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Videostreifzug durch den Darm: Gastroenterologe Christian Zillinger wertet Bilder der Kamerakapsel aus.

Kapsel statt Endoskop

Mini-Videokamera spürt den Krebs auf

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Dorfen - High-Tech gegen den Krebstod: Am Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) Dorfen wird sehr erfolgreich Darmkrebsvorsorge betrieben. Ein Patient schluckt eine Kamerakapsel, die Aufnahmen vom Darm macht. Dorfen schreibt damit Geschichte.

Statistisch gesehen einmal in der Woche wird am MVZ Dorfen bei einem Patienten Krebs im gastrointestinalen Bereich, vorwiegend im Darm oder Magen, diagnostiziert. Darmkrebs ist die zweithäufigste Krebserkrankung in Deutschland. Dabei entstehen 95 Prozent aller Tumore im Darm aus gutartigen Veränderungen der Darmschleimhaut, so genannte Polypen. Bei einer Darmspiegelung rechtzeitig erkannt, können diese anfangs gutartigen Schleimhautwucherungen entfernt und damit ein Darmkrebs verhindert werden.

Doch das Wort Darmspiegelung ruft bei vielen Menschen unangenehme Vorstellungen hervor, weiß Christian Zillinger aus seiner täglichen Arbeit. Der Gastroenterologe am MVZ Dorfen ist daher froh, dass es seit geraumer Zeit eine Alternative zur klassischen Darmspiegelung gibt. Dabei wird der Darm mit Hilfe einer Minikamera untersucht. Diese Methode wird derzeit von der AOK Bayern in einem Modellvorhaben angeboten. Eines von zwei Zentren, die diese Untersuchung durchführen, ist das Medizinische Versorgungszentrum in Dorfen. Daneben ist noch ein weiteres Zentrum in Hof (Oberfranken) eingebunden. Insgesamt wurde bereits bei über 1000 Patientinnen und Patienten eine Kapseluntersuchung gemacht – etwa 400 davon in Dorfen. Bei zwei dieser Patienten wurde tatsächlich ein Karzinom entdeckt, berichtet Zillinger.

Die Darmuntersuchung mit der Videokapsel ist völlig schmerzfrei. Der Patient schluckt eine kleine, dem Aussehen einer Vitamintablette ähnelnde Einmalkamera. Diese wird über den Verdauungstrakt durch die natürliche Darmbewegung und durch Trinkflüssigkeit, die während der Untersuchung eingenommen wird, bis in den Dickdarm transportiert. Am Ende wird das Einmalprodukt auf natürlichem Weg ausgeschieden. Beim Weg durch den Verdauungstrakt sendet die Kamera dann hunderttausende Bilder an einen Rekorder, den der Patient am Körper trägt. Anschließend werden diese Bilder von Fachleuten im MVZ ausgewertet.

Im ersten Schritt ist damit eine klassische Darmspiegelung nicht notwendig, die von vielen Menschen als unangenehm empfunden wird. Ist der Befund allerdings auffällig, muss trotz Kapsel noch eine konventionelle Darmspiegelung durchgeführt werden. Das Medizinische Versorgungszentrum in Dorfen bietet in diesem Fall eine direkt auf die Kapseluntersuchung folgende Darmspiegelung am selben Tag an.

Durch das alternative Angebot der Kapsel als Vorsorgeuntersuchung soll die Akzeptanz der Darmkrebsprävention erhöht werden – „was langfristig zur Folge hat, Darmkrebs zu verhindern oder in günstigeren frühen Stadien zu entdecken“, sagt Zillinger. Denn in der Region gehen laut dem Facharzt für Innere Medizin immer noch weniger als 20 Prozent der Menschen zur Darmkrebsvorsorge. Im MVZ Dorfen mit seinen Filialen in Haag und Erding werden jährlich etwa 11 000 endoskopische Untersuchungen des Magen-Darm-Trakts durchgeführt.

Erste Analysen der AOK zeigen, dass die Akzeptanz der Vorsorgeuntersuchungen in den Regionen Dorfen und Hof bereits deutlich gesteigert werden konnte – nicht nur durch die zusätzlichen Kapseluntersuchungen, sondern auch durch einen Anstieg präventiver Vorsorge-Darmspiegelungen. In Dorfen beträgt die Steigerung laut AOK mehr als 30 Prozent.

Die Ergebnisse und Erkenntnisse aus der Patientenbefragung legen nahe, dass durch das alternative Angebot nun auch eine Patientenzielgruppe angesprochen wird, die sich bisher der Vorsorge verweigert hat. Denn besonders auffallend ist, dass über die Hälfte der Teilnehmer Männer sind. Diese gelten sonst eigentlich eher als Vorsorgeverweigerer.

Die Kapseluntersuchung wird allen AOK-Versicherten aus der Region Dorfen im Alter zwischen 55 und 75 Jahren kostenfrei angeboten, die noch keine Vorsorge-Darmspiegelung hatten oder deren letzte Darmspiegelung mindestens zehn Jahre zurückliegt.

Versicherte, bei denen mindestens ein Verwandter ersten Grades (Eltern, Kinder) an Darmkrebs erkrankt war oder ist, erhalten bereits ab 45 Jahren diese alternative Vorsorgemethode.

Anton Renner

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