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Da war die Zuversicht noch groß: Bürgermeister Heinz Grundner erläuterte Mitte Juli der Fachjury der Landesgartenschau GmbH das Dorfener Konzept.

Bewerbung war nicht erfolgreich

Landesgartenschau: Dorfen fällt durch

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Große Enttäuschung in Dorfen: Die Stadt ist mit ihrer Bewerbung für die Ausrichtung der Landesgartenschau in den Jahren 2024 bis 2026 durchgefallen. Den Zuschlag haben Kirchheim, Furth im Wald und Schweinfurt erhalten.

Dorfen - Die Gewinnerstädte für die Bayerischen Landesgartenschauen 2024 bis 2026 stehen fest: Kirchheim bei München (2024, Oberbayern), Furth im Wald (2025, Oberpfalz) und Schweinfurt (2026, Unterfranken). Lange Zeit war man im Dorfener Rathaus zuversichtlich, mit der Bewerbung für die Ausrichtung einer Landesgartenschau gute Chancen zu haben. Nach dem Besuch des Fachbeirates der Bayerischen Landesgartenschau GmbH Mitte Juli ist diese positive Stimmung getrübt worden (die Heimatzeitung berichtete exklusiv). Regierungsdirektor Wolfram Güthler hat nicht nur Millionenlöcher im Finanzierungskonzept der Stadt bemängelt, auch der Wunschtermin der Stadt für die Ausrichtung der Landesgartenschau 2026 wurde als eher hinderlich gesehen. Denn für dieses Jahr haben sich mehrere Städte beworben – etwa Schweinfurt, dass jetzt für dieses Jahr auch den Zuschlag bekommen hat. 

Schlussendlich gab es noch ein weiteres Problem: Eigentlich ist Dorfen zu perfekt für eine Landesgartenschau. Denn das Ziel einer solchen Veranstaltung ist, die Lebensqualität und das ökologische Klima in den Städten zu verbessern. Deshalb werden Gartenschauen meist nicht in besonders schönen Landschaften platziert, sondern eher in Gegenden, die eine besondere Benachteiligung aufweisen. Und davon ist Dorfen ja weit entfernt.

Grundner: Dorfen weiterentwickeln

 „Wir gratulieren den Gewinnern“, sagte Bürgermeister Heinz Grundner gestern in einer ersten Stellungnahme. „Natürlich bedauern wir, dass Dorfen den Zuschlag nicht erhalten hat. Es gibt viele Gründe, die für Dorfen gesprochen haben. In erster Linie das Konzept, das auf natur-, garten- und landschaftsprägenden Elementen aufbaut, die zu einer ökologischen Aufwertung führen. Auch wenn unser Konzept nicht für den Zuschlag der Landesgartenschau gereicht hat, bietet es eine hervorragende Grundlage Dorfen anhand dieser Pläne städtebaulich weiterzuentwickeln.“ 

SPD-Fraktionssprecherin Michaela Meister bedauert das Scheitern: „Schade, Stadtplanerin Martina Schneider hat mit der Bewerbung tolle Arbeit geleistet.“ Aber das Aus für Dorfen habe auch etwas Gutes. „Bei manchen Dinge ist jetzt der Druck raus, das ist nicht unbedingt schlecht.“ So könnten etwa die Grundstücksverhandlungen für die geplante Verlagerung der Sportstätten nach Rutzmoos mit mehr Sorgfalt geführt werden. 

„Die Stadt kann jetzt befreiter auftreten“ 

Für Meister steht fest: „Die Stadt kann jetzt befreiter auftreten.“ Viele im Bewerbungskonzept für die Landesgartenschau enthaltene positive Sachen wie etwa der Badeweiher könnten trotzdem realisiert werden. „Das muss ja alles nicht unbedingt innerhalb der nächsten fünf Jahren auf einmal gemacht werden. Aber es sollte Zug um Zug umgesetzt werden.“ Dorfen werde dadurch als Wohnort attraktiver. „Wir wollen ja keine Schlafstadt sein“, so Meister. ÜWG-Fraktionssprecher Josef Jung findet es „sehr schade für unsere tolle Bewerbung. Die negative Ausstrahlung mancher aktiv Beteiligter könnte die Entscheidung beeinflusst haben“, so Jung. Er habe auch bedenken, dass ohne Landesgartenschau in Dorfen „die notwendigen Überlegungen und Planungen, etwa die Absiedlung der Sportflächen, nach hinten geschoben werden. Für die Geschäftswelt wäre die Landesgartenschau auch ein Gewinn gewesen.“ 

Zu wenig Grün wäre geschaffen worden

Die Geschäftsführerin der Landesgartenschau GmbH, Dagmar Voß, sieht die Ursache für das Scheitern Dorfens vor allem in einem Punkt: „Insgesamt wäre in Dorfen relativ wenig neues Grün geschaffen worden.“ Hinzu käme, dass nach dem Ende der Landesgartenschau die dauerhaft verbleibenden Grünflächen relativ klein gewesen wären. Positiv für Dorfen sei aber, dass durch die Bewerbung „geschaut wurde, wo sind Defizite, was kann man verbessern“. Voß glaubt auch, dass der Zeitdruck für die Stadt „einfach zu groß gewesen“ sei. Möglicherweise wäre sonst das Konzept noch mehr ausgearbeitet worden. Hinzu sei die Festlegung auf 2026 gekommen „und das Pech, dass starke Konkurrenten mit dabei waren“. Dorfen könne sich aber jederzeit erneut für eine Landesgartenschau bewerben. Tirschenreuth habe drei Anläufe unternommen, bis die Stadt den Zuschlag bekommen habe,. Womit punkteten die Mitbewerber? Zwischen den zwei Ortsteilen Kirchheim und Heimstetten wird eine „Grüne Mitte“ mit vielen Aufenthalts- und Spielbereichen im Freien entstehen. In Furth im Wald soll eine ökologische und städtebauliche Sanierung entlang von zwei Bachauen stattfinden, die altstadtnah die Lebensqualität wesentlich erhöht. In Schweinfurt wird eine militärische Konversionsfläche zu einem zehn Hektar großen Park als grüne Oase und Kommunikationsort umgestaltet.

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