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Silphie als Alternative: Davon sind Maria und Gerhard Lohmeier, hier vor ihrem Versuchsfeld, überzeugt.

Alternative Pflanze

Lohmeier weiß: Silphie besser als Mais

Wenn die Insekten verschwinden, ist das Ende der Menschheit nicht mehr weit, warnt Maria Lohmeier aus Loh. Die Bienensachverständige und Vorstandsmitglied des Imkervereines Stierberg sieht eine Alternative für die Landwirtschaft: die Durchwachsene Silphie als Mais-Ersatz.

Loh – Die intensive Landbewirtschaftung und der großflächige Anbau der Energiepflanze Mais für Biogasanlagen hinterlassen laut Lohmeier deutliche Spuren im Ökosystem. „Den Insekten, wie zum Beispiel Bienen, fehlt es auf den Fluren an Nahrung, dem Niederwild an Lebensraum. Beide Gruppen sind die großen Verlierer in unserer heutigen Landschaft.“

Zu dieser Folgerung kam Lohmeier beim Imkerstammtisch in Loh. Doch es gibt Alternativen, wie sich beim vorangegangen Feldbegang oberhalb Loh zeigte: Die Durchwachsene Silphie. Silphium-Arten sind ausdauernde, krautige Pflanzen, die Wuchshöhen von 20 bis über 250 Zentimeter erreichen.

Für Lohmeier liege es nahe, selbst aktiv zu werden. Vor allem, weil ihr Vater Gerhard Lohmeier, nicht nur der Wirt z’Loh, sondern selber Landwirt ist. Er bewirtschaftet seine Flächen selbst und verkauft einen Teil der Feldfrüchte an Biogasbetriebe. „Ich erzählte meinem Vater von dem neu entwickelten Anbauverfahren der Durchwachsenen Silphie in Kombination mit Mais als alternative Energiepflanze“, erzählt die Imkerin.

Und er sei „sofort einverstanden gewesen, eine Fläche mit der Pflanze zu bestellen“. Die Silphie sei bis dato unattraktiv für Landwirte oder Biogasbauern gewesen, da im ersten Standjahr kein Ertrag zu erwarten sei, weil die Pflanze „nur eine Rosette ausbildet“, erklärt Lohmeier.

Durch ein spezielles Verfahren, entwickelt von der Firma „Donau Silphie“, die die Silphie als Untersaat in Kombination mit Mais anbaut, habe der Bauer im ersten Jahr den Mais-Ertrag und alle weiteren Jahre den Silphien-Ertrag, schwärmt Lohmeier von der Pflanze. Die Firma sei inzwischen „Anbaupartner“ der Lohmeiers. Nach Vertragsabschluss rückt die Firma an und sät Silphie sowie Mais. Dazu erhalte man Hinweise zum Auflaufen der Pflanze im ersten Jahr, „und es wird eine Auflaufgarantie gewährt“. Wenn das nicht so sei, „bekommt der Landwirt sein Geld zurück“, versichert Lohmeier.

Die Silphie habe „großes Potenzial“, schildert Lohmeier. Einmal angebaut, bleibe sie bis zu 30 Jahre im Bestand, ohne den Boden auszulaugen. Im Gegenteil: Die langjährige Bodendeckung wirke sich positiv auf Bodenleben, Erosionsschutz, Humusaufbau und Wasserhaltevermögen aus. Ab dem zweiten Standjahr seien keine Bodenbearbeitungen und Pflanzenschutzmaßnahmen mehr nötig, was neben dem Blühangebot als Insektennahrung für Lohmeier „einer der größten Vorteile ist“.

Sie selbst ist begeisterte Imkerin und aktive Jägerin: „Da ist man glücklich über ein lang anhaltendes Blühangebot, welches ohne Pflanzenschutzspritzung auskomme, und über eine Stoppelbrache, die nach dem Abernten bestehen bleibt. Die bietet wertvollen Lebensraum für Feldhase, Fasan und vielleicht irgendwann wieder fürs Rebhuhn“, weiß Lohmeier.

Am interessantesten für den Energielandwirt dürfte allerdings „die Wirtschaftlichkeit im Vergleich zum Mais sein“, betont Lohmeier. „Da braucht sich die Silphie nicht zu verstecken.“ Im zehnjährigen Schnitt erziele die Pflanze „höhere Trockenmasseerträge als Mais“. Das zeigten Versuchsergebnisse der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft in Dornburg, einem typischen Ackerstandort. Die Durchwachsene Silphie liefere bei zum Teil deutlich höherem Ertragsniveau eine wesentlich bessere Biogas- und Methanausbeute als Mais.

Die Zahl der Biogasanlagen habe sich in den letzten Jahren deutlich erhöht, bestehende Anlagen seien teilweise erweitert worden, berichtet Lohmeier. Damit steige der Bedarf an Biomasse für diese Anlagen. Deshalb liegt es den Lohmeiers „besonders am Herzen, im Zuge der Intensivierung der Landwirtschaft und immer weniger werdender freier Fläche solche Alternativen aufzuzeigen“. Nicht nur der große Nutzen für unsere heimische Tierwelt, sondern auch eine Erhöhung des Naherholungswertes von Landschaften durch blühende Silphiefelder sei erwähnenswert. Das Landschaftsbild werde aufgelockert, da sich die Kultur hervorragend für Kleinflächen, Waldrandlagen, Wasserschutzgebiete, Gewässerstreifen, Hanglagen und ungünstig zugeschnittene Feldformen eigne.

Die Silphie-Projektfläche der Lohmeiers liegt nördlich, oberhalb von Schwindkirchen am Bergrücken direkt am Feldweg nach Niederloh. Dort kann man die Entwicklung verfolgen, erzählt Lohmeier, die Interessierten gerne Auskunft geben will. Die Bienensachverständige weist auch darauf hin, dass es für interessierte Biogasbauern, Landwirte, Imker, Jäger, Beauftragte im Gewässerschutz und sonstige Interessierte am 30. November in der Region eine Veranstaltung zur Durchwachsenen Silphie geben werde.

Hermann Weingartner

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