Schauplatz des Geschehens: Sovies Café auf dem Geländer der Isar-Amper-Klinik Taufkirchen. In dem Café trafen sich der Erdinger und die Patientin. Dort gerieten sie auch in Streit. Foto: WEI

Besucher rastet aus

Messer-Mann auf dem Klinikgelände

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Dramatische Szenen auf dem Gelände der Isar-Amper-Klinik in Taufkirchen: Die Polizei will einen mit einem Messer bewaffneten Mann festnehmen. Weil der die Stichwaffe nicht weglegen will, die Situation zu eskalieren droht, gibt ein Beamter einen Warnschuss aus seiner Dienstwaffe ab.

Taufkirchen/Dorfen – Der Vorfall passierte bereits am Sonntag vor einer Woche. Obwohl Mütter mit Kindern in der Nähe des öffentlichen Cafés auf dem Klinikgelände waren, hat die Polizei darüber keinen Pressebericht herausgegeben. Erst nach Recherchen unserer Zeitung räumt sie den Vorfall ein.

Hans-Peter Kammerer, Leiter Präsidialbüro und Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord, spricht von einer „Bedrohungslage“ auf dem Klinikgelände. Nach seinen Darstellungen hat an besagtem Sonntagnachmittag ein 43-jähriger, psychisch labiler Mann aus dem Landkreis seine als Patientin in der Klinik untergebrachte Ex-Freundin aufgesucht. Die beiden hätten sich im dortigen Café der Klinik getroffen. Der Mann war, wie sich später herausstellte, stark alkoholisiert – an die drei Promille wurden gemessen.

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Im Verlauf des Treffens kam es zum Streit zwischen dem Mann und der Patientin. Der 43-Jährige zückte ein Küchenmesser, wird im internen Einsatzbericht später festgehalten. Augenzeugen des Geschehens alarmierten die Polizei. Und die war wenig später schon vor Ort. Denn laut Kammerer war zufällig eine Streifenwagenbesatzung der Dorfener Polizei wegen einer anderen Sache auf dem Klinikgelände.

Warnschuss abgegeben

Der Mann mit dem Messer war schnell lokalisiert. Die Beamten forderten ihn auf, das Messer wegzulegen. Doch das tat er nicht. Im Gegenteil. Laut Kammerer machte der Mann „seltsame Äußerungen, die Richtung Suizid gingen“. Da Gefahr im Verzug war, der 43-Jährige nicht auf Androhung von Gewalt reagierte und auch der Einsatz von Pfefferspray nicht die gewünschte Wirkung zeigte, gab einer der Beamten einen Warnschuss ab. Erst dann legte der Mann sein Messer ab. Er konnte daraufhin überwältigt und festgenommen werden. Im Laufe des Tages wurde der Erdinger in die psychiatrische Klinik nach Haar eingewiesen, wo er bis heute untergebracht ist.

Wegen des Vorfalls wurden vorsorglich auch zahlreiche Rettungsfahrzeuge und die Feuerwehr nach Taufkirchen beordert. Dass über den Vorfall trotzdem die Öffentlichkeit nicht informiert wurde, ist für Polizeisprecher Kammerer keine Besonderheit. Für die Polizei sei der Fall „eine Einweisung“ gewesen: „Eine aktive Pressearbeit war hier nicht zwingend erforderlich.“

Mütter mit Kindern in der Nähe

Das kann auch anders gesehen werden. Ein Taufkirchener schildert aus Sicht seiner Frau, die zufällig mit der gemeinsamen Tochter und einer Bekannten, die auch zwei Kinder dabei hatte, vor Ort war, den Vorfall so: „In der Nähe des öffentlichen Cafés ist plötzlich ein dunkelhäutiger Mann mit einem großen Messer neben meiner Tochter aufgetaucht, gleich darauf sind Polizisten um die Ecke gekommen und haben meine Familie und die Freundin aufgefordert, wegzulaufen.“

Vorfall verschwiegen

Die Freundin seiner Frau habe die Kinder im Reflex gepackt, und sie alle seien weggelaufen. Seine Frau habe noch mitbekommen, wie die Polizei den Messer-Mann mit Pfefferspray eingesprüht habe. „Meine Frau hat dann noch einen Schuss gehört, nachdem er sich nicht ergeben wollte. Sie weiß nicht, ob es ein Warnschuss oder ein Schuss mit Treffer war, weil sie da schon ums Eck waren.“ Die Kinder hätten aufgrund des Erlebten „immer noch ein Trauma“. Den Taufkirchener ärgert es sehr, dass die Polizei „diesen Vorfall verschwiegen hat“.

Diesen Vorwurf weist Kammerer jedoch zurück. Es habe hier nichts vertuscht werden sollen. Es seien auch keine Personen zu Schaden gekommen. Und auch der Darstellung, dass es sich bei dem Messer-Mann möglicherweise um einen Menschen mit Migrationshintergrund handeln könnte, widerspricht Kammerer klar: „Der Mann ist in Erding geboren. Er ist Deutscher.“

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