest (16. August).

„Kann man vom Feuerwerken alleine leben?“, fragte die Heimatzeitung beim Besuch in Kummereck. „Nein, aber es ist ein tolles Hobby, das sich selbst trägt“, erklären die Greimels begeistert. Der Reporter vor Ort ist beeindruckt, denn die Feuerwerker haben ihr ganzes Equipment aufgebaut. Mehrere große und kleine, längere und kürzere Rohr-Batterien stehen im Hof, die wie Raketenwerfer ausschauen. Daraus werden die Feuerwerkskugeln abgefeuert. Auf einem Tisch liegen zahlreiche Gerätschaften der computergesteuerten Zündtechnik und darunter eine große Holzkiste mit den Feuerwerksböllern, einige davon groß wie Fußbälle. Irgendwie schaut es aus, als wenn James Bond einen Spezialeinsatz vorbereitet.

„Raketen gibt es keine mehr“, erklären die Greimels, „nur noch Kugel- und Zylinderbomben“, die vorwiegend aus China kommen. Feuerwerksbomben ließen sich genauer steuern. Beim Umgang und der Lagerung seien natürlich Vorschriften und Auflagen streng zu beachten. Eine Acht-Zoll-Kugel beinhalte rund 2,5 Kilogramm Schwarzpulver, da könnte man ein Auto in die Luft sprengen. Spezielle Glasfaserrohre dienen zum Abschuss, weil das Material im Berstfall nicht splittert. „Da machen auch wir mal Berstversuche.“ Bei dem explosiven Material sei immer „höchste Vorsicht“ geboten, denn es könnte ja eine Fehlzündung geben.

Die Neugier hat die Greimels zu ihrem „Hobby“ gebracht, erzählt der Senior-Chef, denn „jeder Bursch mag doch a Feuerwerk“. Es sei „immer schon schön gewesen zum Zuschauen“. Dann habe er mal einen Workshop gemacht. Weil ihm das so gut gefallen habe, haben schließlich Vater und Sohn eine Ausbildung zum Großfeuerwerker gemacht, die das Gewerbeaufsichtsamt München abnimmt. Bis zur Prüfung musste man bei 26 Großfeuerwerken mitmachen, dann die Prüfung praktisch und theoretisch absolvieren. Seit vier Jahren sind sie jetzt Feuerwerker, die letzte Prüfung wurde 2016 erfolgreich abgelegt. Nun sind die Greimels Pyrotechniker für Großfeuerwerk und auch Ausbilder. Zudem dürfen sie fremde Leute nach Unterweisung und Aufsicht mitnehmen. So könne „jeder mal selber choreografieren und a moi a g’scheits Feuerwerk abbrennen“.

Beim Erklären wird klar: Die Greimels haben eine wahre Leidenschaft fürs Feuerwerk entwickelt und dazu einen „hohen Anspruch“. Es gehe „nicht darum, laut und krachert zu sein, sondern darum, schöne Bilder in den Nachthimmel zu zaubern“. Die Feuerbilder, da müssen Höhe und Farben zusammenpassen, und der Takt der Schüsse ist eine Melodie. „Das muss man zeitmäßig hinbringen, bei verschiedenen Zündzeiten, Steigzeiten, verschiedenen Effektzeiten, das ist nicht einfach.“

Die Greimels schießen ganze Bilder etwa mit Palmen oder Blumen in den Himmel. Beim Taufkirchener Volksfest wird der Song „Eye of the Tiger“ beim Feuerwerk zu hören sein – und dann in Dorfen „Zarathustra“. „Des is richtig schee zum Schiaßn“, freut sich Senior Greimel schon. Jeweils rund 350 Schüsse sind dafür nötig, unterteilt in Gruppen, wie die Instrumente beim Orchester. Das Feuerwerkspektakel dauert knapp zehn Minuten. In so einem Feuerwerk stecke viel Arbeit und Zeit, beschreiben die Greimels. Alleine beim Aufbau sei man zu siebt einen ganzen Tag beschäftigt. Dazu kommt noch die aufwändige Vorbereitung. Da werde erst eine passende, immer neue Choreografie am Computer kreiert und dann die Abfolge genau geplant. Das Abbrennen der einzelnen Feuerwerkskörper erfolge heute nur noch über Zündboxen, die per Funk über eine programmierte Zentralsteuerung ausgelöst werden. Wenn es dann ein großes „Aaah“ und „Oooh“ gibt, dann freuen sich die Feuerwerker aus Kummereck.

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