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Hilfe für einen Buben: Kinderärztin Tanja Greimel bei ihrer Arbeit auf den Phillipinen.

Dr. Tanja Greimel bei German Doctors

Medizinische Hilfe aus dem Bauch heraus

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Es ist eine Erfahrung der besonderen Art: Kinderärztin Dr. Tanja Greimel hat die Hightech-Medizin für einige Wochen mit ihrem „Bauchgefühl“ getauscht. Für das Hilfsprojekt German Doctors war die junge Frau auf den Philippinen.

Gmain/Landshut – Andere entspannen in ihrem Urlaub am Strand oder gehen zum Wandern in den Berge. Tanja Greimel hat es vorgezogen, für sechs Wochen ehrenamtlich in einem Krankenhaus in Buda auf den Phillippinen zu arbeiten. Während ihres Aufenthaltes half sie auch in einer Ambulanz in Cagayan de oro und in einer sogenannten Rolling Clinic mit. Das ist eine mobile Klinik, mit der in entlegenen Gebieten Dörfer besucht werden. Die Menschen dort sind oft schwer krank und haben kaum Zugang zu medizinischer Hilfe. Wie überhaupt: Die Armut ist das Grundproblem der Menschen. Viele nötige Medikamente oder Operationen sind nicht bezahlbar. Es waren vor allem Atemwegserkrankungen wie Bronchitis und Lungenentzündung, mit denen die junge Ärztin konfrontiert wurde. Aber auch Tuberkulose und Asthma plagen die Menschen dort. Auch Durchfälle sind häufig anzutreten, berichtet Greimel. Neben banalen viralen gibt es aber auch häufig Durchfälle mit Amöben, Würmern, Cholera, die vor allem bei den unterernährten Kindern zu schwerer Dehydratation (Austrocknung) führen. Unterernährte Kinder seien in den ländlichen Regionen häufig zu sehen, erzählt Greimel.

In Ambulanzen musste die Kinderärztin auch chronische Patienten mit Bluthochdruck, Epilepsie und Schizophrenie behandeln. „Die Versorgung psychisch kranker Patienten ist eine große Herausforderung, da es nur wenige psychiatrisch tätige Ärzte dort gibt“, berichtet sie. Schließlich kämen auch Tropenerkrankungen wie Typhus, Cholera, Dengue Fieber vor.

Die German Doctors tun vor Ort das ihnen Mögliche, um den Menschen zu helfen. Doch auch sie haben nicht immer alle Medikamente zur Verfügung. „Da muss man manchmal improvisieren‘ oder eben die Patienten vertrösten“, sagt Greimel. Das Wichtigste seien die eigenen fünf Sinne, sagt die Ärztin. Das sei der große Unterschied zur Hightech-Medizin in Deutschland. Und man habe für die Patienten Zeit – mehr als das in Deutschland der Fall sei. Diese Zuneigung spüren die Patienten, berichtet Greimel. Sie nähmen lange Wege auf sich, beklagten sich nicht über Wartezeiten oder eben auch nicht, wenn sie nicht mehr das gleiche Medikament wie beim letzten Besuch bekommen hätten.

Greimels Eltern leben in Gmain bei Schwindkirchen, geboren ist die junge Frau in Erding. Medizin zu studieren war schon der Wunsch von Tanja Greimel, als sie noch das Gymnasium in Dorfen besuchte. Dann kam der Entschluss, Kinderärztin zu werden. Studiert hat Greimel in Ungarn und in Regensburg. Zuerst arbeitete sie am Uniklinikum in Regensburg, dann in einer Kinderarztpraxis. Zur Weiterbildung ist sie jetzt am Kinderkrankenhaus in Landshut tätig.

Ihre intensivsten Erlebnisse hatte die junge Ärztin auf der Onkologie (Kinderkrebsstation) in Regensburg. Kinder sterben zu sehen, sei sehr belastend. „Da kann man durchaus auch zeigen, dass man mittrauert.“ Aber Kinder helfen zu können, sie wieder gesunden zu sehen, das sei „einfach wunderbar“.

Greimel kann sich durchaus vorstellen, sich wieder bei den German Doctors zu engagieren. Denn nicht zuletzt durch die einfache Art, Medizin zu machen, bekomme der Beruf eine „totale Wendung“. Fasziniert hat Greimel vor allem eines: „Auch mit einfachen Mitteln kann man viel erreichen. Es ist eben mehr eine Arbeit, die mehr aus dem Bauch heraus geschieht.“

German Doctors e.V. ist eine humanitäre Hilfsorganisation, die 1983 als „Ärzte für die Dritte Welt“ gegründet wurde. Seit 2013 trägt die Organisation den Namen „German Doctors“. Jährlich 300 Ärzte arbeiten ehrenamtlich in medizinischen Notstandsgebieten von Entwicklungsländern (Indien, Bangladesch, Kenia, Sierra Leone, Philippinen) und behandeln dort in Ambulanzen und in der sogenannten Rolling Clinicteils schwer kranke Menschen, die keinen Zugang zu ärztlicher Versorgung hätten. Die German Doctors arbeiten unentgeltlich. Jeder Einsatz dauert sechs Wochen. Die Ärzte arbeiten in ihrem Jahresurlaub oder im Ruhestand. „German Doctors“ ist ausgezeichnet mit dem Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für Soziale Fragen.

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