+
Menschenwürde in Gefahr: Anton Empl (l.) und Franz Leutner an der Einfahrt zur Flüchtlingsunterkunft in Lindum. Sie kritisier en die Zustände dort.  

Flüchtlingsunterkunft Lindum

„Menschenunwürdig“: Asylhelfer fordern Aufnahmestopp

  • schließen

In der Asylbewerberunterkunft in Lindum wird es voller. Das kritisieren die Flüchtlingshelfer aus Dorfen. Sie fordern einen Aufnahmestopp für die Unterkunft.

Lindum– Derzeit leben in der Flüchtlingsunterkunft in Lindum rund 60 Asylbewerber – in Kürze sollen es über 70 sein, schreibt die Regierung von Oberbayern auf Anfrage. Zuvor kursierten Gerüchte, dass dort bald 100 Asylbewerber untergebracht werden. Trotzdem sagt Flüchtlingshelfer Anton Empl (66) aus Dorfen: „Wir fordern einen sofortigen Aufnahmestopp, wenn es hier noch menschenwürdig laufen soll.“ Die Unterkunft platze schon jetzt aus allen Nähten.

Doch der Träger der Unterkunft, die Regierung von Oberbayern, sieht das anders. Wenn bald weitere Asylsuchende einziehen, seien die 100 Plätze in Lindum zu etwa drei Viertel besetzt. Dementsprechend sei Lindum nicht vollbelegt und erst recht nicht „überfüllt“.

Empl ärgert sich trotzdem, denn: Eine sechsköpfige Flüchtlingsfamilie aus Eltern und vier Kindern (16 Jahre, 14 und siebenjährige Zwillinge) soll jetzt wegen der zusätzlichen Belegung in ein Zimmer mit rund 26 Quadratmetern ziehen. Das habe ihnen der Hausverwalter vor rund einer Woche mitgeteilt. Bisher hatten die zwei Jugendlichen der Familie ein eigenes Zimmer. Zu sechst auf 26 Quadratmetern? Für Empl eine Katastrophe. Die Antwort der Regierung: „Es ist verständlich, wenn sich Betroffene subjektiv beengt fühlen, wenn es bisher mehr Platz gab“ – so sei aber die Situation in allen Unterkünften.

Ein weiteres Ärgernis für Helfer Empl: Auch Mütter mit Babys müssen in Zukunft wohl beengter leben. „In das 18-Quadratmeter-Zimmer einer Mutter mit Baby wird wohl bald eine weitere Mutter mit Baby einziehen“, kritisiert der Dorfener. So laute die Anordnung des Hausverwalters. Empl vermutet: „Die Regierung zählt die Neugeborenen nicht als Unterkunftsbewohner.“ Das sei richtig, so die Regierung: „Säuglinge werden in der Tat nicht als eigenständige ,Beleger‘ behandelt“, schreibt die Behörde auf Nachfrage.

Die umliegenden Kindergärten und Schulen müssen sich also auf mehr Kinder aus der Unterkunft in Lindum einstellen. Doch Empl moniert, dass die Situation schon jetzt angespannt sei: „Die Kindergärten drumherum sind schon jetzt total überfordert mit den vielen Kindern.“

Außerdem kritisiert er, dass nun eine fünfköpfige Flüchtlingsfamilie im Keller der Unterkunft wohnen muss, wo es nach Kloake stinke: „Sie schlafen genau neben einer Toilette, wo 60 Personen aufs Klo gehen“, sagt er: „Von dem was ich höre, sind die Nächte in Lindum schrecklich.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Reiter schickt leere Leinwände auf die Reise
Das Fotografierverbot von Objekten einer Kunstausstellung gab es noch nie in Erding. Drei an der Wand aufgehängte Leinwände waren im optischen Mittelpunkt der …
Reiter schickt leere Leinwände auf die Reise
Autofahrer beleidigt Polizisten
Was ist nur in diesen Autofahrer gefahren? Bei einer Verkehrskontrolle am Montagnachmittag im Stadtgebiet ist er ausgeflippt und hat nun Ermittlungen wegen Beleidigung …
Autofahrer beleidigt Polizisten
Rock’n’Roll, Salsa und Blues
Blues, Folk, Rock, Salsa, Bossa Nova, Rock’n’Roll - hier kam jeder Musikfan auf seine Kosten. Das war die Nacht, die ganz Erding in ein Musikfestival verwandelt hatte. 
Rock’n’Roll, Salsa und Blues
Flughafentangente: Freisinger (39) kommt immer weiter auf Gegenfahrbahn - dann kommt es zum Crash
Zwei Verletzte und rund 50 000 Euro Schaden sind die Bilanz eines schweren Unfalls am Dienstagmorgen auf der Flughafentangente Ost.
Flughafentangente: Freisinger (39) kommt immer weiter auf Gegenfahrbahn - dann kommt es zum Crash

Kommentare