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Der Exot: Erzieher Uwe-Horst Wünsch arbeitet am Kinder- und Jugendhaus in Dorfen.

Fehlende Vorbilder für Buben

Männer-Mangel in der Bildung

Egal ob als Erzieher oder Grundschullehrer – im Landkreis Erding sind männliche Pädagogen deutlich in der Minderzahl.

Landkreis – Die frühkindliche und schulische Erziehung liegt deshalb lange komplett in weiblicher Hand. Doch gerade Buben brauchen männliche Vorbilder. Und diese fehlen.

Für Therese Englmeier, Leiterin des Kinder- und Jugendhauses in Dorfen, war es immer schon wichtig, männliche Erzieher im Team zu haben. „Wenn sich ein Mann als Erzieher bei uns bewirbt, möchte ich ihn kennenlernen.“ Die Dorfener Einrichtung, die mehrere Angebote für Kinder und Eltern unter einem Dach vereint, unter anderem Hort und Kindergarten, hat gleich zwei männliche Erzieher. Einer davon ist Uwe-Horst Wünsch.

Der 55-Jährige weiß, dass die Kombination Mann und Erzieher eine exotische Angelegenheit ist. „Erziehung ist nach wie vor eine weibliche Domäne“, bemängelt er. Die Kollegen im Landkreis lassen sich an zwei Händen abzählen. Wünsch hat zunächst bei Siemens in der IT gearbeitet hatte, bevor er eine Ausbildung zum Erzieher machte. Dabei brauchen gerade Buben für ihre Entwicklung männlichen Einfluss – sei es in den Familien, im Kindergarten oder auch an den Schulen. „Männliche Vorbilder sind enorm wichtig“, sagt der Erzieher. Denn: „In den Familien fehlen die Väter. Sie haben sich der Karriere verschrieben und überlassen den Frauen immer noch die Erziehungsarbeit.“ Außerdem gelte das traditionelle Familienmodell auch in Dorfen nicht mehr zu 100 Prozent: „Es gibt immer mehr alleinerziehende Mütter.“

Die Feminisierung im Bildungsbereich schreitet indes weiterhin fort, die „pädagogische Betreuung liegt fest in Frauenhand“, wie das Statistische Landesamt in Fürth kürzlich formulierte. Im Jahr 2018 haben in Bayern 4142 Erzieher und Kinderpfleger gearbeitet – dem stehen 93 312 Frauen gegenüber. Der Männeranteil liegt damit bei 4,4 Prozent. Erding rangiert in seinen 92 Einrichtungen sogar deutlich unter dem bayernweiten Durchschnitt.

Ähnlich ist die Situation auch an den Grundschulen in der Region. „Männer sind eher auf Karriere gepolt, Frauen auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die gerade an Grundschulen als Teilzeitkraft realisierbar ist“, erklärt Josef Kraus aus Landshut, ehemaliger Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, den deutlichen Frauenüberschuss an den Grundschulen.

Doch auch das gesellschaftliche Bild des Lehrers habe sich verändert. Früher kam der Lehrer gleich nach Bürgermeister und Pfarrer in der Hierarchie, so Reinhard Heiß, der an der Grundschule Grüntegernbach-Eibach unterrichtet. Bei pädagogischen Berufen fehle heutzutage oft die Anerkennung. Möglich, dass auch das der Grund ist, warum männliche Lehrer, das Gymnasium präferieren, das einen höheren Status hat.

Und dann ist da noch der höhere Verdienst an weiterführenden Schulen. „Dabei sind es gerade die Grundschullehrer, die den Kindern neben Grundlagen wie Rechnen und Sprache auch soziale Kompetenzen beibringen“, weiß Heiß.

Mädchen tragen zum Beispiel Konflikte anders aus als Buben. Während Mädchen einen Streit unterschwellig schwelen lassen und verbal austragen, klären Burschen Konflikte notfalls durch Raufen. Von den Lehrerinnen würden Mädchen meist für ihr ruhiges und angepasstes Verhalten gelobt. Da steuert Pädagoge Heiß gegen: „Ich versuche, das unterschiedliche Verhalten zu erklären, zu kommunizieren – das fördert Verständnis und Vertrauen.“

Erzieher Wünsch arbeitet ebenfalls viel mit Schülern. „Die Jungs fühlen sich in der Schule schnell von den Lehrerinnen abgelehnt und schotten sich hinter gestrigem Macho-Gehabe ab“, erzählt er. Oft werde auch vergessen, dass Mädchen-Streitereien viel fieser sein können. Gerade in Zeiten von Social Media boomt Cyber-Mobbing: „Hinten rum und anonym hetzen ist immer einfacher, als Meinungsverschiedenheiten direkt auszutragen“, sagt Wünsch.

Die Arbeitsweise von männlichen und weiblichen Erziehern unterscheidet sich schon im Kindergarten. Der 25-jährige Louis Fella ist Erzieher im St. Joseph Kindergarten in Eichenried. Er erinnert sich noch genau an Verhaltensmuster aus seiner eigenen Kindheit. Schon allein deshalb könne er sich in die kleinen Buben in der Gruppe besser hineinversetzen: „Wenn es Ärger gibt, wenden sich die Kinder lieber an das eigene Geschlecht.“ Während Mädchen immer noch überwiegend mit Puppen spielen, könne man den Buben einfach nur einen Ball geben: „Die kicken stundenlang“, berichtet Fella von seinen Beobachtungen. Und: „Ich bin Spielpartner, die Kleinen sehen mich als Vorbild.“

Nach einem Praktikum wusste Fella schnell, dass er mit Kindern arbeiten möchte: „Meine Freunde waren schon sehr überrascht, als ich mit der Ausbildung begann.“ Irgendwann möchte der junge Erzieher allerdings wechseln: „Die Kleinen im Kindergarten sind zu jung, da gibt es viele pflegerische Aufgaben.“ Er wird sich weiterbilden. „Ich möchte mit Grundschulkindern arbeiten.“ Der pädagogische Aspekt fehlt ihm im Kindergarten, der verbale Austausch mit den Kids.

In Taufkirchen gibt es derzeit einen männlichen Praktikanten. „Die Jungs stürzen sich regelrecht auf den jungen Mann“, sagt eine Mutter, deren Sohn hier in die Grundschule geht. Auch Fella hat erlebt, dass die Buben während seiner Praktika im Schulbereich regelrecht an ihm klebten. „Die Jungen sind einfach nur dankbar, wenn es Männer im Kindergarten und an der Grundschule gibt.“

Michaele Heske

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