Immer im Einsatz, immer gut gelaunt: Marion Prey, Leiterin des Marienstifts in Dorfen.
+
Immer im Einsatz, immer gut gelaunt: Marion Prey, Leiterin des Marienstifts in Dorfen.

Marion Prey im Interview

„Ich habe großen Respekt vor dem Virus“

Die Corona-Ampel im Landkreis springt auf Rot.

Dorfen – Die gute Nachricht: Derzeit gibt es in keiner Senioreneinrichtung im Landkreis einen Corona-Fall. „Ich habe großen Respekt vor dem Virus, gerade weil unsere Bewohner zur Hochrisikogruppe gehören“, sagt Marion Prey, Leiterin des Dorfener Marienstifts. Ein Notfallplan für einen zweiten Lockdown des Altenheims liegt in der Schublade, erzählt sie im Interview.

Das Virus ist auf dem Vormarsch. Werden Sie das Marienstift schließen müssen?

Marion Prey: Das ist nicht unsere Entscheidung, sondern eine Vorgabe des Gesundheitsamts. Freilich hoffen wir alle, dass es zu keiner zweiten Schließung unseres Heims kommt. Doch der Schutz unserer Bewohner und der Mitarbeiter geht vor.

Bisher kam das Dorfener Marienstift sehr gut durch die Corona-Krise.

Egal, ob es die Bewohner oder die Pfleger waren – wir sind tapfer durch den ersten Lockdown gegangen und werden auch eine zweite Schließung des Heimes stemmen. Es wird natürlich keine leichte Zeit werden. Wir beobachten genau, was außen herum passiert und hoffen, dass wir alle verschont bleiben. Doch niemand kann in die Zukunft sehen.

Für wen wird ein zweiter Lockdown des Marienstifts am schlimmsten?

Da sind einmal die Angehörigen, die nicht mehr auf Besuch kommen dürfen. Für viele Ehepaare ist es ein Ritual, den Mann oder die Frau, die bei uns leben, regelmäßig zu besuchen. Die Angst der Angehörigen war schon bei der ersten Schließung sehr groß.

Wovor haben die Angehörigen Angst?

Dass die Familie nicht zur Seite stehen kann, im Falle einer Erkrankung – oder eben auch im Sterbefall. Bei einer palliativen Versorgung gibt es eine Sonderregelung.

Und die Bewohner? Was bedeutet eine erneute Schließung für die Senioren?

Für die Betreuten, die regelmäßig Besuch bekommen, wird es nicht einfach werden. Manche unserer Bewohner hatten im März Angst, andere fühlten sich einsam, und viele waren traurig. Es gab aber auch Bewohner, die die Situation mit Humor trugen und sagten: „Jetzt habe ich mal ein bisschen Ruhe.“ Oder: „Endlich kann ich mal ausschlafen“, weil es kein Frühstücksbüffet gab.

Wie sieht die Besuchsregelung derzeit aus?

Eine Person pro Tag darf auf Besuch kommen, freilich nur mit Mundschutz und unter strengen Hygienebedingungen. Gemeinsames Essen, etwa, wenn der Besucher beispielsweise einen Kuchen mitbringen, ist nicht erlaubt. Das stößt manchmal auf Unverständnis, aber es ist eine wichtige Vorsichtsmaßnahme. Beim Kaffeetrinken muss man halt die Maske abnehmen, das ist zu riskant.

Und wie sieht es bei der Tagespflege aus?

Eine Schließung stellt gerade die Angehörigen von Betreuten in der Tagespflege vor große Herausforderungen. Die müssen dann den Alltag alleine stemmen. Wir stehen zwar telefonisch zur Verfügung, aber das ist natürlich kein Ersatz.

Haben Sie selbst Angst vor einer erneuten Schließung?

Ich habe großen Respekt vor dem Virus. Aber ich habe auch sehr engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die die Bewohner nicht alleine lassen werden. Einige vom Pflegepersonal haben schon gesagt. „Dann übernachten wir eben auch im Marienstift.“

Woher kommt die große Einsatzbereitschaft?

Das liegt natürlich an den Bindungen, die wir alle zu den Betreuten aufgebaut haben. Es ist bei uns ja nicht wie in den Krankenhäusern. Wir haben viele sehr freundschaftlich-familiäre Beziehungen zu unseren Bewohnern.

Jetzt kommt die Advents- und Weihnachtszeit ...

Das wird schwer, denn Weihnachten, wie es die Bewohner bislang gewohnt sind, wird nicht stattfinden.

Das heißt konkret?

Keine Nikolaus- und Silvesterfeiern, keine Theater- oder Musikgruppen.

Und Gottesdienste?

Pater Sczcepan Matula, der neue Pfarrer von Maria Dorfen, kommt regelmäßig ins Haus und wird nun die Messe im Speisesaal abhalten. Wir werden auf jeden Fall schauen, dass – Corona hin oder her – die stade Zeit trotz allem eine schöne Zeit für unsere Bewohner wird.

Das Gespräch führte Michaele Heske

Auch interessant

Kommentare