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Informationen zum Managementplan für das FFH-Gebiet „Isental mit Nebenbächen“ gab Regierungsdirektor Thomas Eberherr (l.).

„Natura 2000“

Naturschutz – völlig unverbindlich

Bauboom, Straßenbau, Wirtschaftsinteressen: Fauna und Flora bleiben auch in Bayern immer öfter auf der Strecke. Mit einem Managementplan für das Flora-Fauna-Habitat-Gebiet „Isental mit Nebenbächen“ sollen besonders wertvolle Lebensräume und Arten im Ist-Zustand erhalten bleiben.

Von Hermann Weingartner

Walkersaich – Täglich gehen Flächen von 19 Fußballfeldern in Bayern durch Versiegelung für immer verloren. Zudem sorgen intensive Landwirtschaft für bedrohliche Probleme der Artenvielfalt in Gewässern und auf Fluren. Was also tun? Eine Antwort der Regierung von Oberbayern ist jetzt einen Managementplan für das FFH-Gebiet „Isental mit Nebenbächen“ aufzustellen. Damit soll auf den rund 750 Hektar großen FFH-Flächen entlang der Isen und Zuflüssen wie Goldach, Lappach und Rimbach ökologisch wertvolle Natur und seltene Arten zumindest erhalten bleiben.

Zur Auftaktversammlung für den Managementplan am Montagnachmittag begrüßte Regierungsdirektor Thomas Eberherr, Teamleiter „Natura 2000“ an der Regierung von Oberbayern, in der Schlosswirtschaft Walkersaich zahlreiche Vertreter von Fachbehörden, Kommunen, Organisationen und Verbänden. Von der Stadt Dorfen war offenbar niemand vor Ort. Mit „Natura 2000“ soll ein europaweites Schutzgebietsnetz für besonders wertvolle Lebensraumtypen und Arten zum Erhalt der biologischen Vielfalt eingerichtet werden, erklärte Eberherr. Die Bayerische Natura-2000-Verordnung ist die Umsetzung der entsprechenden europäischen Richtlinie. Der Managementplan ist eine Leitlinie staatlichen Handelns und für Behörden rechtsverbindlich. Die Verordnung soll Rechts- und Planungssicherheit sowie einheitliche Standards in Bayern bringen, etwa bei Bewertung der Artenvorkommen und Lebensräume, wie Auwald, Stillgewässer, Fließgewässer oder feuchte Hochstaudenfluren.

Eberherr betonte, dass mit dem Managementplan für die Nutzung durch die Grundeigentümer oder deren Pächter „keine rechtlich verbindenden Verpflichtungen entstehen“. Maßnahmen seien „rein freiwillig“. Man berate Betroffene „in Richtung Förderprogramme zu nützen“. Nur im Miteinander, zusammen mit den Grundeigentümern und gegenseitigem Verständnis könne man etwas Positives erreichen.

Rechtsverbindlich bleibt das gesetzliche Verschlechterungsverbot (BayNatSchG), das unabhängig vom Management gilt. Danach sind alle Maßnahmen verboten, die erhebliche Verschlechterung maßgeblicher Lebensraumtypen und Arten bringen. Entscheiden müsse jeweils der Einzelfall. So könnte der Biber durch seine Aktivitäten je nach Betrachtung gleichzeitig Vorteile und Nachteile schaffen, sagte Eberherr. Der Biber gehöre aber nicht zur besonders geschützten Art im FFH-Gebiet „Isental mit Nebenbächen“.

Folgen des Autobahnbaus A 94 habe mit dem Managementplan nichts zu tun. Der Managementplan soll im Herbst 2018 fertig sein, sagte Eberherr. Jetzt starte die Erfassung besonderer Lebensräume und Arten, deren Bewertung und Behördenabstimmungen. In einem „umfangreichen Beteiligungsprozess“ können sich Bürger, Grundstückseigentümer, Kommunen und Verbänden einbringen. Vor dem Abschluss gebe es dann einen „runden Tisch“. Einwände würden sorgfältig geprüft und berechtigte Anliegen berücksichtigt.

Der frühere Erdinger BBV-Kreisobmann Johann Schwimmer meldete Bedenken an. Die Einrichtung des Natura 2000-Gebietes könnte langfristig die landwirtschaftliche Nutzung einschränken. Eberherr beruhigte, die Aufnahmen seien einmalig und Maßnahmen nicht verbindlich.

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