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Den Würfel kneten, zeichnen oder zusammenstecken: In der Lernwerkstatt können die Schüler bestimmen, wie sie lernen. Die Lehrerinnen Beatrix Contardo (Boden), Miriam Boesch (M.) und Uta Zander (r.) beobachten das Arbeiten.

Lernwerkstatt in der Grundschule Dorfen Nord

Kinder als Mathe-Lehrer

Frontalunterricht ade! Denn Schüler sollen in Zukunft selbst entscheiden, wie sie lernen wollen. Mit diesem Konzept geht die Grundschule Dorfen Nord neue Wege. Ein Besuch in der Mathe-Lernwerkstatt.

Dorfen – Die Grundschule Dorfen Nord geht neue Wege. Seit vier Jahren werden an der Inklusionsschule normal entwickelte Kinder und Schüler mit besonderem Förderbedarf unterrichtet. Vor kurzem startete dort das Projekt „Lernwerkstatt Mathe“. Das Ziel: Schüler sollen dort selbst bestimmen, wie sie lernen wollen. Sie haben die Qual der Wahl in der Geometriestunde „Körperformen“ in der Lernwerkstatt Mathe.

Einige Schüler arbeiten am Whiteboard, andere zeichnen, formen Würfel mit Knetmasse oder stecken Flächenwürfel zusammen. Der Raum hat kleine Inseln, mehrere Arbeitsplätze und einen Kreis als Treffpunkt. Derzeit kommen die einzelnen Klassen einmal die Woche meist für eine Doppelstunde in die Lernwerkstatt. Die Idee dahinter: Der Unterricht an der Grundschule soll in Zukunft nicht mehr von der Lehrkraft dominiert werden – weniger Frontalunterricht also.

Die Entwicklung gehe in ein vom Schüler selbstbestimmtes Lernen. In der Lernwerkstatt können sie sich zum Beispiel ihre Lernmaterialien selbst aussuchen, um ein Thema zu bearbeiten.

Für die Schule hingegen war es zunächst eine große Herausforderung die Materialvielfalt anbieten zu können, sagte Rektor Gerhard Maintok. Aber mit der neuen „Lernwerkstatt Mathe“ gebe es nun endlich ein Klassenzimmer mit einer besonderen Lernumgebung.

Woher die Idee für das Ausprobier-Klassenzimmer kam? Das sei vom ganzen Schulteam ausgegangen, sagte Maintok. Auf lange Frist wolle die Schule individuelles Lernen „mehr möglich machen“. Das Konzept dahinter passe auch gut zum Profil „Inklusionsschule“ der Grundschule. Denn ein besonderer Fokus werde dabei auf das einzelne Kind gelegt, sagte Maintok: „Man sieht, dass die Eigenständigkeit der Kinder sehr gut gefördert wird.“

Über ein Jahr haben die Vorbereitungen für die Lernwerkstatt gedauert, sagten Maintok und seine Stellvertreterin Uta Zander. Sehr eng abgestimmt wurde das Projekt mit Sonderschullehrerin der Miriam Boesch, sie unterrichtet im Sonderpädagogischen Förderzentrum Dorfen und kümmert sich 13 Stunden im Monat in der Grundschule Dorfen Nord um Schüler mit besonderem Förderbedarf.

Insgesamt werden dort zwischen 15 und 20 Kinder mit Förderbedarf in Regelklassen unterrichtet. Eine Obergrenze gebe es nicht. Wie viele Schüler mit Förderbedarf in einer Klasse aufgenommen werden, werde nach pädagogischen Gesichtspunkten entschieden. Ob ein Kind mit Förderbedarf auf die Regelschule gehen soll, entscheiden allein die Eltern. Vor der Entscheidung sei aber eine Beratung wichtig, sagte Boesch, um Fragen zu klären wie „Was braucht das Kind?“ und „Welche Möglichkeiten bietet die Schule?“ Sie spreche keine Empfehlungen aus. Vielmehr gehe es darum, wo das Kind gut aufgehoben sei.

Die Kinder haben einen unterschiedlichen Förderbedarf, einige haben emotionale Schwierigkeiten, geistige oder körperliche Entwicklungsverzögerungen oder sprachliche Probleme. Sie brauchen also eine individuelle Betreuung – wenn der Lehrer nur vor der Tafel steht, ist das nicht möglich, in der Lernwerkstatt schon.

Daher plant die Schulleitung weiter: „Wir haben vor, die Lernwerkstatt auch auf Deutsch und Heimat- und Sachkundeunterricht (HSU) auszuweiten“, kündigte Maintok an. „Alles auf einmal geht aber nicht.“ Hermann Weingartner

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