Auch Tote nach Einsturz der Autobahnbrücke in Italien

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Vor Gericht

Nachbar will nur helfen – oder mehr?

Ein Nachbarschaftsstreit in der Dorfener Jahnstraße ist im Oktober 2016 eskaliert. Nun kam es dazu vor dem Erdinger Amtsgericht zur Verhandlung, die mit einer Einstellung gegen Geldauflage endete.

Erding Wegen Bedrohung war ein 37-jähriger Dorfener angeklagt. Am Ende stellte Richterin Michaela Wawerla den Prozess vor dem Amtsgericht Erding gegen ein Ordnungsgeld von 300 Euro vorläufig ein. Mit einem neuen Vorfall, bei dem eine Schusswaffe zum Einsatz gekommen sein soll, wird sich das Gericht wohl erneut beschäftigen müssen.

Die Frau des in Dorfen aufgewachsenen Angeklagten, der sich bislang in seinem Leben nichts hatte zu Schulden kommen lassen, war zum Tatzeitraum erst seit wenigen Wochen in der Isenstadt. Dazu waren verschiedene Behördengänge vonnöten gewesen. Der nun klagende Nachbar hatte dafür seine Unterstützung angeboten. Mit der Hilfe aber sei es nach Auffassung des Angeklagten aber dann „zu viel geworden“. Der Nachbar habe seine Frau massiv belästigt, gab der 37-Jährige zu Protokoll, ihr ständig WhatsApp-Nachrichten auf das Smartphone zukommen lassen. Der Angeklagte erklärte, dass seiner Frau in diesen Nachrichten vorgeschlagen worden sei, doch einmal ohne Ehemann beim Nachbarn in dessen Wohnung vorbei zu kommen. Sogar eine Halskette habe ihr der Nachbar, der nach Ansicht des Angeklagten scheinbar mehr als nur helfen wollte, geschenkt. Später habe er dann auf Unterschlagung des Schmucks gepocht. Die Frau habe sich durch die Avancen massiv belästigt gefühlt und schon Angst bekommen, wenn es an der Tür geklingelt habe.

Irgendwann war es dem Ehemann dann zu bunt geworden. Er hatte dem Nachbarn, ebenfalls per WhatsApp, zweimal gedroht, ihn umzubringen, sollte er es wagen, noch einmal Kontakt zu seiner Frau aufzunehmen. Dazwischen hatte er ihm am Balkon ein Messer als Drohgeste gezeigt. Beides hatte der Dorfener vollumfänglich gestanden und sich später, wieder per Handy, beim Nachbarn entschuldigt.

Unterdessen hatte der Angeklagte seinerseits Anzeige erstattet, nachdem er in einem Fenster seiner Wohnung in der Jahnstraße ein Einschussloch entdeckt habe. Dieser Vorfall war allerdings nicht Gegenstand des Prozesses vor dem Amtsgericht Erding.

Der Kläger, der sich in einer Therapie befindet, ließ sich mit einem ärztlichen Attest des Klinikums Taufkirchen entschuldigen und nahm aus gesundheitlichen Gründen nicht am Prozess teil.

Schon nach dem Verlesen der Anklage und den Ausführungen der Verteidigerin gab Richterin Wawerla zu verstehen, dass sie eine Einstellung des Verfahrens nicht ausschließe und es sich beim Kläger um eine „schwierige Persönlichkeit“ handle. Ein etwaiges Schmerzensgeld sei zivilrechtlich zu klären. Auch die Staatsanwältin kam zu diesem Schluss.

Der Anwalt des Klägers entgegnete, dass sein Mandant keinerlei Interesse an der Frau habe und nur Hilfe habe leisten wollen. Er könne wegen psychischer Probleme weiterhin seinen Balkon nicht mehr nutzen und habe ihn beauftragt, Unterlassungs- aber auch Schadenersatzansprüche geltend zu machen.

Um die Sachlage sofort zu klären und eine zivilrechtliche Klage von vornherein abzuwenden, schlug die Richterin vor, die Sache im sogenannten Adhäsionsverfahren zu klären. Weil er als Spielhallen-Aufsicht nur über geringe Einkünfte verfügt, muss der 37-jährige Angeklagte nun bis 31. März ein Ordnungsgeld in Höhe von 300 Euro an die Nebenklage bezahlen. Passiert dies fristgerecht, wird das Strafverfahren endgültig eingestellt. Gleichzeitig aber verpflichteten sich beide Nachbarn, zukünftig auf jeglichen Kontakt zu verzichten.

Tobi Fischbeck

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