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Ein eingespieltes Team: Claudia Góndola de Hackel und Peter Hackel. Beide eint nicht nur die Liebe zur Musik – sie sind auch seit 30 Jahren verheiratet. 

Serie: Internationale Ehen 

Die Liebe bahnte sich durch die Musik den Weg

Die Musik hat den Fast-Schweizer Peter Hackel und Claudia Góndola de Hackel aus Argentinien zusammengeführt. Die Musik war es auch, die den Gitarristen und die Flötistin in den Landkreis Erding lockte. Seit mehr als 20 Jahren lebt die Familie in Dorfen.

Von Gerda und Peter Gebel

Dorfen – Peter Hackel (54) stammt aus Rheinfelden an der deutsch-schweizerischen Grenze. Er studierte Gitarre in der Schweiz und in Graz, um dann in Wien noch sein Konzertdiplom zu erwerben. Auch für die Musikerin Claudia Góndola aus Buenos Aires in Argentinien war Wien ein musikalisches Traumziel.

Ihre instrumentale Ausbildung beginnt mit der Gitarre. Über Blockflöte und Klavier landet sie bei ihrem Lieblingsinstrument, der Querflöte. In ihrer südamerikanischen Heimat spielte sie bereits im Radiojugendorchester und bei den Symphonikern, als sich ihr die Chance bietet, mit einem Stipendium nach Europa zu gehen. So kommt sie 1984 als Stipendiatin in die österreichische Musikhochburg mit dem Plan, nach ihrem vierjährigen Studium zurück nach Argentinien zu gehen. Im Sommer 1986 spielt die Flötistin bei Konzerten im Wiener Kursalon im Stadtpark mit und spaziert anschließend durch den Park. Dort übt unter einem Baum der junge Peter Hackel mit seiner Gitarre ein brasilianisches Lied. Von den Klängen aus ihrer südamerikanischen Heimat magisch angezogen, bleibt Claudia fasziniert stehen, lauscht und kommt mit dem Gitarristen ins Gespräch.

„Das war etwas schwierig, denn Peter sprach damals noch schwyzerdeutsch….“, berichtet Claudia schmunzelnd. Sie selbst hatte schon in Argentinien Deutschkurse zur Vorbereitung auf das Auslandsstudium besucht und konnte sich bereits gut auf deutsch verständigen. Der Funke springt sofort über, die Telefonnummern werden getauscht und schon bald zieht das junge Paar zusammen. In Wien läuten zwei Jahre später die Hochzeitsglocken, dann beginnt für Peter Hackel das Abenteuer Südamerika. „Mir war die südamerikanische Kultur noch eher fremd“, erzählt der Gitarrist. Ein Spanischkurs vor Beginn der sechswöchigen Reise hatte ihn nur unzureichend auf die sprachliche Herausforderung vorbereitet. „Alle aus meiner Familie wollten mit dem Peter reden, aber er konnte hauptsächlich „Si“ antworten“, ergänzt seine Gattin.

Ihre Eltern nehmen den deutschen Schwiegersohn mit offenen Armen auf, „auch wenn sie auf einen Schweizer Dirigenten gehofft hatten“, wie Claudia lachend berichtet. Sie war praktisch mit Flötenmusik aufgewachsen, da ihr Vater, von Beruf Psychiater, beim Malen gerne die Flötensonaten von Bach hörte.

Auch Peters Mutter, selbst weitgereist und kunstinteressiert, ist von der argentinischen Schwiegertochter begeistert. „Sie hatte früher schon prophezeit, ich sollte mehr Sprachen lernen, denn ich würde mal eine Ehefrau aus dem Ausland heiraten“ erinnert sich Peter Hackel.

In den Landkreis Erding verschlug es das musikalische Ehepaar eher per Zufall. Nach Abschluss des Studiums und einer Zwischenstation in Niederösterreich telefonierte Peter Hackel im Jahr 1991 die bayerischen Musikschulen durch auf der Suche nach einer Anstellung. Nach mehreren Fehlversuchen wird er in Erding bei Reinhard Loechle fündig. Der damalige Leiter der Kreismusikschule Erding suchte Ersatz für eine schwangere Kollegin, und so konnte Peter Hackel schon zwei Tage später seinen Dienst in Erding antreten. „Zuerst bin ich dauernd gependelt, habe drei Tage in Erding unterrichtet und einen Tag in Österreich“ blickt der Musiker zurück. Schon bald siedelt sich das Ehepaar in Maria Thalheim an, und auch Claudia Góndola de Hackel unterrichtet an der KMS. Der erste Sohn Jannis kommt 1994 zur Welt, dann zieht die Familie nach Dorfen. Hier leitet Peter Hackel schon bald auch die Dorfener Außenstelle der Kreismusikschule. Schnell fühlen sich die Hackels heimisch und mit dem Hauskauf 1999 fällt die Entscheidung: „Hier bleiben wir auf Dauer“.

Sohn Willis macht die Familie im Jahr 2000 komplett und mit den Kindern knüpft auch Mutter Claudia viele Kontakte im Ort. Inzwischen schwärmen beide von ihrem Wohnort und der schönen Umgebung mit den Wäldern bei Vocking: „Wir fühlen uns voll und ganz als Dorfener.“

Ihre Söhne wollte Claudia zweisprachig aufziehen, doch ganz ließ sich der Plan nicht realisieren. „Es war für die Kinder leichter in der Schule, wenn wir zuhause nur Deutsch gesprochen haben“, erinnert sie sich. Sohn Jannis hat trotzdem eine starke Neigung zu den spanischsprachigen Ländern entwickelt, sein Bruder Willis tendiert mehr in die deutsche Richtung. „Jannis spricht aber am besten von uns allen Bayrisch, da er durchs Eishockeyspielen der bayrischen Kultur am meisten ausgesetzt war“, so der Vater. Wie Peter Hackel, hat auch sein älterer Sohn die Liebe zur Gitarre entwickelt, außerdem ist er neben dem BWL-Studium als DJ tätig. Auch der 17-jährige Willis genoss mehrere Jahre Musikunterricht mit der Geige, gönnt sich jedoch mittlerweile eine musikalische Auszeit.

„Wichtig, Partner Freiheiten zu lassen“

Unzählige Schüler im Landkreis haben inzwischen das Spiel auf der Gitarre und Querflöte bei den Musikpädagogen erlernt. Peter Hackel, inzwischen stellvertretender Schulleiter an der Kreismusikschule Erding, und seine Gattin sind neben der Lehrtätigkeit unermüdlich in musikalischer Mission unterwegs. Sei es mit Workshops, in Konzerten mit verschiedener Besetzung oder auch als Komponisten geben beide ihr musikalisches Können gerne weiter. Für den Unterricht, aber auch im Zusammenleben ist für beide die Toleranz wichtig. „Man braucht viel Humor, um mit der unterschiedlichen Art des Partners zurechtzukommen“ sagt Claudia, die nach eigener Einschätzung die Chaotischere von beiden ist. Ihr Mann, der sich eher als strukturiert und geordnet beschreibt, ergänzt: „Es ist wichtig, dem anderen seine Freiheit zu lassen.“ Peter Hackel ist überzeugt: „Die unterschiedlichen Facetten des Partners und seiner Kultur kennenzulernen, ist ein großer Gewinn.“

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