Licht in die Herzen

Nachbarschaftshilfe als Familien-Ersatz

Dorfen - Das Leben wird immer anonymer. Und das nicht nur in Großstädten. Wer Hilfe braucht oder Gesellschaft sucht, weiß oft nicht, wohin er sich wenden soll. In Dorfen springt hier die Nachbarschaftshilfe ein.

Gerade ältere Menschen sind immer öfter einsam. Doch fast jeder der Senioren will, so lange als möglich, zuhause in den eigenen vier Wänden bleiben. Doch was tun, wenn plötzlich eine Krankheit verhindert, seinen Haushalt alleine bewältigen zu können? Früher sprangen hier meist Nachbarn ein. Doch in der heutigen, immer anonymer werdenden Zeit, fehlt es meist an gut nachbarschaftlichen Beziehungen. Trotzdem gibt es Menschen, auf die man sich verlassen kann. Es sind die ehrenamtlichen Helfer der Nachbarschaftshilfen. In Dorfen gibt es seit 15 Jahren eine derartige Einrichtung. Schwächeren helfen, ihnen zur Seite stehen, das ist es, was sich der soziale Verein zur Aufgabe gemacht hat. Dutzende Ehrenamtliche engagieren sich in der Nachbarschaftshilfe Dorfen und geben anderen damit wieder Mut, Zuversicht und Vertrauen.

Sie stehen als Haushaltshilfe etwa beim Waschen, Bügeln, Kochen oder Putzen zur Verfügung, wenn eine Selbstversorgung vorübergehend nicht möglich ist. Auch wer Gesellschaft sucht, jemanden zum Einkaufen oder bei Spaziergängen als Begleiter braucht, kann sich an die Nachbarschaftshilfe wenden.

Die Nachbarschaftshilfe wird so gerade für alleine lebende Menschen zu einer Art Familienersatz. Hilde Mittermeier, die Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe, nimmt hier als Beispiel eine hochbetagte Dame. Sie kann nur deshalb in ihren eigenen vier Wänden bleiben, weil regelmäßig eine Helferin der Nachbarschaftshilfe kommt, die der alten Frau zur Hand geht, ihr im Haushalt hilft und Fenster putzt. Oft würde es Senioren auch schon genügen, wenn jemand sie zum Kaffee trinken besuchen komme. „Für die Menschen ist es wichtig, dass sie aus dem Alltagstrott rauskommen, darüber reden können, was sie bedrückt oder bewegt“, weiß Mittermaier.

Die Dorfener Nachbarschaftshilfe will gerade die Betreuung alter, alleinstehender Menschen noch intensivieren. Denn oft leben diese auch unter Verhältnissen, die keiner möchte. Weil nicht wenige Senioren nicht genügend Geld zur Verfügung haben, springt die Nachbarschaftshilfe schon einmal ein, wenn es darum geht, Brennstoff zum Heizen zu kaufen oder die Stromkosten zu übernehmen, um damit die alten Herrschaften davor zu bewahren, dass ihnen der Strom abgeschaltet wird.

Mittermaier umreißt den Grundsatz des Engagements der Nachbarschaftshilfe: „Die Würde achten. Den Menschen sehen. Die Bedürftigkeit überbrücken. Ein Wort, ein Satz kann einen Menschen aufrichten, ihm eine Perspektive geben, seine Selbstheilungskräfte mobilisieren. Was zählt ist Menschlichkeit, Mitmenschlichkeit.“

Licht in die Herzen

Das Leserhilfswerk des Erdinger/Dorfener Anzeiger unterstützt die NBH Dorfen. Spenden sind auf das Konto (Nummer 17111) bei der Sparkasse Erding möglich. Kontoinhaber: Zeitungsverlag Oberbayern. IBAN: DE54700519950000017111.

Auf Wunsch werden Spendenquittungen ausgestellt. Dies vermerken Sie bitte mit Ihrer Adresse auf dem Überweisungsträger. Die Namen der Spender werden veröffentlicht. Wer dies nicht wünscht, vermerkt es bitte ebenfalls auf der Überweisung.

Anton Renner

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