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Lichten sich die Reihen bald? Die Brauereien – hier eine Abfüllst raße des Erdinger Weißbräu – machen zwar im Handel noch recht gute Umsätze. Doch die ausfallende Biergarten-Saison und die allesamt abgesagten Volksfeste machen nach Hotellerie und Gastronomie nun auch den Brauereien schwer zu schaffen.

Keine Volksfeste, keine Veranstaltungen, geschlossene Lokale

Absatz bricht ein: Kleine Brauereien fürchten um ihre Existenz

  • Henry Dinger
    vonHenry Dinger
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Bars und Restaurants geschlossen, Veranstaltungen und Volksfeste abgesagt: Vor allem für kleine Bierbrauer im Landkreis Erding wird die Corona-Krise existenzbedrohend.

Erding – Das traumhafte Biergartenwetter, das über Ostern zu den schattigen Plätzen unter Bäumen locken sollte, hatte Petrus völlig vergeudet bereitgestellt – die Zapfhähne müssen bis auf Weiteres trocken bleiben. Für die kleinen Brauereien im Landkreis Erding ist das eine wirtschaftliche Katastrophe. „Wir machen zur Zeit 95 Prozent weniger Umsatz“, schätzt Albert Hörmann, einer der Geschäftsführer der Brauerei „Josef Bachmayers’s Nachfolger“ in Dorfen. „Der März wäre ein richtig guter Monat geworden“.

Stammkunden lassen ihre Brauereien nicht im Stich

Das Familienunternehmen hält sich noch wacker, die Stammkundschaft im Heimdienst lässt den kleinen Betrieb nicht im Stich. „Die Mitarbeiter bauen Überstunden ab oder haben Urlaub genommen“, sagt Hörmann. Außerdem werde die Zeit für Reparaturarbeiten und einen gründlichen Frühjahrsputz genutzt.

Hörmann hofft, „dass der Spuk bald vorbei ist“, und er keinen Mitarbeiter in die Kurzarbeit schicken muss. Dass es schlagartig besser wird, damit rechnet der Geschäftsführer nicht: „Größere Veranstaltungen dürften sich heuer eh erledigt haben“.

Einige Braustätten erwägen Kurzarbeit

Für Barbara Lohmeier-Opper, Inhaberin der unter dem Namen „Bräu z’ Loh“ bekannten Familienbrauerei Nikolaus Lohmeier in Dorfen, sind schwere Zeiten angebrochen. Die Braumeisterin hat das Traditionsunternehmen erst im Januar übernommen. „Wir haben natürlich kaum Reserven, entsprechend schwierig ist es“.

Abfüllung und Auslieferung laufen aber auf Hochtouren weiter, beim Heimdienst wurde die Werbung noch mal angekurbelt. Lohmeier-Opper befürchtet dennoch, einen Teil ihrer zwölf Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken zu müssen. Neben der Gastronomie fehle auch der „Geselligkeitsabsatz“, die Leute säßen auch im kleinen Kreis nicht mehr so viel beim Biertrinken zusammen „Jeder hat Angst, sich anzustecken“, so die Chefin.

Heimlieferservice beim Eittinger Fischerbräu

Um ihre Mitarbeiter zu schützen, werden im Büro nun Mund-Nase-Masken getragen, außerdem bekommen ihre Leute Vitamine aus der eigens bestellten Bio-Kiste spendiert.

Beim Eittinger Fischerbräu versucht man, die Durststrecke zunächst mit dem Abbau von Urlaub zu überbrücken. „Wie es weitergeht, müssen wir noch überlegen“, sagt Juniorchef Tobias Vincenti. Das Familienunternehmen sieht seinen Heimlieferservice als Vorteil, um derzeit noch niemanden in Kurzarbeit schicken zu müssen. „Die Leute hier im Ort zeigen Solidarität mit uns“ freut sich Vincenti.

Bei schönem Wetter steigt der Umsatz – eigentlich

Karl Gratzl, Prokurist und Betriebsleiter der Schlossbrauerei Grünbach, hat noch keine Kurzarbeit für seine zehn Leute in der kleinen Brau-Manufaktur beantragt. Er schätzt, dass durch die fehlende Belieferung der Gastrobetriebe etwa ein Drittel vom Umsatz wegbreche. „Durch das schöne Wetter wäre jetzt natürlich der Absatz in diesem Bereich gestiegen“.

Dennoch ist der Vertriebschef optimistisch: „Wir haben derzeit noch einen guten Handelsumsatz, deswegen kommen wir über die Runden“, sagt Gratzl.

Für den Mittelstand muss Hilfe her

Mit seinen Mitarbeitern spreche er regelmäßig über die Situation und die Chancen, durchzuhalten. Allerdings, so Gratzl, werde es in der Gastronomie „zappenduster“, wenn dort nicht mit staatlichen Hilfen unter die Arme gegriffen wird. „Es geht hier um Betriebe, um Existenzen, die über Generationen gewachsen sind. Es wäre Wahnsinn, wenn die aufgeben müssten. Für den Mittelstand muss einfach Hilfe her, die ankommt.“

Um die Ansteckungsgefahr zu minimieren, arbeiten nun zwei Mitarbeiter seiner Brauerei aus dem Büro im Homeoffice. „Was wir machen können, haben wir gemacht.“

Erdinger Weißbräu teilweise in Kurzarbeit

Aus der Guts- und Brauereigenossenschaft Taufkirchen kommt die Information, dass in der Brauerei noch keine Angestellten in Kurzarbeit seien, dafür zwei Mitarbeiter aus dem Bräustüberl. Natürlich sind es auch hier die Umsätze aus der Gastronomie und von Festen, die in der Kasse fehlen. Auf die Frage, wie der Betrieb versucht, über die Runden zu kommen, antwortet Vertriebsleiter Fritz Rumpfinger optimistisch per Mail: „Gesund bleiben und erst mal weiter produzieren!“

Auch der Erdinger Weißbräu, die nach eigenen Angaben größte Weißbierbrauerei der Welt, muss Federn lassen. Durch den Wegfall der Abnehmer in der Gastronomie und die Absage aller Großveranstaltungen büßt die Privatbrauerei einen nicht bezifferten Teil am Umsatz ein. „Daher sahen wir uns gezwungen, teilweise Kurzarbeit einzuführen“, so ein Pressesprecher auf Nachfrage. Er gibt sich aber optimistisch: „Wir sind ein gesundes Unternehmen und werden die Pandemie gemeinsam mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durchstehen“. Man tue alles, um die Belegschaft sowohl gesundheitlich als auch wirtschaftlich zu beschützen.

Henry Dinger

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