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Das Netto-Lager blockiert haben Landwirte bei einer Protestaktion in Erharting (Kreis Mühldorf).
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Das Netto-Lager blockiert haben Landwirte bei einer Protestaktion in Erharting (Kreis Mühldorf).

Protestaktionen

Milchbauern auf den Barrikaden

  • vonTimo Aichele
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Landwirte machen mit Protestaktionen an verschiedenen Konzern-Standorten auf ihr Nöte aufmerksam. Die Milchpreise sind nicht kostendeckend. Auf den Höfen steigt die Existenzangst.

Landkreis – Die Bauernproteste gegen die Milchpreispolitik der Lebensmittelbranche ziehen weite Kreise. Neben dem Eittinger Zentrallager von Rewe waren auch weitere Unternehmen Ziel der Demonstrationen: unter anderem auch das Netto-Auslieferungslager im Kreis Mühldorf und die Molkerei Weihenstephan in Freising.

Bei Netto blockierten etwa 60 Traktoren von Landwirten aus der Umgebung die Zufahrt des Auslieferungslagers an der Staatsstraße 2092 in der Gemeinde Erharting. Ab etwa 22 Uhr stellten mehrere Bulldogs die Ein- und Ausfahrt zu, viel standen auf der Staatsstraße und einige fuhren darauf sehr langsam hin und her. Die gut 80 Demonstranten seien friedlich und gesprächsbereit gewesen, berichtet die Polizei Mühldorf.

Die Protestaktion vor der Molkerei Weihenstephan in Freising war kleiner, hatte aber die gleiche Zielrichtung. Der Kreisvorsitzende des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM), Mathias Lohmeier war dabei. „Das war schon der dritte Besuch bei Weihenstephan“, erzählt der Landwirt aus Taggrub (Stadt Dorfen). Doch bisher gebe es keine Antwort der Molkerei, die zur Müller-Milch-Gruppe gehört. Deswegen wurde auch das Plakat „Eure Antworten sind ungenügen. Nachsitzen!“ ans Firmenlogo gehängt. Erneut habe niemand reagiert.

Bei Weihenstephan demonstriert haben unter anderem (v. r.) Mathias Lohmeier und Konrad Brenninger als Vertreter des BDM im Kreis Erding.

„Wir haben 15 Cent Unterdeckung pro Liter Milch – egal, ob konventionell oder Bio“, klagt der Milchbauer, der selbst Bio-Milch produziert. Bei dieser Preisdifferenz seien die Subventionen schon eingerechnet. Die Landwirte würden von der Substanz leben, als Betriebsleiter ihre eigenen Löhne weglassen und Kredite aufnehmen. Daher hätten sich mehrere Verbände mit ihren Forderungen zur Initiative Milchdialog zusammengeschlossen.

Tobias Grundner aus Almoding (Gemeinde Taufkirchen) hat bei Netto in Erharting mitdemonstriert. „Wir wollen endlich als Marktpartner auf Augenhöhe anerkannt werden. Und dann wäre es nur fair, wenn die Rechnung bei uns beginnt und unsere Kosten mit einbezogen werden“, erklärt er. Dafür sei ein Systemwechsel notwendig.

Nach den ersten Demos vor dem Lidl-Lager in Cloppenburg hätten die Landwirte keine Antwort erhalten. Nachdem der Konzern die Gesprächsfrist habe verstreichen lassen, sei es zu der „Spontanversammlung“ bei Netto gekommen. Auch dort kam es aber nicht zum Dialog. „Wir brauchen nicht nur Wertschätzung, sondern auch endlich wieder Wertschöpfung auf unseren Betrieben“, fordert Grundner. „Aktuell bekommen wir den Rest vom Kuchen ab, der bei den Verhandlungen zwischenden Lebensmitteleinzelhandel und den Verarbeitern übrig bleibt.“

Gleichzeitig kämen ständig neue Auflagen hinzu, welche die Produktion verteuern, ohne zusätzliche Vergütung. Lohmeier nennt hier das Beispiel Anbindehaltung. Wenn wie angekündigt, Molkereien voraussichtlich ab 2024 keine Milch mehr von solchen Häfen abnähmen, „dann wären bei uns im Landkreis 150 Betriebe über Nacht weg“, erklärt der BDM-Vorsitzende. Von 500 Milchviehhaltern im Kreis Erding werde das von 200 praktiziert.

„Es brennt bei den Bauern“, klagt Lohmeier. Und Grundner sagt: „Eine 80-Stunden-Woche ohne Wochenende und bezahlten Urlaub gehören mittlerweile zum Standard. Uns reicht es!“

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