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In Krisenzeiten wächst die Unterstützung

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Sie haben die Fäden bei der NBH Dorfen in der Hand (v. l.): Dagmar Hausner, Freyja Brönnle, Ruth Wildgrube, Manfred Stiegler und Monika Rudolf.
Sie haben die Fäden bei der NBH Dorfen in der Hand (v. l.): Dagmar Hausner, Freyja Brönnle, Ruth Wildgrube, Manfred Stiegler und Monika Rudolf. © Michaele Heske

Viel Unterstützung erfährt derzeit die Nachbarschaftshilfe Dorfen.

Dorfen – Geht nicht, gibt es eigentlich nicht. Zumindest versuchen die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Nachbarschaftshilfe Dorfen (NBH) Senioren und Kinder aus sozial benachteiligten Familien bestens zu unterstützen und suchen auch nach individuellen Lösungen und Hilfestellungen. Bei der Mitgliederversammlung in der Grund- und Mittelschule Dorfen konnte der Verein auf ein erfolgreiches Jahr 2019 zurückblicken.

Anders als bei vielen Pandemie-Geschädigten – sei es im privaten Bereich, in der Gastronomie oder im Einzelhandel – verbucht die NBH seit dem Lockdown sogar mehr finanzielle Unterstützung, auch hat sich die Zahl der Mitglieder in den letzten Wochen von 160 im Vorjahr auf 176 erhöht. „Die Anfragen an uns sind heuer gestiegen“, sagte Vorsitzende Ruth Wildgrube. Und Kassenwart Manfred Stiegler ergänzte: „Wir haben coronabedingt schon früh im Jahr große Spenden bekommen.“

Auch in Dorfen ist nicht jede Familie gut situiert, so die Vereinsvorsitzende. „Viele Menschen haben gar keine Vorstellung, was bei uns an Armut herrscht – aber auch, welche Einsamkeit es gerade unter älteren Menschen gibt.“ 651 ehrenamtliche Stunden flossen allein im vergangenen Jahr in die Seniorenbetreuung. „Begleitung zum Arzt oder zur Physiotherapie gehörten dazu, aber auch Hilfe im Haushalt“, zählte Wildgrube auf.

Monika Rudolf berichtete von der Tafel in Dorfen, die seit knapp 17 Jahren in der Isenstadt etabliert ist. „Wir leben im Überfluss – diesen Überfluss gibt es aber nicht in jeder Familie.“ Lebensmittel, die sonst im Müll landen, werden täglich von den Helfern mit dem Auto aus den Läden abgeholt, später dann an die Bedürftigen verteilt. „Das summiert sich auf 32,2 Tonnen Lebensmittel im Jahr.“

Vom 1. Januar bis 31. Dezember hat die NBH insgesamt 44 934 Euro eingenommen. Die Ausgaben beliefen sich auf 52 343 Euro. „Die Ausgaben waren aber notwendig“, erklärte Stiegler und zählte einige Aktivitäten auf, in die Gelder geflossen sind. So wurden beispielsweise Ausflüge nach Poing in den Wildpark finanziert, oder Gutscheine für das Dorfener Kino und die Dorfener Buchhandlung gekauft. Friseur-Besuche gehörten ebenso zu den Aktionen wie etwa Weihnachtspäckchen, damit jedes Kind in Dorfen auch ein Geschenk unter dem Tannenbaum findet.

Die Haupteinnahmequelle der Nachbarschaftshilfe Dorfen sind Spenden. Rund 21 300 Euro kamen im vergangenen Jahr zusammen. Die Aktion „Licht in die Herzen“ des Erdinger/Dorfener Anzeiger brachte der NBH einen Scheck über 5000 Euro ein. Hinzu kamen 64 weitere Spender aus Dorfen und Umgebung, Firmen und Privatpersonen, die Wildgrube als „alljährliche Wiederholungstäter“ bezeichnete.

Besonders stolz war Wildgrube auf die Unterstützung einer alleinerziehenden Mutter, die eine Ausbildung gemacht hat und ihre Kinder morgens nicht in die Kita bringen konnte: „Es mussten täglich eineinhalb Stunden überbrückt werden – die Frau hat mittlerweile Examen.“

Und weil nicht wenige Senioren nicht genügend Geld zur Verfügung haben, sprang die NBH auch schon mal ein, wenn eine kaputte Waschmaschine gegen ein neues Exemplar ersetzt werden musste. Oder auch, wenn es darum ging, Brennstoff zum Heizen zu kaufen oder die Heizkosten zu übernehmen, um damit die alten Herrschaften davor zu bewahren, dass ihnen der Strom abgeschaltet wurde.

Ihr reguläres Hilfsangebot kann die NBH noch nicht wieder starten, manches ist aber schon möglich, wenn Abstands- und Maskengebote beachtet werden können. Das gilt für den Einkaufs-und Besorgungsdienst, für Botengänge, Hilfe beim Ausfüllen von Formularen, kleinere Reparaturen in den Räumen der Nachbarschaftshilfe, einfache Gartenarbeiten, Grabpflege, den Seniorenmittagstisch als Bring-Essen und das Plauder-Telefon. „Die Bedürftigen sind mehr denn je auf uns angewiesen“, betonte Wildgrube.

„Bei Problemen suchen wir Lösungen und finden diese auch meistens – geht nicht, gibt’s eigentlich nicht“, erklärte die Vorsitzende. Ergo: Wo es dringenden Bedarf gibt, sind auch individuelle Hilfen möglich. Das kann unter Tel. (0 80 81) 9 57 72 60 besprochen werden. Die Bürozeiten der NBH sind in Dorfen Montag, Mittwoch und Freitag von 10 bis 12 Uhr.

Michaele Heske

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