Aktiv gegen Rechtspopulismus sind (v. l.) Michaela Meister und Gert Hänsel, Sprecher von „Dorfen ist bunt“. Foto: Lang

DORFEN IST BUNT

Neonazis aus der Stadt vertrieben

Dorfen - Dem sich ausbreitenden Rechtspopulismus etwas entgegensetzen, das ist das erklärte Ziel des Aktionsbündnisses „Dorfen ist bunt“. „Wir streiten dafür, das wir miteinander streiten dürfen“, bringt es Sprecher Gert Hänsel auf den Punkt.

 „Dorfen ist bunt“, und das soll auch so bleiben, wenn es nach Michaela Meister und Gert Hänsel, den Sprechern des gleichnamigen Aktionsbündnisses geht. Das haben beide bei einem Pressegespräch deutlich gemacht. An diesem Donnerstag, 19. Januar, werden dazu um 19.30 Uhr bei der Mitgliederversammlung im evangelischen Gemeindezentrum auch die Weichen gestellt. Besprochen werden soll, wie es mit dem Aktionsbündnis weitergeht. Ein Themenschwerpunkt für 2017 ist schon sicher: Es wird der Umgang mit dem sich immer weiter ausbreitenden Rechtspopulismus sein. Als Auftakt zum neuen Themenschwerpunkt spricht an diesem Abend Robert Philippsberg von der Fachinformationsstelle Rechtsextremismus München. Er ist Beobachter der rechtsradikalen Szene und hat einen Lehrauftrag an der Ludwig-Maximilians-Universität, wo er die Ursachen für den erstarkenden Rechtspopulismus untersucht.

Vor über zehn Jahren, im Juli 2006, wurde das Aktionsbündnis ins Leben gerufen. Damals wurde Dorfen von der rechtsextremen NPD und Münchener Neo-Nazis mit drei Aufmärschen „beglückt“. Dies sorgte für große Beunruhigung in der Bevölkerung. Damals gelang es einer engagierten Bürgerschaft Widerstand zu organisieren und unter Martina Oefele als erster Sprecherin auch die beiden Kirchen und die Stadt für das Bündnis „Dorfen ist bunt“ zu gewinnen. Die Neo-Nazis haben sich bald andere Orte für ihre Aktivitäten gesucht. Das Bündnis ist geblieben.

„Unsere Aufgabe ist es, zu informieren und aufzuklären“, sagt Meister. Bildung und Vergangenheitsbewältigung seien weitere Betätigungsfelder, in denen sich die Gruppe von 30 bis 40 interessierten Mitgliedern, vor allem aber ein gutes Dutzend Leute, aktiv einbringen. Mindestens zwei Veranstaltungen finden im Jahr statt. Vorträge, Filme und Lesungen werden regelmäßig angeboten. Auch der Neonazi-Aussteiger Felix Benneckenstein sprach bei einer Veranstaltung. Er bestätigte dem Aktionsbündnis, dass die Arbeit von „Dorfen ist bunt“ richtig war. Denn Benneckenstein verriet, dass sich die Neonazis oft einen anderen Wirkungsort suchten, wenn ihnen der Widerstand in der Bevölkerung zu groß werde, wenn sie auf keinen guten Nährboden träfen und die Zivilgesellschaft geballt gegen sie auftrete.

Auch Vergangenheitsbewältigung und Bildungsarbeit leistet das Aktionsbündnis mit beachtlichem Erfolg. Mit einem Rundgang durch Dorfen wurde an historische Ereignisse erinnert. So stießen die Organisatoren auf die „Displaced Persons“, jüdischen Personen, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg außerhalb ihrer Heimat in Dorfen aufhielten. Daraus entstand ein großes Projekt: Ein Buch, für das die Mitglieder „einiges an finanziellen Vorleistungen erbringen mussten“, sagt Hänsel. Die Kosten seien mittlerweile gedeckt, dennoch beschäftige ihn das Thema heute noch, so viele Anfragen erhält er monatlich.

„Wie geht’s weiter? Braucht es uns noch?“, fragte Meister bei dem Pressegespräch provokativ und gab auch gleich die Antwort. Ja, denn man wolle dem erstarkenden Rechtspopulismus etwas entgegensetzen. „Die AfD gewinnt auch ganz schön dazu“, und in den sozialen Netzwerken mache sich eine gewisse Hetze breit, der man entgegen steuern wolle. Gegen Rechtspopulismus vorzugehen, sei jedoch schwieriger, weil es dafür nicht die gleichen Rechtsvorschriften gebe. „Die angestrebten Änderungen der Gesellschaft, dass man die Weltoffenheit eindämmen möchte, das stört uns“, so Meister. Auch Fremdenhass, Rassismus und autoritäre Führungsstrukturen würden von einem immer größer werdenden Bevölkerungsteil offen befürwortet.

„Es geht auch darum, unsere politische Ordnung und unsere Meinungsfreiheit zu verteidigen“, sagte Hänsel. Welche Aktivitäten stattfänden, werde sich entscheiden. „Wir müssen schauen, was die Ereignisse bringen.“ Auf alle Fälle werde „Dorfen ist bunt“ nicht müde, für das eigene Demokratieverständnis zu kämpfen. „Wir streiten dafür, das wir miteinander streiten dürfen.“ Trotz unterschiedlicher Ansichten hat sich das Bündnis noch nie entzweit – und so soll es auch bleiben.

Birgit Lang

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